Microsoft: „Startup-Szene verkauft sich unter Wert“

Im Rahmen der "Innovation to Company" Startup-Challenge soll der Wirtschaftsstandort Wien gefördert werden. Der Brutkasten hat mit Microsoft-Marketing-Chef Gerhard Goeschl über seine Erwartungen und die heimische Szene gesprochen.
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Gerhard Goeschl sieht viel Potential in der österreichischen Startup-Szene.
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Bei der „Innovation To Company (I2C)“ – Challenge von der Wirtschaftskammer Wien haben große Industrieunternehmen wie Microsoft, Heintel und Eaton konkrete Aufgaben vorgegeben. Den Gewinnern winken bis zu 350.000 € und eine Kooperation mit einem der renommierten Unternehmen.

Microsoft Marketing Leiter für IT-Spezialisten und Software Entwickler Gerhard Goeschl sieht viel Potential in der österreichischen Szene. Und er freut sich über die Kooperation mit der Wirtschaftskammer Wien, um Startups zu unterstützen.

Der Brutkasten: Mit welchen Erwartungen sind Sie die Kooperation mit der I2C-Challenge eingegangen?

Gerhard Goeschl: Microsoft arbeitet schon sehr lange mit Startups zusammen. Auch mit der Wirtschaftskammer gibt es seit ca. drei Jahren eine Kooperation, im Zuge derer wir gemeinsam Aussendungen oder verschiedenste Veranstaltungen machen. Wir zeigen den Startups was möglich ist und wie sie Technologie und Software nutzen können. Diese Kooperation funktioniert sehr gut, deshalb lag es für uns auf der Hand, dass Microsoft sich der I2C-Challenge anschließt.

Warum legt Microsoft Wert auf die Zusammenarbeit mit Startups?

Goeschl: Microsoft ist ein großer Konzern und mit vielen eingefahrene Strukturen. Startups hingegen sind neu am Markt, haben viele und teilweise sehr unkonventionelle Ideen und sind schnell in der Umsetzung. Das ergänzt sich gut. Außerdem ist Microsoft ein Plattform-Anbieter. Das heißt wir bieten die Basis an, auf der andere ihre Produkte entwickeln können. Verkauft der Entwickler ein Produkt, verkauft er auch unsere Technologie mit. Eine Win-Win Situation.

Welche Angebote hat Microsoft für Startups?

Goeschl: Wir haben mit dem „BizSpark“-Programm ein spezielles Förderungsprogramm für Startups. Im „BizSpark“ bekommen Startups bis zu drei Jahren lang gratis Software zur Verfügung gestellt, Beratung und Betreuung. Wir helfen ihnen einen Business Plan zu schreiben. Auch kostenlose Cloud-Services sind in dem Paket enthalten.

Bei einem guten Business Plan gibt es die Möglichkeit das Startup für das „BizSpark Plus“-Programm zu nominieren. Da haben wir lokal die Möglichkeit Förderungen in Höhe von bis zu 120.000 US-Dollar auszuschütten.

+++ Michael Bartonek von Eaton Industries über die i2c Teilnahme +++

Gibt es auf Microsoft Seite bereits konkrete Vorstellungen für die I2C-Challenge?

Goeschl: Wir unterstützen gern alle Startups im IT-Bereich, die gute Ideen haben. Für den I2C-Bereich haben wir uns auf den Themenbereich „Smart-City“ geeinigt. Wir suchen Lösungen, die Software-Komponenten haben oder sich möglicherweise im „Internet of Things“-Bereich bewegen. Adressiert wird das Thema der Urbanisierung.

Welche Tipps haben Sie für Startups, die mit Microsoft arbeiten möchten?

Goeschl: Wir suchen eine Lösung die „ready to market“ ist. Ein Startup sollte also ein Produkt einreichen, das defacto fertig ist. Nur eine Idee wäre für die I2C-Challenge zu wenig, es lässt sich aber trotzdem darüber reden ob sich eventuell ein Platz in unserem „BizSpark“-Programm findet. Beim Auswahlverfahren schauen wir uns an: Was ist wirklich marktreif? Was lässt sich ohne allzu viel Aufwand bald umsetzen? Wo gibt es konkrete Zahlen? Wie strukturiert ist die Einreichung?

Wie sieht eine mögliche Kooperation für das Gewinner-Startup aus?

Goeschl: Dem Sieger öffnen wir alle unsere Partnerkanäle. Wir erstellen gemeinsam Marketing-Unterlagen und verteilen sie über unsere Kanäle. Zusätzlich werden unsere Kundenbetreuer damit ausgestattet. Unsere Berater wissen genau, was Großkunden brauchen. So kann ein Startup möglicherweise ein Geschäft mit einer großen Firma abschließen, zu der man sonst keinen Zugang gehabt hätte. Kontakte zu den internationalen Niederlassungen werden hergestellt, um auch dort die Vertriebskanäle zu öffnen.

+++ Mehr zum Thema: Heintel Medizintechnik über die I2C Challenge+++

Was halten Sie generell von der österreichischen Startup-Szene?

Goeschl: Wer sich mit dem Thema noch wenig beschäftig hat, könnte den Eindruck bekommen, dass Österreich nicht so gut unterwegs sei. Vor allem weil Hot-Spots wie Berlin oder Kopenhagen auftauchen. Ich glaube aber, dass sich die österreichischen Startups bzw die Szene aktuell ein bisschen unter ihrem Wert verkaufen. Es gibt hier sehr wohl Ideen und Firmen, die es wert sind, dass man ihnen Gehör schenkt. MySugr oder Runtastic sind ja hervorragende Aushängeschilder für Österreich.

 

Dominik Perlaki

Speedinvest und die Krise: „Bislang keine Insolvenz und auch keine absehbar“

Speedinvest-Gründer Oliver Holle erläuterte in einem Pressegespräch, wie der aktivste Seed-Investors Europas bislang durch die Krise gekommen ist.
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Speedinvest: Oliver Holle
(c) Speedinvest: Oliver Holle

„Es ist eine sehr ambivalente Situation. Alle sind betroffen von der gesundheitlichen und gesellschaftlichen Krise. Gleichzeitig gibt es einen Schwenk hin zu Digital. Das ist das Spannungsfeld, in dem wir uns derzeit bewegen“, so das Eingangsstatement von Speedinvest-Gründer und Managing Partner Oliver Holle bei einem Pressegespräch, indem er einen Einblick in die Auswirkung der Coronakrise auf den Wiener VC gab und den neuen Managing Partner Jörg Flöck vorstellte.

+++ Corona, Innovation und Wirtschaft +++

Speedinvest laut Ranking aktivster Seed-Investor Europas

Erst im 1. Quartal hatte Speedinvest mit dem Closing über 190 Millionen Euro für den neuen Fonds Speedinvest 3 die größte Finanzierungsrunde seit Bestehen abgeschlossen. Seit Jahresbeginn war man laut der Plattform Dealroom.co sogar der aktivste Startup-Investor im Seed-Bereich in ganz Europa – mehr als 20 neue Seed-Investments in Europa wurden in der Zeit abgeschlossen, etwa in das Klimaschutz-Startup Planetly in Berlin, das VideoTech-Startup Deep Render in London, das Schotter-Startup Schüttflixx aus Gütersloh (Deutschland) oder das österreichische HealthTech-Startup Hi Health.

„Es fließt viel Geld in interne Runden“

Doch klarerweise ging seit Beginn des Lockdown März nicht alles so weiter, wie bisher. „Seit drei Monaten kümmert sich jeder VC um primär um sein eigenes Portfolio. Da geht es um schnelle Zwischenfinanzierungen, es fließt viel Geld in interne Runden. Das ist auch bei uns so. Andere geplante Runden verzögern sich dagegen“, erklärt Holle. Doch man habe durchaus auch neue Seed-Runden abgeschlossen: „Wir haben in den vergangenen Wochen in Startups investiert, die wir de facto noch nie gesehen haben“. Generell konnte man trotz Covid insgesamt eine Steigerung im Dealflow verzeichnen – das liege natürlich stark am neuen Fonds Speedinvest 3.

120 Millionen Euro in Folgerunden seit Jahresbeginn

Der DACH-Raum sei dabei nicht mehr so dominant wie bisher. „Wir sind als paneuropäischer Fonds angekommen“, sagt Holle. In das bestehende Portfolio wurden seit Jahresbeginn in Folgerunden insgesamt (von allen beteiligten Investoren) rund 120 Millionen Euro investiert. Herausstechend sind dabei die Kapitalrunden von Adverity (30 Mio. US-Dollar), Tier Mobility (20 Mio. US-Dollar), impala (18 Mio. US-Dollar), refurbed (17,5 Mio. US-Dollar) und Twaice (11 Mio. US-Dollar).

Keine Insolvenz im Portfolio absehbar – „aber drei Monate sind ‚keine Zeit'“

Die Portfolio-Startups hätten sich von der Branche abhängig in der Krise sehr unterschiedlich entwickelt. Der Speedinvest-Chef stellt klar: „Es gab bislang keine Insolvenz und es ist aus heutiger Sicht keine absehbar. Aber drei Monate sind ‚keine Zeit‘. Sämtliche Auswirkungen der Krise werden sich letztendlich erst in den kommenden Jahren zeigen“. 56 Prozent der Portfolio-Unternehmen seien jedenfalls klar negativ betroffen. Während klarerweise Startups in Sektoren wie TravelTech und Mobility eher Probleme haben, habe es in Bereichen wie E-Commerce und Entertainment mitunter „extrem positive“ Entwicklungen gegeben.

Krisengewinner im Speedinvest-Portfolio

„Es gibt viele Beispiele von Startups , die die Krise schnell als Chance genutzt haben“, sagt Holle. Er nennt etwa pesky fish aus London, das frischen Fisch verkauft. Das Unternehmen habe von einem Tag auf den anderen keinen Umsatz mehr gehabt, weil es rein auf den Verkauf an Restaurants fokussiert hatte. „Es gab einen schneller Schwenk von B2B zu B2C. Der Umsatz wurde damit massiv gesteigert. Die gehen nie wieder auf das alte Modell zurück“, erzählt Holle. Ein anderes Beispiel sei prewave, das mit einer „Corona Disruption Map“ im Lieferketten-Monitoring punkten konnte. Oder auch das E-Scooter-Scaleup Tier. „Die meisten Anbieter haben sich zurückgezogen – Tier ist geblieben und ist inzwischen klarer Marktführer“ sagt Holle.

Noch gibt es „mehr Kapital als je zuvor“

Generell müsse sich erst zeigen, wie stark die Venture Capital-Branche von der Krise erschüttert werde. Noch gebe es – nach einer massiven Steigerung in den Vorjahren – mehr Kapital als je zuvor, das investiert werden wolle. Merkbar sei jedoch, dass die LPs (Anm.: Limited Partners – jene, die in die Fonds einzahlen) momentan sehr zurückhaltend seien, was ein Risiko der Schrumpfung berge. Business Angels und Family Offices seien derzeit vorwiegend mit ihren Portfolio-unternehmen beschäftigt. Exits gebe es derzeit kaum – bereits geplante würden tendenziell verschoben werden.

Holle: Lob für Covid-Startup-Hilfsfonds, Kritik an Investitionskontrolle

Zu den politischen Maßnahmen in der Coronakrise sagt der Speedinvest-Gründer: „Plötzlich haben Politik und die öffentliche Hand einen enormen Stellenwert bekommen, vor allem in Österreich und Deutschland. Das ist ein Riesen-Vorteil für hiesige Startups gegenüber jenen aus andren Ländern. Auch in den USA gibt es nichts mit den Hilfsmaßnahmen für Startups im DACH-Raum vergleichbares“. Doch Holle äußert auch Kritik, konkret zum geplanten Investitionskontrollgesetz: „So wie das jetzt diskutiert wird mit einer Kontrolle ab zehn, 25 Prozent, sehen wir das hoch problematisch“. Eine derartige Erschwerung beim Aufstellen von Kapital bewirke das Gegenteil des intendierten Effekts: Startups müssten erst recht früher verkaufen.

Speedinvest als Manager des geplanten Covid-VC-Fonds?

Zu Gerüchten, dass Speedinvest mit dem Management des geplanten VC-Fonds im Rahmen der Covid-Hilfsmaßnahmen betraut werden könnte, meint Holle: „Es hat noch nicht einmal eine Ausschreibung gegeben. Wir sind ein Urgestein der österreichischen Venture-Szene und werden uns dann, wenn es die Ausschreibung gibt, je nach Bedingungen bewerben oder nicht“.

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