VC-Verband AVCO fordert 1 Mrd. Euro-Dachfonds für Österreich

Gastkommentar. Berthold Baurek-Karlic, Vorstand der österreichischen VC-Dachorganisation AVCO (u.a.), erklärt, warum die Organisation einen Dachfonds für Österreich fordert.
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AVCO fordert Dachfonds für Österreich
(c) AVCO: AVCO-Präsident Rudolf Kinsky
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Der österreichische Kapitalmarkt besteht nicht nur aus der Wiener Börse. Die überwiegende Mehrheit der Firmen – der sogenannte Mittelstand bzw. Startups – ist auf privates Eigenkapital (Private Equity) angewiesen. Das Thema fand auch im Regierungsprogramm der Österreichischen Bundesregierung Platz, da die wirtschaftliche Bedeutung dieser „Alternativen Finanzierung“ mittlerweile auch hier klar verstanden wurde. Nachdem in den vergangenen Jahren Anreize für eine verstärkte Mobilisierung von informellem Eigenkapital (z.B. Business Angels oder Crowd Investing) geschaffen wurden, hat die Europäische Union gerade erst vor wenigen Wochen die bisher größte Venture Capital Initiative – „VentureEU“ – gestartet, die über zwei Milliarden Euro über Dachfonds-Strukturen in Venture Capital Fonds in ganz Europa investieren soll.

+++ Startup-Finanzierung – “Finnland ist uns Lichtjahre voraus” +++

Zu stark für CEE-Initiative, zu schwach für VentureEU

In Österreich fürchtet man, von diesem Geld kaum etwas zu sehen. Für jene Regionen im CEE-Raum die unter sog. Marktversagen leiden, hat der Europäische Investitionsfonds eine eigene Venture Capital-Initiative gestartet, die allerdings wiederum nur eingeschränkt österreichischen Fonds zugutekommen wird. Private Equity (Buy-Out, Generationenwechsel, vorbörsliches Wachstum) ist in vielen Bereichen leider ausklammert. Der heimische Private Equity-Markt ist im Segment des regulierten Risikokapitals (Private Equity und Venture Capital Fonds) für diese Initiativen zu stark und für VentureEU zu schwach. Es braucht einen nationalen Dachfonds, der über seine Zielfonds eine Milliarde Euro vorbörsliches Eigenkapital (inkl. Venture Capital) bereitstellt. Der Fonds selbst soll breit gestreut in alle Segmente von Private Equity investieren, was dessen Risiko drastisch senkt und somit als attraktives Investment für institutionelle Anleger gilt.

Dänemark als Dachfonds-Vorreiter

Diese Idee ist nicht neu – der Danish Growth Fund ist privatwirtschaftlich finanziert und teilweise staatlich besichert. Seit 1992 wurden durch diesen Fonds bzw. dessen Zielfonds über 7.300 Startups und Unternehmen mit Kapital versorgt. Dabei werden Summen zwischen 100.000 und fünf Millionen Euro für maximal 25 Prozent der Unternehmensanteile investiert oder als Kredit bzw. Kreditsicherung vergeben. Teil dieses Gesamtfonds sind die beiden VÆKSTKAPITAL Funds. Seit 2011 wird hier in Kooperation mit Zielfonds Geld investiert.

Nach diesem Vorbild fordert die Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation (AVCO) einen „Austrian Growth Fund“ erklärt AVCO-Präsident Rudolf Kinsky. Die AVCO vereint Mitglieder mit einer Gesamtsumme von mehr als fünf Milliarden Euro Assets-under-Management. Darunter befinden sich etwa Fonds wie Alpine Equity, Hannover Finanz, Deutsche Private Equity, Waterland, Invest AG, 3TS, APEX, Venionaire oder Speedinvest. Mit Sitz im Haus der Industrie fungiert die AVCO als unabhängiger Ansprechpartner für alle Fragen zu Private Equity und als Interessensvertretung der österreichischen Risikokapitalgeber.

Nationaler Dachfonds für Österreich

Die AVCO will das Fondsmanagement international ausschreiben und so einen privatwirtschaftlich initiierten Dachfonds für Österreich professionell aufsetzen. Institutionelle Investoren (etwa Versicherungsgesellschaften, Pensionskassen und Stiftungen) sollen – allenfalls in Kombination mit einer Art Garantie der Republik (nicht Maastricht Schulden erhöhend) – in den breit gestreuten Fonds investieren. „Der vorbörsliche Kapitalmarkt in Österreich ist zu schwach – hier müssen wir reagieren, da der volkswirtschaftliche Schaden sich sonst potenziert. Wir sehen eine wachsende Finanzierungslücke, die zum Ausverkauf österreichischer Startup-Talente und führender Mittelstandsunternehmen führt“, geht Kinsky auf den Grund für die Forderung ein. Hierzu befindet sich die AVCO bereits seit Monaten in Gesprächen mit institutionellen Investoren und hat auch die Regierung von dem Vorhaben an verschiedenen Stellen bereits gut informiert bzw. ist mit dieser in laufender Abstimmung.

+++ Gastkommentar: Das Regierungsprogramm aus VC-Sicht +++

„Verlieren die besten Unternehmen im Zuge der Internationalisierung“

Förderungen, Business Angels und erste kleine Venture Capital Investments werden in Österreich mittlerweile verträglich bereitgestellt – Luft nach oben gibt es hier natürlich noch. Die besten Unternehmen verlieren wir aber leider im Zuge der Internationalisierung, beim Exit oder Börsengang (siehe Wachstumssegmente „Scale“ (Frankfurt) und „First North“ Nasdaq Nordic) bzw. im Zuge von Generationenwechseln, wo wir kaum Investoren auffahren können. Die Aufgabe von Venture Capital-Investments ist nicht nur die Kapitalbereitstellung, sondern vor allem die Begleitung und Erschließung neuer Märkte gemeinsam mit Unternehmen und Private Equity Fonds als wichtige unternehmerische Partner für etablierte Mittelstandsunternehmen.

AVCO-Forderung: Austrian Growth Fund bereits nächstes Jahr

Business Angels können stark in den Anfängen unterstützen, aber für die Internationalisierung oder für das führen etablierter Mittelstandsunternehmens braucht es professionelle Teams und natürlich auch sehr viel Kapital. Das kann nicht durch einzelne Investoren bereitgestellt werden – hier braucht es professionelle Fonds-Manager und davon brauchen wir viel mehr in Österreich.
Die Regierung hat das Thema Kapitalmarkt und Wirtschaftsstandort aufgenommen, die Umsetzung von staatlicher Seite wird aber bis 2020 dauern – wie man aus dem jüngsten Treffen des Finanzausschusses im Österreichischen Parlament lesen konnte. Die AVCO sieht die Privatwirtschaft am Zug und will bereits nächstes Jahr den Austrian Growth Fund aktiv sehen.

Die Vorbilder – VÆKSTKAPITAL 1/2

Als Teile des übergeordneten Danish Growth Fund wurden die beiden VÆKSTKAPITAL Funds im Jahr 2011 etabliert. Seitdem wurden gemeinsam mit anderen Investoren umgerechnet mehr als eine Milliarde Euro in 16 Fonds investiert. Der CIO der Fonds wird bei der diesjährigen Jahrestagung der AVCO am 4. Oktober eine Keynote halten.

⇒ Zur Page der AVCO

Momcilo Nikolic

Learn4Life-Gründer Süß: „Wir machen die Basic-Arbeit, die eigentlich die Wirtschaftskammer machen müsste“

Stefan Süß hat seine Plattform Learn4Life ins Netz gebracht und versucht, Jugendlichen, Kindern, Eltern und Lehrern etwas Positives auf dem Weg mitzugeben. Bei diesem Vorhaben hat er prominente Unterstützer.
/learn4life-grunder-suss/
Learn4Life, Stefan Süß, Mahlodji, Gschwandtner,
(c) Learn4Life - Learn4Life-Gründer Stefan Süß (2.v.r.) entwickelte eine kostenlose Plattform für Weiterbildung im deutschsprachigen Raum.

Stefan Süß hat bereits 2009 sein Projekt Learn4Life gestartet. In Live-Seminaren wurden von bekannten Speakern Denkanstöße und neue Perspektiven angeregt und Zuhörern, simpel gesagt, Mut gemacht. Seine Fortbildungsprogramme haben in der Corona-Zeit einen neuen Spin erhalten, wurden technisch erweitert und digitalisiert.

Führungskräfte mitgenommen

Süß hatte ganz am Anfang vor der Idee zu Learn4Life das Problem, dass die eigenen Mitarbeiter die „motivational speeches“ jener Seminare, die der Gründer besucht hatte, rein aus Erzählungen nicht wirklich „fassen“ konnten. Irgendwann habe er deshalb angefangen, seine Führungskräfte mitzunehmen. Von da an hat er später selbst nach Speakern gesucht und sie eingeladen. „Dann ist alles größer geworden“, sagt er.

Learn4Life: Die Anfänge

Zuerst startete seine Initiative in Wien und Graz und gelangte dann bald nach Deutschland, Nürnberg. Nachdem die Termine immer mehr wurden und Süß nicht alle selbst übernehmen konnte, bat er Freunde mit ähnlicher Einstellung, in diversen Schulen Vorträge über Soft-Skills zu halten. Mit dem Ziel, Top-Speaker mit vielfältigen Themen für die breite Masse zugänglich zu machen – für Erwachsene, Geschäftsleute, Kinder, Eltern, Lehrer und Jugendliche. Ohne Kosten.

Digital wegen Corona

Dies gelang und hat seit Ausbruch der Pandemie eine neue Ebene erhalten. Mit Learn4Life School, Start war am 21. Oktober, versucht Süß mit Webinaren, Live-Events in weiten Teilen Österreichs und Auftritten in Schulen die Jugend zu inspirieren und zu begeistern. Die Zielgruppe dieses ebenfalls kostenlosen Zweigs sind Schüler von elf bis 18 Jahren, Lehrlinge, Eltern, Pädagogen.

Ali Mahlodji, Florian Gschwandtner und Joey Kelly

Für seine Webinare konnte Süß bereits prominente Unterstützung erfahren, darunter „whatchado“-Gründer Ali Mahlodji, Joey Kelly von der Kelly Family oder Florian Gschwandtner, Co-Founder von Runtastic.

Wie der Initiator betont, ist und bleibt Learn4-Life eine „Non-Profit“-Organisation und daher auch auf Unterstützer wie förderwillige Firmen angewiesen, um zumindest externe Kosten zu begleichen.

Learn4Life ausgezeichnet

Bei Learn4Life School soll Schülern durch Speaker Mut gemacht und neue Blickwinkel eröffnet werden. Zusätzlich wird Lehrern Unterrichtsmaterial zur Verfügung gestellt. Süß gehe es darum, Kinder und Jugendliche abzuholen und sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu stärken.

„Was einige Institutionen nicht verstehen, ist, dass sie ja Kunden von morgen oder noch wichtiger, hochwertige Mitarbeiter werden“, sagt er und übt in dieser Hinsicht Kritik an der Wirtschaftskammer, auch wenn die ihrerseits in Oberösterreich das Projekt mit einer Auszeichnung für die „herausragende Initiative“ geehrt hat.

Kritik an Wirtschaftskammer

„Wir machen die Basic-Arbeit, die eigentlich die Wirtschaftskammer machen müsste. Wir bilden Jugendliche aus, sodass sie in ihrer Persönlichkeit stark werden. Die Kammer jedoch ist leider sehr Ich-bezogen. Und Learn4Life nicht ihr Produkt“, sagt Süß, der sich davon nicht unterkriegen lässt und neben den digitalen Schüler-Seminaren auch bereits prominente Speaker für seine Business-Webinare gewinnen konnte.

Autoren, Glücksforscher und Zeitplansystem-Erfinder

Am 28. Oktober tritt Autor und Speaker Klaus Kobjoll vor die Kamera, es folgt am 25. November Jörg Knoblauch, Entwickler des tempus-Zeitplansystems; für den 16. Dezember konnte Glücksforscher Manfred Rauchensteiner gewonnen werden. Für die Live-Webinare ist eine Anmeldung erforderlich, da sie via Zoom stattfinden. Allerdings wird es kurze Zeit später die Möglichkeit geben, die Inhalte auf dem YouTube-Kanal von Learn4life nachzusehen.

Auch Plattform für Kids startet im November

Neben weiteren Plänen und Wachstum in Richtung Deutschland und der Schweiz, startet mit November auch Learn4Life Kids & Parents (für Kinder von sieben bis elf Jahren), mit der Möglichkeit für Eltern, sich Anregungen und Inspirationen für die Entwicklung ihres Kindes zu holen.

Learn4Life Teacher

Speziell nur für Lehrer wird zudem am 26. November die ehemalige österreichische Volleyballnationalspielerin und Psychologin Monika Matschnig zum Thema „Körpersprache für Lehrer“ ein Webinar auf der Learn4Life Plattform halten.

Süß hofft, dass Unternehmen den Mehrwert erkennen und seine Initiative unterstützen. Er sagt: „Es nützt den Jugendlichen, Teilnehmern und schlussendlich der gesamten Region.“

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