Der Mensch kann Licht bekanntermaßen nur in einem bestimmten Wellenlängenbereich sehen (ca. zwischen 430 und 770 Nanometern). Die genaue Wellenlänge entscheidet dabei darüber, welche Farbe wahrgenommen wird. Die kürzeste Wellenlänge hat dabei die Farbe Rot (ganz oben im Regenbogen), die längste Violett (ganz unten). Entsprechend wird die Strahlung im gerade nicht mehr sichtbaren Bereich als Infrarot (kürzere Wellenlängen) bzw. Ultraviolett (längere) bezeichnet. Soviel zur Physik.

Für die Wahrnehmung des Lichts beim Menschen (und bei Tieren) sind verschiedene Rezeptortypen in der Netzhaut verantwortlich, die jeweils für bestimmte Bereiche des Lichtspektrums empfindlich sind. Bei Menschen mit Farbenfehlsichtigkeit (Farbenblindheit) fehlen die Rezeptoren für bestimmte Wellenlängen. Soviel zur Biologie.

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Farbenfehlsichtigkeit: Therapie mit Umweg über Infrarot sehende Mäuse

Wissenschaftler einer chinesischen Universität sind nun einer möglichen Therapie für die Farbenfehlsichtigkeit auf der Spur, wie sie in einem im Wissenschaftsmagazin “Cell” veröffentlichten Paper beschreiben. Sie begaben sich in der Forschung aber auf einen Umweg. Denn statt direkt an der Farbenblindheit anzusetzen, beschäftigten sie sich mit dem nicht sichtbaren infraroten Licht.

Nanoantennen umhüllen Zellen

Dazu entwickelten sie sogenannte “Nanoantennen”. In Form einer Lösung wurden die Nanopartikel in die Netzhäute von Versuchsmäusen injiziert. Diese waren nachher dazu in der Lage, infrarotes Licht zu sehen. Konkret umhüllen die injizierten Infrarot-Strahlung absorbierenden Moleküle Rezeptorzellen, die üblicherweise grünes Licht wahrnehmen, wodurch diese adaptiert werden. Die Mäuse hätten nach der Injektion augenblicklich Infrarot sehen können, berichten die Wissenschaftler.

Ob sich für Menschen auch ein Usecase daraus ergibt, Infrarot sehen zu können, sei an dieser Stelle dahingestellt. Neben einer Behandlung der Farbenfehlsichtigkeit könnten sich allerdings weitere Möglichkeiten in der Behandlung von Augenerkrankungen ergeben, sagen die Wissenschaftler.

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