Daniel Auer ist seit elf Jahren Unternehmer. Zu seinen Firmen zählen die “cncMonster GmbH”, eine Online-Plattform für die metallverarbeitende Industrie, welche die Fertigungskette digitalisiert, und die “Daniel Auer GmbH”, die sich auf Produkt-Kennzeichnungs-Systeme spezialisiert. Der 31-Jährige war früher auch bei “LUDA Mechatronik” und der “FR-Ready Sport Technologie GmbH” tätig. Vor rund einem Jahr kam Tony Schenkermayer auf Auer zu und präsentierte eine Idee. Trotz leichter Zweifel unterstützte der erfahrene Unternehmer das Vorhaben von Kurt und Tony Schenkermayr und SweedPower war geboren.

+++ Österreichische Startups erobern Getränkemarkt +++

SweedPower: “Anfangs keine großen Chancen gegeben”

“Tony hat damals schon fast zwei Jahre an Arbeit investiert und sogar mit Didi Mateschitz Kontakt gehabt, denn er suchte Partner mit denen er das Getränk erfolgreich auf den Markt bringen kann. Sein Marketingkonzept war nicht mehr zeitgemäß und nur mit sehr großem finanziellem Aufwand realisierbar. Handskizzen und eine übereilte Markenregistrierung waren der Start des Projekts. Ich sah nicht all zu große Chancen und habe ihn dennoch ein wenig unterstützt. Daraus ist relativ schnell ein gemeinsames Unternehmen entstanden. Kurz darauf wurde das Getränk schon österreichweit in Hanf-Shops vertrieben”, erinnert sich Auer an die Anfänge.

Regionale Obstlieferanten aus Österreich

Auer, mittlerweile aktiver Geschäftsführer von SweedPower, betont, dass das Getränk zu 100 Prozent natürlich sei und Aroma von der echten THC-haltigen weiblichen Cannabis Pflanze enthalte. Auf Nachfrage nach dem Sinn und Wichtigkeit des THC-Aromas im Drink verweist Auer auf die Firmenphilosophie: “Bis auf die Kohlensäure sind alle Bestandteile zu 100 Prozent natürlich und mit geringstem Energieaufwand angebaut, geerntet und verarbeitet worden. Daher sind unsere Lieferanten für das Obst alle aus Österreich. Das THC-Aroma müssen wir aus rechtlichen Gründen in Deutschland beziehen. Männliche Pflanzen haben nicht den typischen THC-Geschmack, daher sind sie für die Aromagewinnung wertlos. Die Regierung vergibt nur eine Lizenz und das an ein staatliches Unternehmen. Daher muss die Pflanze in Deutschland angebaut und verarbeitet werden, bis kein THC mehr im extrahierten Aroma enthalten ist”, erklärt er. Zudem sei Hanf eine Pflanze, die in unzähligen Produkten Verwendung finde und den Geschmack hervorhebe, wie es laut Unternehmen heißt.

Dosen als unterschätztes Verpackungsmittel?

SweedPower pflegt als Unternehmen ein umweltschonendes Image. Mit diesem Kerngedanken innerhalb der Unternehmensführung muss sich das Startup allerdings der Kritik stellen, die eine Nutzung von Getränkedosen nach sich zieht. Auer dazu: “Dosen sind entgegen der gängigen Meinung eine der umweltschonendsten Verpackungsmittel und eigentlich ein Verpackungswunder, da sie zu 100% wiederverwertet werden können und einfach zu trennen sind. In so ziemlich allen Ländern bestehen bereits ausgezeichnete Mülltrennungssysteme, sodass der Wiederverwertungsgrad von Aluminium einer der besten ist. Es ist zwar eine 100% biologisch abbaubare Dose aus Hanffasern geplant, die Entwicklung dafür ist aber sehr zeit- und kostenintensiv, sodass wir dieses Projekt erst einmal nach hinten reihen”.

Kein Taurin oder Koffein

Anders als andere Energy-Drinks, die auf Taurin und ähnlich aufputschende Inhaltsstoffe basieren, erweist sich SweedPower eher als Multivitaminsaft mit Aromen. “Powerbringend” soll er dennoch sein, wie der Founder sagt: “Was dem Konsumenten die Energie bringt, ist einzig und allein der Fruchtzucker. Ähnlich wie beim Traubenzucker bewirkt er einen kurzen Energieschub, der aus der Kombination von Fructose und Glucose kommt und schnell ins Blut geht. In der Industrie nutzt man in der Regel nur den süßen Fructose-Anteil, der bei übermäßigem Genuss aber schädlich für den Organismus wirkt. In SweedPower ist im Grunde genau ein Apfel pro Portion drin”, sagt Auer. “Bei normalem Konsum ist hier von keiner Schädigung am Organismus auszugehen. Um sich EnergyDrink nennen zu dürfen, bedarf es des Zusatzes von Koffein oder Taurin. Da wir unser Zielpublikum jedoch auch bei den Kindern und Jugendlichen haben, wollen wir weder künstliches noch natürliches Koffein oder Taurin beimengen. Der Geschmack überzeugt für sich selbst, sodass wir grundsätzlich keine aufputschende Funktion benötigen”.

Zwei Millionen Dosen als Ziel

Die nächsten Pläne von SweedPower sind sehr ambitioniert, wie uns Auer darlegt. “In 3 Wochen haben wir bereits in Summe 300.000 Stück produziert. Während der Werbeaktion bei Billa ab Ende Juli wollen wir in einem Monat eine Million Dosen absetzen und die Verkaufszahlen bis Jahresende 2018 auf zwei Millionen steigern und konstant halten”, sagt er. Der Geschäftsführer nennt SweedPower ein Pilotprojekt, das er bei REWE startete, “da ich es dauerhaft in den Regionalbereich zwischen Honig und Apfelsaft gebracht habe und wir das einzige Regionalprodukt in Dosenform sind. Und durch den Hanfzusatz auch extrem auffallen”.

Kabarettisten als Werbeträger

Neben diversen Werbeaktionen bei Großmärkten hat sich das Startup auf die Hanf-/Bio-Szene spezialisiert. “Wir unterstützen auch das ÖCN (Anm.: Österreichisches Cannabis Netzwerk). Die Hanf-Community ist riesig und sie ist auch unser stärkstes Marketingmittel, da die Händler unser Produkt authentisch mit Information verkaufen”, so Auer weiter. Der junge Unternehmer hat vor, in den nächsten Monaten die Bekanntheit in Österreich drastisch zu steigern. Nach eigenen Angaben hat er dafür bereits bekannte Schauspieler und Kabarettisten aus Österreich und Deutschland für Youtube-Promo-Videos an Bord.

Lokale Produktion aufgrund geringer Nebenkosten

Die nächsten Wege für das eigenfinanzierte Startup stehen auch bereits fest. Man führe Gespräche mit Unimarkt und SPAR. “Bei Unimarkt ist die Einführung im Regionalbereich als Flasche geplant. SPAR wartet, bis es sich bei REWE gut verkauft. In Österreich ist bis Jahresende somit eine hundertprozentige Marktabdeckung bei Nicht-Diskontern angepeilt. Neben Österreich habe ich auch ein Vertriebsnetz in Deutschland und in den USA aufgebaut”, erklärt Auer. “Wir versuchen lokal zu produzieren, um die Nebenkosten gering zu halten, um somit konkurrenzfähig zu bleiben. Die Expansion nach Deutschland wird im vierten Quartal diesen Jahres geschehen, in die USA ist sie für Anfang 2019 geplant. Für muslimische und streng religiöse Länder wird auch eine Sonderedition ohne Hanfblatt produziert.”

App zur Baumaufspürung in Planung

Parallel dazu arbeitet SweedPower an einer App/Webplattform, “mit der wir ungenutzte Streuobst-Bäume aufspüren können, um somit einerseits die Obstlandschaft eines Landes aufzuzeigen und andererseits durch eine AI eine wirtschaftliche Nutzung zu ermöglichen”, so Auer. Nächsten Monat soll es bei SweedPower zwei neue Arbeitsplätze geben und bis Jahresende will Auer noch zehn weitere Stellen schaffen.


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