Pickable: Französischer Tinder-Konkurrent startet in Österreich

Das 2018 gegründete französische Startup Pickable bietet mit seiner Dating-App eine Alternative zu Tinder, die die Privatsphäre von Frauen deutlich besser schützt. Heute startet die App in Österreich.
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Philipp Lipiarski: Pickable-Gründerin und CEO Clémentine Lalande
(c) Philipp Lipiarski: Pickable-Gründerin und CEO Clémentine Lalande
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Berichte von Horror-Tinder-Dates liest man in den sozialen Medien immer wieder. Vor allem für Frauen entpuppt sich das simple System der US-App teilweise als Falle – und schlechte Dates sind dabei noch die harmloseste Variante. Dem will das von der Franzosin Clémentine Lalande gegründete Startup Pickable mit seiner Dating-App (iOS und Android) vorbeugen.

+++ Millionen-Exit: Grazer Startup iTranslate wird eine Schwester von Tinder +++

Frauen brauchen kein Profil und wählen Männer aus

Frauen können über Pickable Männer ansprechen, ohne ihre Identität preisgeben zu müssen. Sie müssen weder ihren Namen noch ihr Alter oder ein Profilbild hochladen. Zusätzlich funktioniert die App ganz ohne Anmeldung. „Frauen öffnen schlichtweg die App und wählen Männer aus, die ihnen gefallen. Das ist alles. Keine unerwünschten Anfragen von Männern mehr, die sie nicht interessieren. Keine Zurschaustellung mehr“, erklärt Gründerin und CEO Clémentine Lalande. Damit bleibe Frauen bei der Verwendung von Pickable außerdem die Sorge erspart, dass Freunde, Kollegen oder Familienmitglieder auf ihr Profil stoßen, ohne dass sie das möchten.

Männer präsentieren sich mit Foto als „pickable“

Männer müssen in der App ein Profil anlegen und dazu ein aktuelles Foto hochladen. Sie werden dann für einen bestimmten Zeitraum als „pickable“ angezeigt. Dann können sie ihre Chat-Anfragen durchgehen und entscheiden, auf welche Anfragen sie reagieren möchten. Über ein Dashboard sehen sie in Echtzeit, ob gerade jemand ihre Fotos anschaut und erhalten zudem eine Übersicht aktueller Chatanfragen sowie bisheriger Profilbesuche.

Pickable
(c) Pickable: Männer werden nach Foto ausgewählt

300.000 Downloads nach drei Monaten

Gerade einmal vor drei Monaten startete die App im Heimatmarkt Frankreich, in den USA, Großbritannien und Italien. Seitdem wurde sie bereits über 300.000 Mal heruntergeladen und verzeichnet mittlerweile mehr als 100.000 aktive, monatliche Nutzer. Allein im Jänner 2019 tauschten die User nach Angaben des Startups rund 4,5 Millionen Chatnachrichten aus. In Frankreich schoss die App direkt einen Monat nach Veröffentlichung sogar auf Platz 1 der Trending-Apps. Seit heute ist sie auch in Österreich verfügbar. Gründerin Clémentine Lalande reiste für den Launch eigens nach Wien.

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Redaktionstipps

Dominik Perlaki

Silicon Valley-VC-Reaktion auf Corona: Darum bleiben die USA vor Europa

Kommentar. Eine Studie der US-Kanzlei Fenwick & West zeigt, dass sich am Investment-Verhalten der Silicon Valley VCs im Lockdown statistisch gesehen nicht so viel geändert hat. Das Valley führt wieder einmal vor, wie Startup geht.
/kommentar-silicon-valley-vc-corona-statistik/
Das Silicon Valley Mindset - VC-Verhalten im Corona-Lockdown
fotolia / Michael Kvakin
kommentar

Es sei „ein bisschen erschütternd“, wie wenig das, was in der Coronakrise auf der Welt passierte, mit dem Verhalten der Silicon Valley VCs zusammenhängt, stellt die TechCrunch-Journalistin Connie Loizos fest. Sie schreibt über eine Studie der US-Kanzlei Fenwick & West, in der Zahlen zum Investment-Verhalten der großen Risikokapital-Fonds des Valleys im März und April präsentiert werden (⇒ gesamtes Paper). Die Kernaussage: Rein statistisch ist die Coronakrise zwar spürbar, es gibt aber im Vergleich zu davor keinen drastischen Umschwung.

+++ Spezialseite: Corona & die Wirtschaft +++

Nicht allzu dramatische Änderungen bei Silicon Valley VC-Zahlen

So waren im März 72 Prozent, im April immerhin noch 70 Prozent der erfassten Investments klassische „Up-Rounds“, also Finanzierungsrunden zu einer höheren Bewertung als zuvor. Vergangenes Jahr waren es im Durchschnitt 83 Prozent. Die in der Krisensituation zu erwarteten „Down-Rounds“ zu einer niedrigeren Bewertung als zuvor lagen im März bei 16 Prozent aller Runden und im April bei zwölf Prozent nach acht Prozent im Vorjahresschnitt. Die „Flat-Rounds“ zu gleicher Bewertung schließlich machten im März 13, im April dann 18 Prozent aller Runden aus – im Vergleich zu neun Prozent im Vorjahr. Mit 54 im März und 64 im April lag die Anzahl an erfassten Deals nur knapp unter dem Vorjahresschnitt von 65.

Einen relativ deutlicher Einbruch ist dann doch bei der durchschnittlichen Steigerung der Bewertung zu erkennen. Betrug diese 2019 im Schnitt 93 Prozent (bzw. im Median 60 Prozent), sank sie im März auf 42 Prozent (Median: 26 Prozent), um im April wieder auf 60 Prozent (Median: 30 Prozent) anzusteigen. Branchenmäßig kam im Lockdown der Hardware-Bereich am schlechtesten davon, bei dem es im April unterm Strich sogar eine durchschnittliche Wertminderung um 27 Prozent gab (2019: + 78 Prozent). Besonders gut kamen dagegen (wenig überraschend) Startups aus der Kategorie „Internet; New Media“ davon, die im April eine durchschnittliche Wertsteigerung von 121 Prozent aufwiesen (2019: + 122 Prozent).

Das Kapital fließt anders

Dieser Branchen-Vergleich macht klar: Auch wenn die Änderung der Zahlen insgesamt weniger dramatisch ausfällt, als man bei der anhaltend verheerenden Coronavirus-Situation in den USA annehmen könnte, gab es durchaus drastische Verschiebungen. Es floss nach einem Schock im März spätestens seit April wieder, wie gewohnt, unglaublich viel Kapital in Startups. Es floss bloß anders – an die neuen Gegebenheiten und Nachfrage-Verschiebungen angepasst.

Österreich und Europa machen wieder keinen Boden gut

Für Europa und im speziellen für Österreich stehen derartige Zahlen noch aus. Hierzulande dürfte es sogar mehr Kapitalrunden als üblicherweise geben, u.a. bedingt durch den Covid-Startup-Hilfsfonds, über den in relativ kurzer Zeit Dutzende Startup-Investments verdoppelt wurden (Stand Anfang Juni: 37). Gegenüber dem brutkasten kommunizierten Kapitalrunden (⇒ aktuelle Investments hier) gibt es nach wie vor in etwa gleicher Zahl. Eine während des Lockdowns hierzulande geführte Diskussion lässt jedoch vermuten, dass sich der Anteil an Down-Rounds und Flat-Rounds krisenbedingt maßgeblich gesteigert hat.

Wovon Österreich und ganz Europa jedenfalls weit entfernt sind – das legt die oben gezeigte Erhebung klar – ist, auf das Silicon Valley wirklich Boden gut zu machen (obwohl Österreich und andere einige andere europäische Länder bisher in vielen Bereichen deutlich besser durch die Coronakrise kamen als die USA). Das lässt sich auch ohne konkrete Zahlen sagen. Im Gegenteil könnte sich der Gap in Sachen Startup-Finanzierung sogar einmal mehr vergrößern.

Das Silicon Valley Mindset gewinnt wieder einmal

Wieder einmal ist dabei das viel gepriesene Mindset im Valley der entscheidende Faktor. Das ist nicht unbedingt positiv für einzelne Startups. Gar nicht wenige dürften in den vergangenen Monaten von ihren Investoren einfach gleich fallen gelassen worden sein, anstatt noch einen Rettungsversuch via Down-Round oder Flat-Round zu wagen. Aber diese plötzliche Häufung an Abschreibungen im Gegensatz zum Normalbetrieb verkraften die Silicon VCs mit ihrer Investment-Strategie, in der sie ohnehin davon ausgehen, 90 Prozent Abschreibeposten in ihrem Portfolio zu haben. Und noch mehr: Sie versuchen nicht nur, „durch die Krise zu kommen“, sondern bei Startups, die von der Krise gestärkt werden, die Chance zu ergreifen. Mit den üblichen Mega-Beträgen sorgen sie dafür, dass die US-Anbieter ihren europäischen Mitbewerbern nun erst recht davonziehen. Deswegen werden die USA auch diesmal vor Europa bleiben.

Und darüber hinaus machen sich die privaten Investoren damit das Konjunktur-Paket selbst, das hierzulande aus einem Konvolut an Maßnahmen durch die öffentliche Hand besteht, mit denen am Ende eh wieder die meisten nicht zufrieden sind. Doch in Österreich schreien auch VCs bekanntlich gerne nach Unterstützung vom Staat, weil ja sonst die Risikokapitalinvestitionen zu riskant sind – „vor allem jetzt in der Krise“. Aber das ist eine andere Geschichte.

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