A1 und ÖBB Rail Cargo Group machen Güterzüge „intelligent“

Im Güterzugbereich gibt es in Sachen Digitalisierung noch einiges an Potenzial. Das will die Rail Cargo Group (RCG) der ÖBB nun gemeinsam mit A1 im Projekt SmartCargo ausschöpfen.
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SmartCargo - RCG und A1
(c) David Payr / RCG
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Etwa ein Fünftel des Güterverkehrsaufkommens lief in Österreich 2017 laut Statistik Austria über die Schiene. Dabei ging es um ein Volumen von mehr als 100 Millionen Tonnen. Naturgemäß ist der Güterzug vor allem bei mittleren und längeren Strecken das Transportmittel der Wahl. Nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa zählt die Rail Cargo Group (RCG) der ÖBB mit einem aktuellen Jahresumsatz von 2,2 Milliarden Euro und jährlich rund 115 Millionen beförderten Tonnen zu den führenden Unternehmen in der Sparte. Diese Position will man nun in einer Kooperation mit A1 mit dem Projekt SmartCargo ausbauen.

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13.700 smarte Güterwagons

In Sachen Digitalisierung gibt es im Güterzug-Bereich noch einiges an Potenzial. SmartCargo soll nun für „intelligente“ Güterzüge sorgen. Spezielle Telematik an den RCG-Waggons soll unter anderem umfassenden Transportinformationen für Kundinnen liefern und eine deutlich verbesserte und effizientere Wartungskoordination ermöglichen. Konkret sollen bis Ende 2020 RCG-Güterwagen über Positionserkennung, Bewegungssensorik und Stoßerkennung verfügen. Zusätzlich wird von A1 und RCG eine gemeinsame IT-Plattform entwickelt. Im Rahmen erster Tests werden aktuell rund 300 Wagen mit SmartCargo ausgestattet. in weiterer Folge sollen an rund 13.700 RCG-Waggons SmartCargo Devices angebracht werden.

SmartCargo: Integration über Unternehmensgrenzen hinaus

Dabei liefert der Positionssensor die genauen GPS-Koordinaten des Wagens in vordefinierten Intervallen. Ein weiterer Sensor sorgt unabhängig vom GPS-Empfang für zuverlässige Bewegungserkennung, während der 3D-Beschleunigungssensor zur Stoßerkennung und Überwachung des Transports empfindlicher Güter dient. Darüber hinaus kann das System mittels Geofencing eine Sofortmeldung beim Überschreiten vorab festgelegter Zonen, wie etwa Landesgrenzen, senden. Bei fehlender Netzabdeckung zur Datenübertragung verfügt die Hardware außerdem über eine SMS-Rückfallebene. Über die IT-Plattform wird auch die Integration von Fremdwagen, die im Zugverband sind, jedoch nicht im Eigentum der RCG stehen, möglich sein. (PA/red)

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Redaktionstipps

Nikolaus Jilch

Wo Bitcoin und Wall Street zusammenwachsen

Paypal, Square, Goldman und Blackrock: Immer mehr bekannte Namen drängen auf den Bitcoin-Markt. Ein Überblick.
/bitcoin-wall-street/
Nikolaus Jilch: Wo Bitcoin und Wall Street zusammen kommen
Nikolaus Jilch | Hintergrund (c) Adobe Stock - Richard
jungesgeld

Die Zahlen sind eindeutig: Im direkten Vergleich hat die Kryptowährung alle anderen Assets in den vergangenen Jahren alt aussehen lassen. Freilich, es gibt viele gute Gründe, sich von Bitcoin fern zu halten. Es ist ein sehr risikoreiches Investment. Aber in einem Umfeld ohne Zinsen suchen Anleger eben auch verstärkt nach solchen Risikowetten – um ihre Portfolioperformance zu verbessern. Auch traditionelle Anleger, die sonst Aktien, Anleihen, Fonds oder Derivative kaufen, werden auf Bitcoin aufmerksam. Vor allem in den USA haben wir im vergangenen Jahr einen großen Push gesehen. Sehen wir uns heute an, wo Bitcoin und Wall Street zusammenwachsen.

1) PayPal und Square

Der Einstieg der Zahlungs-Dienstleister PayPal und Square hat nicht nur Bitcoin einen Boost gegeben – sondern auch den Aktien der Firmen. Besonders interssant ist der Fall von PayPal, das seinen Kunden schrittweise den Zugang zum Kryptomarkt ermöglicht. Die Firma hat mehr als 360 Millionen Kunden und 28 Millionen Händler weltweit nützen PayPal. Bald wird es möglich sein, bei diesen mit Bitcoin, Litecoin und Ethereum zu bezahlen. PayPal profitiert doppelt. Der Verkauf von Coins an die Kunden ist ein neues Geschäftsmodell. Die Nutzerschaft von Bitcoin wird erhöht, was tendenziell den Preis treibt – und wiederum den Wert der Firma erhöht, was den Aktienkurs hebt. Dazu kommt, dass viele Fondsmanager, die strengen Regeln unterworfen sind, nach einem indirekten Weg suchen, um in Bitcoin zu investieren. Da kommt die PayPal-Aktie gerade recht.

Ganz ählich sieht es beim kleineren Konkurrenten Square aus, hinter dem Twitter-Gründer Jack Dorsey steht, selbst ein großer Bitcoin-Fan. Die Firma hat sogar ein Prozent ihres Cashbestands in Bitcoin umgewandelt und hat im Oktober etwa 4700 Bitcoin für rund 50 Millionen Dollar gekauft.

2) Michael Saylor und Microstrategy

Viel weiter geht der Techunternehmer Michael Saylor. Er konnte den Aufsichtsrat seiner Firma Microstrategy davon überzeugen, ihren gesamten Cashbestand in Bitcoin zu stecken. Er hat inzwischen fast 70.500 Bitcoin eingekauft und dafür 1,125 Milliarden Dollar ausgegeben. Die Aktie des Techunternehmens, das Unternehmenssoftware anbietet, explodierte daraufhin – weil Aktienanleger auch hier eine Möglichkeit sehen, indirekt in Bitcoin zu investieren.

Saylor ist der extremste unter den Bitcoin-Fans zwischen Wall Street und Silicon Valley. Er hat in den vergangenen Monaten hunderte Interviews gegeben, in denen er den US-Dollar als de facto wertlos bezeichnet – und Bitcoin als die Zukunft des Geldes gepriesen hat. Saylor ist aufgrund seiner enormen Überzeugung sicher mit Vorsicht zu genießen. Aber solange Bitcoin nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwindet, werden wir von ihm noch viel hören.

3) Grayscale Bitcoin Trust

Zu den größten regelmäßigen Käufern von Bitcoin gehört der Grayscale Bitcoin Trust. Das ist im Grunde ein Fonds, der Bitcoin kauft – und Anleger können Anteile am Fonds kaufen. Man kann es mit einem Bitcoin-ETF vergleichen, aber wer bei Grayscale kauft, zahlt ordentlich drauf. Die Gebühren sind hoch und der Fonds handelt weit über dem eigentlichen Bitcoin-Preis, weil die Nachfrage so hoch ist. Das Anlagevolumen des Fonds ist im vergangenen Jahr von rund zwei auf mehr als 20 Mrd. Dollar explodiert. Um das Anlegerinteresse zu befriedigen, muss Grayscale immer mehr Bitcoin aufkaufen.

Die konkrete Struktur von Grayscale ist aber sehr kompliziert (hier eine ausführliche Erklärung). Ungewiss ist vor allem, was aus dem Fonds wird, wenn es einmal einen wirklichen ETF gibt. Dass mit Blackrock der größte Assetmanager der Welt seine bisher negative Meinung zu Bitcoin revidiert hat und in den Markt einsteigen will, wird von vielen als Zeichen in diese Richtung interpretiert. Der CIO von Blackrock hat in einem TV-Interview sogar erklärt, dass Bitcoin Gold als Wertspeicher ablösen könnte. Eine These, die man vor wenigen Monaten nur von Hardcore-Bitcoin-Fans gehört hat. Auch andere Anbieter wie VanEck haben Pläne für einen Bitcoin-ETF. Aber es könnte noch Jahre dauern, bis es den wirklich gibt. Bis dahin wird Grayscale eine beliebte Option bleiben. Auch die sehr erfolgreiche Fondsfamilie von Ark, die vor allem in technische Innovationen investiert, ist Kunde. Und zwar schon seit 2015.

4) Banken und Versicherungen

JP Morgan gibt inzwischen ein eigenes Preisziel zu Bitcoin aus, das bei mehr als 140.000 Dollar liegt. Auch Goldman Sachs hat offenbar seine Meinung geändert und bereitet sich auf den Markteinstieg vor. Die 170 Jahre alte Versicherung MassMutual hat 100 Millionen in Bitcoin gesteckt. Auch Hedgefonds-Gurus wie Paul Tudor Jones oder Stanley Druckenmiller sind dabei. Und: Fidelity. Selbst einer der größten Vermögensverwalter Amerikas und ein sehr bekannter Name. Die Firma hat schon vor Jahren damit angefangen, einen eigenen Bitcoin-Flügel aufzubauen und bietet bisher Bitcoin-Investments für besonders betuchte Kunden an.

Weiterhin warnende Stimmen – nicht nur an der Wall Street

Aber man muss laut sagen: Noch gibt es sehr viele Stimmen, die vor Bitcoin warnen und es weiterhin nicht als Assetklasse ernst nehmen. Oft widersprechen sich die Analysten in den Banken gegenseitig. Etwa bei JP Morgan. Auch haben sich sowohl die neue US-Finanzministerin Janet Yellen als auch die EZB-Chefin Christine Lagarde erst kürzlich kritisch zu Bitcoin geäußert und vor Geldwäsche gewarnt.


Zum Autor

Niko Jilch ist Wirtschaftsjournalist, Speaker und Moderator. Nach acht Jahren bei der „Presse“ ging er Ende 2019 zum Thinktank „Agenda Austria“, wo er als wissenschaftlicher Mitarbeiter die Bereiche „Geldanlage und digitale Währungen“ abdeckt, sowie digitale Formate aufbaut, etwa einen neuen Podcast. Twitter: @jilnik


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