Beim zweiten .roundtable von Brutkasten und A1 entbrannte eine spannende Diskussion: Welche Rolle spielen Startups am Weg zur Smart City Wien? “Eine City ist dann smart, wenn es gelingt, die großen Herausforderungen einer Stadt intelligent, nachhaltig und ressourcenschonend – also smarter – zu lösen. Dafür braucht es vernünftige Technologie, die richtige Vernetzung- und dafür braucht es auch Innovationen”, meint Marcus Grausam, Technikvorstand A1.

Beim zweiten roundtable von Brutkasten und A1 diskutierten zum Thema “Wien 2030 – Smartere City durch Startups?” neben Grausam auch Parkbob-CEO Christian Adelsberger, Theresia Vogel, CEO beim Klima- und Energiefonds und Ulrike Huemer, CIO der Stadt Wien. Unter der Moderation von Brutkasten-Chefredakteurin Theresa Sophie Breitsching entstand eine interessante Diskussion zu Smart City-Agenden.

“Eine City ist dann smart, wenn es gelingt, die großen Herausforderungen einer Stadt intelligent, nachhaltig und ressourcenschonend – also smarter – zu lösen”, A1-Technikvorstand Marcus Grausam.

Wo, wenn nicht in Wien, sollte eine Diskussion zum Thema Smart City stattfinden? Immerhin, Wien wurde zum siebten Mal zur Stadt mit der höchsten Lebensqualität ausgezeichnet. Das bedeutet, dass die Stadt nicht nur lebenswert, sondern auch eine sehr smarte Stadt ist. Der Prozess hin zu einer Smart-City bleibt für den Bürger allerdings oft unbemerkt. Smarte Ampelsysteme lotsen die Bewohner durch die Stadt, unser Leitungswasser dürfen wir dank der smarten Prozesse im Hintergrund loben. Per App können wir uns in Wien sogar zu einem freien Parkplatz navigieren lassen.

Wien Vorbild für Tokio

Adelsberger, der mit seinem Startup Parkbob die müßige Parkplatzsuche vereinfacht, ließ gleich zu Beginn der vollen Veranstaltung aufhorchen: Bei seiner Reise nach Tokio vor wenigen Wochen, habe er nämlich mit städtischen Vertretern vor Ort gesprochen. “Tokyo denkt daran, gewisse Prozesse aus Wien zu übernehmen und zu übernehmen, weil sie sich schwer tun aus der eigenen Kultur heraus Innovationen zu gebären.” Wien als Vorbild für andere Städte?

Ulrike Huemer von der Stadt Wien will sich auf keinen Lorbeeren ausruhen: “Wir haben immer noch sehr viel zu tun. Ob es um einen Breitbandausbau der digitalen Infrastruktur geht oder darum, digitale und disruptive Trends frühzeitig zu erkennen und für die Stadt nutzbar zu machen. Wir müssen in smarte Technologien investieren und Kreativität fördern. Wir sollen Innovationskraft fördern und gleichzeitig unsere Fehlerkultur verbessern. Das sind übrigens alles Eigenschaften, die Startups mitbringen.” Darum arbeite Huemer auch gerne mit Startups zusammen. “Ich hab mir als Ziel gesetzt, jedes Jahr mindestens mit einem Startup zusammen zu arbeiten. Bisher gelingt es ganz gut”. Gerade von Startups könne man sich auch viel abschauen. Bei der Kreativität der jungen Unternehmen – aber auch von ihrer Fehlerkultur. “Diese ist nicht die am stärksten ausgeprägteste Eigenschaft einer Stadtverwaltung”, so Huemer.

“Die Fehlerkultur ist nicht die am stärksten ausgeprägteste Eigenschaft einer Stadtverwaltung”, Ulrike Huemer, CIO der Stadt Wien.

Smart City in der Praxis

“Es gibt Smart City-Konzepte im asiatischen Raum, die sehr von Technologie getrieben sind. Hier steht alles im Mittelpunkt – außer der Mensch, um den es gehen sollte. Wien hat von Beginn an einen sehr breiten Smart City-Zugang gewählt. Wir haben das Prinzip festgelegt, dass der Bürger im Zentrum stehen muss”, erklärt Huemer den Smart City Zugang der Stadt Wien.

Selbstfahrende Autos in Wien

brutkasten-0180Bereiten der Trend zum Rad und selbstfahrende Autos dem Wiener Startup Parkbob eigentlich Kopfschmerzen? “Uns geht es primär darum, dem Menschen zu helfen, Zeit und Geld zu sparen – wir können ihm helfen, indem er möglichst schnell einen Parkplatz findet. Das selbstfahrende Auto ersetzt mich vielleicht als Fahrer, aber es muss auch wissen, wo es Parkraum gibt und wo man sich überhaupt hinstellen darf.Langfristig tragen wir also sogar dazu bei, dass solche Szenarien möglich werden”, so Adelsberger.

Wachstumsphase

Generell sei es bei Startups existentiell, nicht den Fokus aus den Augen zu verlieren. “Wenn ich drei Monate lang etwas tun würde, was nicht am Pfad liegt, wird es mich in sechs Monaten vielleicht nicht mehr geben”, so Adelsberger. Umso wichtiger sind Programme, wo sich etablierte Unternehmen mit Startups zusammen tun, um neue Felder zu entdecken. Das Unternehmen setzt dabei ein bisschen auf Risiko und nimmt es dabei gleichzeitig dem Startup weg. Parkbob ist übrigens eines der Startups, die A1 am A1 Startup Campus fördert.

Smart-City-Projekte langfristig und kostenintensiv

Bei der letzten Ausschreibung für förderbare Projekte des Klima- und Energiefonds waren wenige Startups dabei. “Solche Initiativen sind Groß-Projekte. Die Beteiligung der Startups ist überschaubar – das Modell ist nicht für Startups geschaffen, darum schreiben wir extra Wettbewerbe für Startups aus. Die Idee ist, dass es zu einer Vernetzung zwischen Startups und großen Unternehmen kommt”, meint Theresia Vogel. “Startups haben ein Kerngeschäft und das gilt es auszubauen. Dafür gilt es Geld aufzustellen und möglichst rasch zu wachsen. Das ist die Kernaufgabe. Es ist nicht Aufgabe, Startups per se an ganz vielen Projekten zu beteiligen”, ist Vogel überzeugt. Umso wichtiger sei es, die großen Unternehmen, wie z.B. die Stadtverwaltungen, die in den Smart-City-Projekten dabei sind, zu motivieren, Startups mitzunehmen- dort wo es passt. Aber sie warnt auch vor großen Konzerne, die “wie Vampire” Startups “aussaugen wollen”.

Startups als Treiber

brutkasten-0311“Wir suchen nach kreativen Ideen und innovativen Konzepten”, meint Markus Grausam von A1, der vom “vampirähnlichen Konzern” zumindest bei A1 nichts wissen will. Startups, die im A1 Startup Campus aufgenommen werden, profitieren neben Office-Space, Mentoring, auch vom A1-Vertriebnskanal an und den Startups soll beim Markteintritt geholfen werden.

Aber nicht nur die Startups profitieren: “Wir sind ein großes Unternehmen mit einer gewissen Geschichte, wir haben komplexe Prozesse und wir haben viele andere Dinge zu tun, neben dem, dass wir über Innovationen nachdenken. Dieser Spirit, der hier am Campus mit den Startups herrscht, ist irrsinnig inspirierend. Und wir versuchen Teile davon in unsere Alltagswelt einzubauen”, so Grausam. Können Startups also eine Stadt wie Wien Smart City-fit machen?

“Ja, ich glaube, dass Startups einen tollen Beitrag leisten können und sie tun sich auch viel einfacher, traditionellere Prozesse neu zu designen. Startups haben auch keine Vergangenheit. Aber es wird auch die traditionellen Unternehmen brauchen”, ist Grausam überzeugt.

Die Diskussion beendete Moderatorin und Brutkasten-Chefredakteurin Theresa Sophie Breitsching mit einem Zitat von William Shakespeare: “What is a city, but the people?” Denn hinter jedem Unternehmen und jedem Startup stehen Menschen und Bürger – um Wien Smart City fit zu machen müssen alle an einem Strang ziehen. Der gemeinsame Nenner der Diskussion im A1 Startup Campus war auch die Verbindung von Startups und Corporates, um zusammen die Zukunft zu gestalten. Wien am Weg zur Smart City ist ein Zusammenspiel beider Welten.