So kann man in Österreich seine GmbH online gründen

Nach einem zweijährigen Testbetrieb ermöglichen die österreichischen Notare nun, eine GmbH online zu gründen. Auf Beratung müssen die Gründer dabei nicht verzichten, die Sicherheit wird über komplexe Verfahren gewährleistet.
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Michael Umfahrer zur Austria Limited
Michael Umfahrer, Präsident der Österreichischen Notariatskammer. (c) ÖNK / R. Tanzer
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Wer eine GmbH gründen möchte, der muss ab Herbst 2019 nicht mehr persönlich in der Kanzlei des Notars erscheinen, kann aber trotzdem auf dessen Beratung und Expertise zurückgreifen. Das ist einer Initiative der Österreichischen Notariatskammer zu verdanken, mit der die digitale Gründung einer GmbH ermöglicht wird.

+++Event-Reihe ab 17.9.: GründerInnenberatung im Science Park Graz+++

Dem vorausgegangen ist ein Pilotprojekt, in dem das Konzept zwei Jahre lang in zwölf Kanzleien getestet wurde (der brutkasten berichtete). „Wichtig war dabei vor allem, dass die Sicherheit gewährleistet wird“, sagt Michael Umfahrer, Leiter des Fachausschusses für Unternehmensrecht der Österreichischen Notariatskammer: Nun ist die Lösung weitgehend fertig und steht kurz vor dem Echtbetrieb.

Die Vorteile der digitalen GmbH-Gründung für Gründer

Die Vorteile für die Gründer liegen dabei auf der Hand: Sie müssen nicht mehr persönlich in der Kanzlei des Notars erscheinen, sondern können die GmbH gemütlich vom Sofa aus gründen – oder auch dann, wenn sie sich selber gerade im Ausland befinden.

+++Was man bei der Unternehmensnachfolge beachten sollte+++

Zugleich können sie sich wie bei einem „Offline-Termin“ via Videokonferenz vom Notar beraten lassen. Dieser kann die Gründer auch zu Themen aufklären, die sie vielleicht nicht im Fokus haben – wie etwa Streit unter den Gesellschaftern, Insolvenz oder der plötzliche Tod eines Co-Founders. „Wir ermöglichen somit eine digitale Gesellschaftsgründung, bei der zugleich weiterhin das professionelle Briefing des Notars gewährleistet wird“, sagt Umfahrer.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Dokumente digital vorhanden sind (mehr dazu weiter unten). Preislich sollen sich die Kosten für eine digitale GmbH-Gründung nicht von einer „analogen“ Gründung unterscheiden.

Der Ablauf der digitalen GmbH-Gründung

Beim digitalen Gründungsprozess spielt Sicherheit eine zentrale Rolle, die Klienten müssen zuerst einen entsprechenden Identifizierungsprozess durchlaufen. Dies geschieht, indem sie per Email eine Einladung bekommen, sich per Videoident-Verfahren zu registrieren und ihre Identität über einen amtlichen Lichtbildausweis nachzuweisen.

+++Stammkapital und Gründungsprivilegierung: Was Startups wissen müssen+++

Der Notar erhält die entsprechenden Identifikationsdaten anschließend in einem elektronischen Datenraum, der eigens für die jeweilige GmbH-Gründung angelegt wird. Hinter diesem Prozess steht das Unternehmen A-Trust, welches dem Gründer – falls noch nicht vorhanden – in diesem Zuge auch gleich eine Handysignatur anlegt. Diese wird für den weiteren digitalen Gründungsprozess benötigt. Im Hintergrund wiederum überprüft der Notar die Identität der Gründer über diverse Datenbanken, um Betrug und Geldwäsche zu verhindern.

Die anschließenden Gespräche zwischen Gründer und Notar finden via Videokonferenz im besagten digitalen Datenraum statt. Hier klärt der Notar über verschiedene Themen auf, und die Gründer können Fragen stellen. Auch bei der Verlesung des Notariatsakts weist der Notar nochmals auf etwaige Ungereimtheiten hin.

Die Gründer signieren den Gründungsvertrag schließlich via Handysignatur. Der Notar wiederum leistet die amtliche Signatur mit einer speziellen Karte, die er in ein eigenes Kartenlesegerät steckt.

Elektronischer Kontakt zu Behörden

Das Ergebnis der digitalen Gründung ist eine „genuin elektronische Urkunde“, wie Umfahrer erläutert. Sie ist also in ihrer ursprünglichen Form digital vorhanden, was den Kontakt mit Behörden deutlich erleichtert, da diverse archaische Zwischenschritte – ausdrucken und einscannen – entfallen.

+++Was passiert, wenn der Co-Founder stirbt?+++

Dieser Vorteil zeigt sich bereits bei der Gründung selbst: Die signierten Dokumente werden digital an das Firmenbuchgericht übermittelt, so dass die Eintragung ins Firmenbuch erfolgen kann.

Übereilungsschutz und Rechtssicherheit

Wichtig ist bei der Beratung durch den Notar auch der sogenannte „Übereilungsschutz“ – also die Sicherstellung, dass niemand vorschnell einen Vertrag unterschreibt, durch den für ihn grobe Nachteile entstehen. Dies erfolgt über die Beratung im Videogespräch. „Hier reichen oft drei bis vier Fragen, die der Notar gezielt stellt“, sagt Umfahrer: Würde diese Aufklärung jedoch nicht geleistet, so könnte für einzelne Parteien rasch ein großer finanzieller Nachteil entstehen.

Außerdem kann – ergänzend zu den zuvor angeführten Sicherheitsvorkehrungen – der Notar das Gespräch abbrechen, wenn ihm eine Ungereimtheit auffällt. So ist zum Beispiel auch vorgesehen, dass während des Gesprächs und während der Identifikation die Internetverbindung der Parteien nicht abbrechen darf.

Der One-Stop-Shop für die GmbH-Gründung

Für die Zukunft ist geplant, die digitale GmbH-Gründung über die Notare als One-Stop-Shop zu etablieren. Denn die Österreichische Notariatskammer hat eine Kooperation mit dem Digitalisierungsministerium, über welche man auch die Features des Unternehmensserviceportals anbieten kann. So soll es zum Beispiel möglich sein, im Zuge der eigentlichen Gründung auch gleich Dinge wie die Beantragung einer UID, die Anmeldung bei der Sozialversicherung und die Anmeldung eines Gewerbes zu erledigen.

+++Checklist: 10 Fragen auf dem Weg zur GmbH-Gründung+++

Summa summarum sieht Umfahrer viel Potenzial für die digitale GmbH-Gründung. Denn zwar würden heute noch viele Menschen Dokumente auf Papier mit einem gewissen Sicherheitsgefühl verbinden – die Zukunft ist aber, wie auch in so vielen anderen Lebensbereichen, elektronisch. „Und die Notare gehen hier mit der Zeit“, sagt Umfahrer, „um vor allem bei jüngeren Klienten dem Bedürfnis nach einem modernen Gründungsprozess nachzukommen.“


Tipp: Am 17. September startet eine vierteilige Event-Reihe der Steiermärkischen Notariatskammer im Science Park Graz. Notarsubstitut Nicolas Kotzmuth gibt in der GründerInnenberatung nützliche und wertvolle Tipps, was man bei einer Unternehmensgründung wissen und beachten sollte. ⇒ Details zur Veranstaltungsreihe


Video: Freiheit vs. Sicherheit – Diskussion beim Europäischen Forum Alpbach


Redaktionstipps

Stefan Mey

Neue Marke: capital300 wird zu 3VC

Der VC capital300 benennt sich in 3VC um. Im Gespräch mit dem brutkasten erläutert Gründer Roman Scharf die Details.
/capital300-3vc/
Das Team von 3VC
Das Team von 3VC. (c) Patrick Münnich | www.patrickmuennich.com

Der in Österreich ansässige VC capital300 benennt sich um und ist ab sofort unter dem Namen 3VC aktiv. Zuvor hat das sechsköpfige Team bereits Investments in Startups wie Assaia, Authenteq, Kaia Health, Lokalise, PicsArt und Storyblok durchgezogen. Nun erklärt Gründer und Geschäftsführer Roman Scharf im Gespräch mit dem brutkasten, was es mit dem Rebranding von capital300 zu 3VC auf sich hat.

3 statt 300: Qualität statt Quantität

Erstens sei es so, dass die Bezeichnung „300“ außerhalb von Österreich wenig Assoziationen weckt, sagt Scharf: 3VC hat aber nur eine von 13 Beteiligungen in Österreich. „Es ist also wichtig, dass die Marke international funktioniert“, sagt er. Der zweite Grund ist laut Scharf, dass die Zahl „300“ Volumen signalisiert. 3VC setzt aber auf Qualität anstatt auf Quantität und macht nur 3-4 Deals pro Jahr, wie Scharf sagt.

…aber die „3“ wird beibehalten

Die Zahl „3“ wird hingegen im Markennamen beibehalten, weil diese laut Scharf auch für die drei Phasen steht, in denen 3VC künftig investieren möchte: Seed, Series A und Growth. Bisher war der Fokus auf Series A gelegen, allerdings hatte es auch eine Handvoll Seed-Deals gegeben. Außerdem habe man gesehen, dass man auch Deals nach der Series A-Phase machen kann.

Video: 3VC investiert in Lokalise

Keine Verbindung zu startup300

Die neue Marke 3VC könnte auch ein Missverständnis klären, das öfters entsteht: Denn entgegen des ersten Eindrucks ist capital300 gesellschaftsrechtlich nicht mit der börsennotierten startup300 AG verbunden. Hingegen war es so, dass sich bekannte Mitglieder von startup300 auch am Fonds von damals capital300 beteiligt und vor allem beim Start mit ihrem Know-How unterstützt haben.

Nach welchen Startups 3VC aktuell sucht

Im aktuell laufenden, 50 Millionen Dollar schweren Fonds gibt es übrigens noch Platz für ein bis zwei Deals, wie Scharf sagt. „Wir haben einige Startups im Auge, aber noch nichts unterschrieben“, sagt er. Im Fokus sind dabei Branchen wie B2B SaaS, AI, Industrie 4.0 und Health.

„Allerdings sehen wir auch Companies, die auf den ersten Blick in keine Kategorie passen, weil diese Kategorie erst entstehen muss“, sagt Scharf. Ein gutes Beispiel dafür dürfte wohl das Unternehmen Jajah sein, das Scharf 2005 gemeinsam mit Daniel Mattes gegründet hatte – damals war Voice-over-IP noch neu, in der heutigen Zeit wäre Arbeiten ohne Remote-Work-Tools nicht denkbar. Hier findet Scharf abschließend lobende Worte für den damaligen Jajah-Investor Sequoia Capital: „Sequoia legt keinen Wert auf Kategorien“, sagt er: „Sie gehen mit offenen Augen durch die Welt.“

Editor’s Coice – die aktuelle Folge des brutkasten-Podcasts

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