Ohne ein Klosterneuburger BioTech gäbe es keinen BioNTech-Corona-Impfstoff

Das Klosterneuburger Unternehmen Polymun ist auf Lipid-Nanopartikel spezialisiert. Diese werden auch für den am weitesten fortgeschrittenen Covid-19-Impfstoff von BioNTech und Pfizer genutzt.
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Der Covid-19-Impfstoff-Kandidat von BioNTech und Pfizer - auch Polymun aud Klosterneuburg ist beteiligt
(c) BioNTech: Der Covid-19-Impfstoff-Kandidat von BioNTech und Pfizer
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  • Wenn das amerikanische Wall Street Journal (WSJ) bei Polymun von einer „tiny firm in rural Austria“ schreibt, kann man dem Redakteur wohl vorwerfen, dass er die lokalen Gegebenheiten nicht gut recherchiert hat.
  • Wichtiger ist aber gewiss, was in besagtem WSJ-Artikel noch drinnen steht: Ohne die „Lipid-Nanopartikel“ des 90 Personen-Unternehmens Polymun aus Klosterneuburg könnte der bislang am weitesten fortgeschrittene Covid-19-Impfstoff von BioNTech und Pfizer nicht funktionieren.
  • Diese Lipid-Nanopartikel von Polymun sorgen dafür, dass die RNA des Impfstoffs von den menschlichen Zellen aufgenommen wird.
  • Wenn der Covid-19-Impfstoff nun, wie von BioNTech und Pfizer geplant, bald zugelassen wird und die Produktion für den weltweiten Bedarf starten kann, werden die Kapazitäten in Klosterneuburg aber nicht ausreichen.
  • Sie werden dann an mehreren Standorten weltweit erzeugt werden.

Wenn das amerikanische Wall Street Journal (WSJ) bei Polymun von einer „tiny firm in rural Austria“ schreibt, kann man dem Redakteur wohl vorwerfen, dass er die lokalen Gegebenheiten nicht gut recherchiert hat. Das BioTech-Unternehmen hat seinen Sitz in Klosterneuburg und damit direkt neben Wien und nicht gerade im ländlichen Raum. Und es hat mit rund 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Größe, die hierzulande sicher nicht mehr als „winzig“ durchgeht. Wichtiger ist aber gewiss, was in besagtem WSJ-Artikel noch drinnen steht: Ohne die „Lipid-Nanopartikel“ des Unternehmens könnte der bislang am weitesten fortgeschrittene Covid-19-Impfstoff von BioNTech und Pfizer nicht funktionieren.

Polymun: Lipid-Nanopartikel bringen Covid-19-Impfstoff-RNA in Zellen

Dieser wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in Europa als erster zugelassen und es bestehen bereits Liefervereinbarungen mit der EU und anderen Ländern. Dabei handelt es sich um einen sogenannten RNA-Impfstoff. Der Körper wird mit diesem dazu stimuliert, ein Protein herzustellen, das jenem ähnelt, mit dessen Hilfe das Virus in Zellen eindringt. Damit wir das Immunsystem entsprechend trainiert, um – in diesem Fall bei einer Coronavirus-Infektion – im Fall der Fälle zur Stelle zu sein. Doch die RNA aus dem Impfstoff muss erst einmal in die Zellen gelangen, um den beschriebenen Vorgang auszulösen. Eigentlich würde sie nämlich vom Körper bereits abgebaut werden, bevor das passiert. Hier kommen die Lipid-Nanopartikel von Polymun ins Spiel, die eben das verhindern.

Wenn der Covid-19-Impfstoff nun, wie von BioNTech und Pfizer geplant, bald zugelassen wird und die Produktion für den weltweiten Bedarf starten kann, werden die Kapazitäten in Klosterneuburg aber nicht ausreichen, berichtet der ORF. „Wir haben dafür auch schon die von uns entwickelten Technologien zu den Partnern transferiert bzw. sind gerade dabei, damit diese Herstelltechnologie weltweit auf verschiedenen Produktionsstandorten aufgebaut werden kann“, sagt dort Andreas Wagner, Produktionsleiter bei Polymun.

Dominik Perlaki

„Kambis hat die Seite gewechselt“

Kommentar. Der neue Head of Startup Services der WKÖ habe mit der Übernahme der Funktion "die Seite gewechselt" meint Präsident Harald Mahrer. Vorher war Kambis Kohansal Vajargah auf der Seite der Startups. Wo ist er jetzt?
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Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer
Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer (c) Fotospeed Ulrich Schnarr

Bei der gestrigen Präsentation des neuen Head of Startup Services Kambis Kohansal Vajargah ging eine Formulierung von Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer vielleicht zwischen den Neuigkeiten und viel Rhetorik unter: „Nach einem sehr harten Auswahlverfahren freue ich mich, dass Kambis letztlich gesagt hat: ‚Ich wechsle die Seite'“.

Der Seitenwechsel des Kambis K.

Kämpfen nicht alle für die gleiche Sache? Was hat es mit dem „Seitenwechsel“ auf sich? Wie es wohl gemeint war, drückt Kohansal Vajargah in einem „Gruß an die Community“ auf der Page der neuen Startup-Initiative StartupNOW so aus: „Immer wieder kam die Frage auf, warum gerade ich in einer Institution wie der Wirtschaftskammer Österreich starten möchte – ’sind Sie sicher?‘. Dabei kam die Frage weniger aus dem Startupumfeld, als vielmehr über die WKO selbst, wo manche sichtlich überrascht waren von meiner Entscheidung. Warum also ein Unternehmer gefühltermaßen plötzlich einer öffentlichen Organisation beitreten wolle. Für mich war die Antwort umso klarer: Der Wechsel vom Unternehmer zum Policy Maker geht damit einher, die wirtschaftlichen und politischen Weichen für Startups in Österreich dauerhaft in richtige Bahnen mitgestalten zu können“.

Das Vorhaben ist löblich und bei Kohansal Vajargah ganz gewiss aufrichtig und authentisch. Dass jedoch von Mahrer die Formulierung des „Seitenwechsels“ benutzt wird, sagt (wohl ungewollt) viel über die Wirtschaftskammer (WKÖ) und ihr Verhältnis zu den heimischen Unternehmen – im Speziellen den Startups – aus. Denn bei ihrer gesetzlichen Interessensvertretung haben bei weitem nicht alle Unternehmerinnen und Unternehmer das Gefühl, dass ihre Interessen ausreichend vertreten werden.

Wirtschaftskammer: Vertritt die Interessensvertretung die Interessen ihrer Schützlinge?

Zwar gibt es keine aktuellen quantitativen (öffentlichen) Studien zur Einstellung der Selbstständigen zur WKÖ. Allerdings sprechen hohe Zustimmungswerte zu einer Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft in Umfragen sowie ein mäßiges Abschneiden der Kammer im Vertrauensindex (der Gesamtbevölkerung) hier für sich. Ein (nicht quantifizierbarer) Blick auf Social Media- und Foren-Kommentare, etwa anlässlich der Präsentation von Kaufhaus Österreich, und informelle Gespräche in der Startup-Szene zeigen: Die Kritik an der Wirtschaftskammer ist mitunter sehr groß. Daran kann auch ein umfassendes Beratungs- und Service-Angebot nichts ändern.

Doch woher kommt es, dass die WKÖ immer wieder „auf der anderen Seite“, also nicht auf jener der Unternehmer wahrgenommen wird? Die Antwort versteckt sich schon in den Worten von Kohansal Vajargah: Es handelt sich eben um „Policy Maker“ – eine politische Organisation. Und diese ist so eng mit den politischen Entscheidungsträgern verbandelt, dass man ihr eine Interessensvertretung im eigentlichen Sinn nicht zutraut. Sie vertritt durchaus (unter Unternehmern) mehrheitsfähige Standpunkte, aber top-down, nicht bottom-up.

Starke Stimme aus dem Zielgruppenmanagement?

Dieses Bild wird durch einen Ex-ÖVP-Wirtschaftsminister Harald Mahrer, der immer die hervorragende Zusammenarbeit mit den Parteikollegen in der türkisen Regierung betont, komplettiert. Der gestern versprochene Einsatz Mahrers für eine Erneuerung des Covid-Startup-Hilfsfonds kann bestenfalls zum parteiinternen Machtkampf werden, eher zum Kaffee-Gespräch. Die Vorstellung, dass der Wirtschaftskammer-Präsident in einer Verhandlung auf den Tisch haut und gar irgendwelche Konsequenzen in den Raum stellt, um die Interessen seiner Schützlinge durchzusetzen, erscheint hingegen nachgerade absurd.

Ob Kohansal Vajargah in der gegebenen Konstellation überhaupt die Chance gegeben wird, eine starke hörbare Stimme für die Sache der Startups zu erheben, bleibt abzuwarten – es wäre natürlich zu hoffen. Dass seine Funktion in einer Abteilung namens „Zielgruppenmanagement“ angesiedelt wurde, muss man sich jedenfalls einmal auf der Zunge zergehen lassen.

Kaufhaus Österreich: Ein Vorschlag an die Wirtschaftskammer

Wie sehr die WKÖ „auf der anderen Seite“ ist, hat sie übrigens erst mit dem Kaufhaus Österreich wieder einmal gezeigt. Hier behauptet Mahrer nun nachträglich, dass die Wirtschaftskammer nur eine Datenbank zur Verfügung gestellt habe und nicht in die Prozesse involviert gewesen sei. Einige Startups waren bekanntlich zunächst involviert und wurden im Juni nach ihrer Meinung gefragt, um dann gänzlich ignoriert zu werden. Nun spricht Mahrer von einer möglichen „Startup-Challenge“ zur Verbesserung der Plattform, für die man einen Preis vergeben könne.

Hier ein Vorschlag, wie es eine Interessensvertretung, die das Projekt formell zur Hälfte trägt, noch angehen könnte: Sie könnte darauf pochen, dass die Expertise ihrer Schützlinge tatsächlich einbezogen wird. Sie könnte die „Startup-Challenge“ am Anfang machen und so in einem transparenten Verfahren den Auftrag an einen dieser Schützlinge vergeben. Und dieser würde für die Arbeit dann ordentlich bezahlt werden, anstatt mit einem „Preis“ abgespeist zu werden. Aber dazu müsste die Wirtschaftskammer wohl auf der Seite der Startups sein.

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  • Wichtiger ist aber gewiss, was in besagtem WSJ-Artikel noch drinnen steht: Ohne die „Lipid-Nanopartikel“ des 90 Personen-Unternehmens Polymun aus Klosterneuburg könnte der bislang am weitesten fortgeschrittene Covid-19-Impfstoff von BioNTech und Pfizer nicht funktionieren.
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  • Wenn der Covid-19-Impfstoff nun, wie von BioNTech und Pfizer geplant, bald zugelassen wird und die Produktion für den weltweiten Bedarf starten kann, werden die Kapazitäten in Klosterneuburg aber nicht ausreichen.
  • Sie werden dann an mehreren Standorten weltweit erzeugt werden.

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