Ist es möglich, dass wir eines Tages in der Zukunft auf die Zeit zurückblicken, in der wir Tiere noch getötet haben und dabei unsere Köpfe erstaunt schütteln werden? Werden zukünftige Gesellschaften die Menschen aus dem Jahr 2017 für Höhlenmenschen halten, die Tiere routinemäßig für ihr eigenes Abendessen geschlachtet haben?

Eine neue Zukunftsvision

Schauen wir uns einige aktuelle Durchbrüche in der Lebensmittel-Industrie an: Da wird deutlich, dass eine solche Zukunftsvision unvermeidlich ist. Das sage ich als langjähriger Steak-Liebhaber mit Plänen, zu Mittag eine ethisch fragwürdige Thunfisch-Pizza zu mampfen.

Einer der Speaker am Pioneersfestival 2017 gehört zu jenen zukunftsweisenden Menschen, die an einer Welt von morgen arbeiten, die ohne tierische Nahrungsmittel auskommt: Alex Lorestani ist Co-Founder von Geltor. Auf der Bühne in der Wiener Hofburg wird er über die bemerkenswerten Fortschritte seiner Firma bei der Entwicklung nachhaltiger Proteine sprechen.

Süßigkeiten aus “Mastodon Gelatine”

„Unser Prozess ist völlig unabhängig davon, ob das Tier lebt, denn es gibt dabei keinerlei tierische Komponenten. Alles was wir brauchen, ist die entsprechende DNA Sequenz und das war’s“, sagt Alex, dessen Firma im vergangen Jahr Süßigkeiten aus „Mastodon Gelatine“ präsentierte. Damit wollten die Unternehmer die Wirksamkeit der DNA-Synthese demonstrieren, denn wie man sieht musste man gar nicht erst das Tier für die Gewinnung der Gelatine schlachten, sondern konnte auf biologische Strukturen zurückgreifen, die bereits lange vor unserer Zeit existierten.

Den Fortschritt selbst in die Hand nehmen

Lorestani und sein Co-Founder Nick Ouzounov gründeten Geltor aus Wut über den Mangel an Fortschritt in einem so kritischen Bereich wie der Ernährung. Seither hat das Unternehmen  erhebliche Durchbrüche bei der Herstellung von künstlichen Kollagenen (den Bausteinen von Gelatine) gemacht. „Kleine Mengen von sehr teurem Protein herzustellen, ist nicht so schwer“, sagt Alex. „Die eigentliche Herausforderung ist es, Tonnen davon zu einem wettbewerbsfähigen Preis zu produzieren.“

Dank der kostengünstigeren DNA-Sequenz-Drucktechnologie und der “Millionen Liter an Fermentationskapazität”, die ein Erbe der Biokraftstoffindustrie ist, glaubt Lorestani, einen konkurrenzfähige Preis erzielen zu können. Und es könnte der Grundstein für eine Reihe anderer tierfreier Ersatz-Lebensmittel sein.

Vegetarisches Steak-Erlebnis

Wenn die Technologie uns so weit bringen kann, dass wir ein Steak- oder Thunfisch-Erlebnis ohne tierischen Bestandteil haben können, sollten wir nicht alle dafür sein? Nicht nur wegen des unangenehmen Gefühls, dass die Schlachtung unserer Mitgeschöpfe nicht mit unserem technischen Niveau vereinbar ist. Nicht nur, weil es Zeit ist, dass wir damit aufhören, gefährdete Arten für immer auszurotten. Und nicht nur, weil weniger Kühe weniger Emissionen und mehr Wälder bedeuten. All das sind gute Gründe, aber mehr als alles andere geht es um die gigantischen Vorteile einer nachhaltigen Nahrungsmittelversorgung. Deshalb werden Innovatoren wie Lorestani zum Pioneers Festival eingeladen.

Übersetzung: eho