GmbH statt Non-Profit? Unklarheit bei Facebooks Libra Association

Mit seiner Digitalwährung Libra will der Facebook-Konzern den Payment-Bereich global auf den Kopf stellen. Doch die dazugehörige kolportierte gemeinnützige "Libra Association" scheint derzeit - entgegen anders lautenden Berichten - noch eine nicht registrierte Briefkastenfirma zu sein.
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Genf ist kolportierter Sitz der Libra Association
(c) fotolia.com - Sergii Figurnyi: Genf ist kolportierter Sitz der Libra Association
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Es war eine Meldung die von vielen als markanter Einschnitt in die Entwicklung des globalen Payment-Markts gesehen wird: Der Facebook-Konzern konkretisierte diese Woche seine Pläne für eine eigene Digitalwährung und präsentierte „Libra“. Im Gegensatz zu bekannten Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum wird der Facebook-Token ein Stablecoin, ist also durch Fiat-Geld gedeckt und unterliegt damit nur geringen Wertschwankungen. Der Coin eignet sich daher nicht als Spekulationsobjekt, dafür – so die Intention – für den Alltag.

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Große Partner

Dahinter stehen neben Facebook eine Reihe großer Partner. So sind etwa die US-Amerikanischen Kreditkarten-Weltmarktführer Mastercard und Visa ebenso an Bord, wie PayPal, PayU und Stripe. Als „Marktplatz-Partner“ sind fürs Erste unter anderem eBay, die Booking Holdings (Betreiber u.a. von booking.com), Uber und Spotify dabei. Daneben kooperiert man mit Unternehmen aus dem Telekom- dem Blockchain-, dem VC- und dem Non-Profit-Bereich.

Zweiteiliges System: Calibra und Libra Association

Stichwort Non-Profit: Facebook baut für den für kommendes Jahr geplanten Launch nach eigenen Angaben ein zweiteiliges System auf. Zum einen startet man mit Calibra eine weitere gewinnorientierte Konzern-Tochter. Diese soll auf den Coin ausgerichtete Finanzdienstleistungen anbieten – auf Dauer etwa auch Kredite.

Auf der anderen Seite soll die (laut Facebook) im Schweizer Genf ansässige Libra Association Konzernangaben zufolge als „unabhängige, gemeinnützige Organisation“ die Libra-Reserven (Fiat-Geld, mit dem der Stablecoin gedeckt ist) verwalten und für die technische Umsetzung verantwortlich zeichnen. Mitglieder der Libra Association sollen u.a. die oben genannten Unternehmen sein. In Medienberichten ist von 28 Gründungsmitgliedern die Rede. Sie müssen laut Page der Association mindestens 10 Millionen US-Dollar einbringen und weitere Auflagen erfüllen.

Libra Networks: GmbH statt Non-Profit

Doch wie der auf die Berichterstattung über gemeinnützige Organisationen spezialisierte Journalist Ben Parker auf Twitter darlegt, ist das Konstrukt hinter Libra in Genf bislang keineswegs als Non-Profit-Organisation ausgelegt. Zumindest ist, im Gegensatz zu anders lautenden Berichten, noch keine entsprechende Organisation in Genf angemeldet worden. Stattdessen wurde am 2. Mai 2019 die Libra Networks S.à r.l. (société à responsabilité limitée – zu Deutsch: GmbH) registriert.

Facebook als 100prozentiger Eigentümer

Sie befindet sich derzeit zu 100 Prozent im Besitz der in Delaware gemeldeten Facebook Global Holdings II, LLC. Als Unternehmenszweck ist folgendes angegeben: „Erbringung von Dienstleistungen in den Bereichen Finanzen und Technologie sowie Entwicklung und Vertrieb. Produktion von entsprechender Software und Infrastruktur, insbesondere im Zusammenhang mit Investitionstätigkeiten, Zahlungsverarbeitung, Finanzierung, Identitätsmanagement, Datenanalyse, Big Data, Blockchain und andere Technologien“.

Association als Briefkastenfirma

Wie Ben Parker weiter ausführt, suchte jedoch die (offenbar noch nicht registrierte) „Libra Association“ am 18. Juni in der Schweiz um die Schützung des Namens „Libra“ an. Spannend ist die dabei angegeben Adresse der Association: Quai de l’Ile 13, Gèneve 1204. Eine einfache Google-Recherche ergibt: Dort ist die Genfer Filiale der Co-Working-Kette Spaces zu finden – und man kann dort etwa über die Seite matchoffice.ch eine „virtuelle Büroadresse“ ab 92 Schweizer Franken pro Monat mieten. Im Gegensatz zur kommerziell orientierten Libra Networks und zu Calibra Inc., die bereits am 24. Jänner in Delaware registriert wurde, ist die Libra Association also derzeit allem Anschein nach noch eine Briefkastenfirma.

⇒ Zur offiziellen Page der Association

Redaktionstipps

die Redaktion

WhatsApp Payment-Funktion eine Woche nach Launch unterbunden

Nach langen Vorbereitungen und Tests in mehreren Ländern wurde Brasilien vergangene Woche zum weltweit ersten Markt, in dem WhatsApp eine neue Payment-Funktion regulär launchte. Nun stellte die brasilianische Zentralbank das Service wieder ab.
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WhatsApp: Die neue Zahlungsfunktion ist direkt in den Chat intergriert und basiert auf Facebook Pay
(c) WhatsApp: Die neue Zahlungsfunktion ist direkt in den Chat intergriert und basiert auf Facebook Pay

Lange war darauf gewartet worden. Nach umfassenden Vorbereitungen und Tests war es dann vergangene Woche soweit: WhatsApp launchte seine neue Payment-Funktion erstmals regulär. Als erstes Land wurde dafür der nach Indien weltweit zweitgrößte Markt des Messaging-Diensts gewählt: Brasilien. Mit der auf Facebook Pay basierenden Zahlungs-Funktion (WhatsApp ist Teil des Facebook-Konzerns) können Kredit-bzw. Debit-Karten integriert werden. Das Payment-Service ist direkt in den Chat integriert und funktioniert per sechsstelligen Pin-Code oder Fingerabdruck. Für Privatpersonen ist es kostenlos, Unternehmen müssen eine Bearbeitungsgebühr für den Empfang von Kundenzahlungen entrichten.

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Brasilianische Zentralbank unterbindet WhatsApp-Payment-Dienst

Gerade etwas mehr als eine Woche nach dem Launch ist es nun wieder vorbei, wie TechCrunch berichtet. In einem Statement der brasilianischen Zentralbank heißt es demnach, man habe die Entscheidung getroffen um „ein adäquates Wettbewerbsumfeld“ im Bereich Mobile Payment zu erhalten und „das Funktionieren eines Zahlungssystems sicherzustellen, das austauschbar, schnell, sicher, transparent, offen und billig ist“.

Druck durch Banken im Hintergrund

Tatsächlich dürfte die Entscheidung nach Druck mehrere Banken getroffen worden sein. Diese sollen Mastercard und Visa, die zu den Zahlungspartnern von WhatsApp in Brasilien gehören, gedrängt haben, den Geldtransfer über WhatsApp auszusetzen – unter Androhung von Geldstrafen und Verwaltungssanktionen. In ihrem Statement deutete die brasilianische Zentralbank zudem an, dass sie vor der Einführung keine Gelegenheit gehabt habe, den Zahlungsdienst von WhatsApp selbst zu analysieren.

Für WhatsApp bzw. den Mutter-Konzern Facebook bedeutet die Entscheidung der brasilianischen Zentralbank freilich einen Rückschlag. Schon für den Testmarkt Indien hatte man sich bewusst nicht als ersten Launch-Markt entschieden, weil die regulatorischen Hidernisse zu groß waren. Wie und wo es nun weitergeht, wurde bislang nicht kommuniziert.

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