Biohacking und Genmanipulation: Auf der Suche nach dem „Homo Deus“

Implantate, ausgefallene Trainingsmethoden und Genmanipulation ermöglichen dem Menschen, seinen wertvollsten Besitz umzuprogrammieren: Den eigenen Körper. Doch wie weit darf Biohacking gehen?
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Phantom Athletics: Biohacking aus Österreich
Biohacking aus Österreich: Phantom Athletics erschwert absichtlich das Atmen. (c) Phantom Athletics
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  • Während es bei den Chips darum geht, über Technologie unter der Haut Schnittstellen zwischen dem eigenen Körper und der digitalen Welt zu schaffen, gibt es noch drei weitere Bereiche: Das Manipulieren des Körpers mit Fitness-, Ernährungs- und Lifestyle-Ansätzen,  das Drucken organischer Materie via 3D-Bioprinting und das Verändern der eigenen DNA.
  • Hier ergeben sich wiederum neue Geschäftschancen für Startups, wie Biohacker Patrick Kramer betont.
  • Als Beispiele nennt Kramer Unternehmen wie Brain Effect, Bulletproof oder Flowgrade, welche Nahrungsergänzungsmittel produzieren.
  • Der radikalste Eingriff in den eigenen Körper ist aber wohl nicht das Trainieren mit Maske oder das Implantieren von Chips, sondern der Eingriff in die eigenen Gene.

Behutsam setzt Patrick Kramer die Spritze zwischen Daumen und Zeigefinger an, injiziert einen NFC-Chip unter die Haut seines Gegenübers, tupft ein wenig das Blut ab – und schon ist die Welt um einen weiteren „Cyborg“ reicher. Also um einen Menschen, der sein biologisches Ich mit Technologie verschmilzt. Laut Kramers Visitenkarte ist er „Chief Cyborg Officer“ des Unternehmens Digiwell. Als solcher hat er es sich zur Mission gemacht, Menschen in verschiedenen Aspekten des Biohackings zu unterstützen.

Wozu das gut sein soll? Der implantierte NFC-Chip kann frei programmiert werden, sodass man darauf zum Beispiel seine Kontaktdaten speichern oder damit smarte Türschlösser öffnen kann. „Es gibt ganze Familien, die zu mir kommen, weil sie zuhause ein Smart Home haben und keine Hausschlüssel mehr verwenden wollen. Oder Rechtsanwälte und Ärzte, die für ihre Kanzleien und Arztpraxen einen sicheren Zugang mit digitalen Schlüsseln wollen“, sagt Kramer: „Andere Menschen wollen Digitalisierung auf einem neuen Level erfahren und wissen, wie es ist, eine digitale Schnittstelle im eigenen Körper zu haben.“

Der Markt dafür ist größer, als man glauben mag: Laut Kramer besitzen weltweit 350- bis 400.000 Menschen solche Implantate, er selbst hat bisher rund 2500 Implantate gesetzt. Und NFC-Chips sind dabei nicht das Ende der Fahnenstange: Im Repertoire von Digiwell finden sich über 20 verschiedene Implantate, die verschiedene Funktionen ermöglichen – von solchen, die unter der Haut leuchten, über Implantate zur Messung der Körpertemperatur bis zu Magnet-Implantaten, die beim händischen Ertasten einer Stromleitung oder der Aktivierung eines Induktionsherds helfen. Klingt nach Cyberpunk? Für Kramer, der selbst mehrere Implantate hat, ist das schlichtweg Alltag.

Biohacking: Der Körper als Marktplatz für Startups

Dabei wäre es zu kurz gegriffen, den Aspekt der Biohackings bloß auf das Implantieren von Chips zu reduzieren, wie Kramer erläutert. Denn während es bei den Chips darum geht, über Technologie unter der Haut Schnittstellen zwischen dem eigenen Körper und der digitalen Welt zu schaffen, gibt es noch drei weitere Bereiche: Das Manipulieren des Körpers mit Fitness-, Ernährungs- und Lifestyle-Ansätzen,  das Drucken organischer Materie via 3D-Bioprinting und das Verändern der eigenen DNA.

Und hier ergeben sich wiederum neue Geschäftschancen für Startups, wie Kramer betont. „Es gibt wahnsinnig viele Startups in diesem Bereich – seien es welche mit Fokus auf Nahrungsergänzungsmittel, auf Fitnessgeräte, auf spezielle – legale! – Pilze, und so weiter“, sagt er: „Wir haben in dieser Hinsicht längst nicht den Gipfel erreicht. Es gibt Prognosen, laut denen die Branche jedes Jahr bis zu 20 Prozent wachsen wird. Es ist also ein spannendes Feld mit vielen Facetten, bei dem verschiedene Disziplinen zusammenkommen.“

Als Beispiele nennt Kramer Unternehmen wie Brain Effect, Bulletproof oder Flowgrade, welche Nahrungsergänzungsmittel produzieren. Oder das Startup „The Odin“, welches Kits zur Manipulation der eigenen genetischen Codes mit Hilfe der CRISPR-Technologie vertreibt. Das Verfahren ermöglicht eine vergleichsweise günstige und einfache Editierung von Genmaterial. „Der Markt ist aber so riesig und wächst so stark, dass es genug Platz für alle gibt“, sagt Kramer.

Masken-Menschen – nicht nur in Zeiten von Corona

Neben den erwähnten Nahrungsergänzungsmitteln gibt es in Österreich ein weiteres Startup, welches auf das „softe“ Biohacking – also ohne Implantate und ohne Eingriffe in die Gene – setzt: Das Salzburger Unternehmen Phantom Athletics. Dieses bietet eine über Mund und Nase verlaufende Maske auf, die einem beim Sport das Atmen – durch einen Regler kontrolliert – erschwert. Dadurch soll die Atemmuskulatur gestärkt werden. „Eine gestärkte Atemmuskulatur hilft dir, eine bessere Leistung beim Sport zu erbringen,“ heißt es dazu auf der Wesbite des Unternehmens.

Klingt nach Spinnerei? Unter Sportlern scheint diese Herangehensweise gar nicht so abwegig zu sein: Das Startup konnte Spitzensportler wie Eintracht Frankfurt-Spieler Stefan Ilsanker, Karate-Weltmeisterin Alisa Buchinger oder Kickboxing World Champion Andy Souwer als Testimonials gewinnen. 2018 holte man sich den Sport-Innovationspreis ISPO Award in der Kategorie Technologie und Innovation. Und Im Mai 2020 pitchten die Founder in der Puls4-Gründershow „2 Minuten 2 Millionen“ – was wiederum eine entsprechende Awareness in der österreichischen Bevölkerung für das Thema schafft.

Vor laufender Kamera sammelte Phantom Athletics 380.000 Euro von vier Investoren ein. Allerdings wurde der Abschluss der Verhandlungen anschließend vorerst auf Eis gelegt, wie Gründer Dominique Wenger dem brutkasten erzählt. Der Grund ist – wie so oft in den vergangenen Wochen – das Coronavirus. „Die Investoren sind in vielen Unternehmen dabei und müssen sich vorrangig darum kümmern,“ sagt Wenger. Er ist jedoch optimistisch, dass die Gespräche wieder ins Laufen kommen, da sich die Situation hierzulande wieder etwas beruhigt hat. 

(c) Phantom Athletics

Zugleich ist Corona ein Faktor, der Phantom Athletics zu einer Adaption des eigenen Produkts verholfen hat. Denn das Startup produziert nun zusätzlich zum Hauptprodukt Masken mit eingebautem Filter, damit sich Sportler besser im Freien sicher bewegen können. „Wir haben unsere Maske mit Hilfe der deutschen Firma GKD, einem Spezialisten für Metallfiltergwebe, adaptiert. Zusätzlich bietet sie auch Schutz vor Pollen“, sagt Wenger. Als Medizinprodukt ist die Maske damit zwar nicht zugelassen, aber das fünflagige Filtermaterial des Herstellers GKD ermögliche die Filterung von durchschnittlich 88,9 Prozent aller Partikel bis zu einer Größe von 2μm. Ein weiterer erwähnenswerter Aspekt: Früher wurde man für das Tragen einer Maske in der Öffentlichkeit mit skeptischen Blicken bedacht – im Jahr 2020 gehört es hingegen zum guten Ton.

Die Trainingsmaske ohne Filter kostet 100 Euro, mit Filter erhöht sich der Verkaufspreis auf 125 Euro. Das Unternehmen arbeitet inzwischen an weiteren Produkten, um die Effizienz von Trainings zu erhöhen – darunter eine „Trainingsweste“ mit Gewichten, die das Workout erschweren soll.

Das Für und Wider der Genmanipulation

Markus Hengstschläger, Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der Medizinischen Universität Wien

Der radikalste Eingriff in den eigenen Körper ist aber wohl nicht das Trainieren mit Maske oder das Implantieren von Chips, sondern der Eingriff in die eigenen Gene. Für weltweites Aufsehen sorgte dabei der chinesische Forscher He Jiankui. Er hatte 2018 angegeben, ein Gen verändert zu haben, um zwei Kinder vor einer HIV-Infektion zu schützen. Ein Neurobiologe von der University of California vermutet jedoch, dass der chinesische Forscher mit diesem Eingriff auch das Gehirn der beiden Mädchen beeinflusst haben könnte – sie könnten dadurch eventuell ein besseres Gedächtnis haben. Andere US-Forscher wiesen wiederum darauf hin, dass dieser genetische Eingriff auch eventuell einen negativen Einfluss auf die Lebenserwartung der Mädchen haben könnte und dass die Sterblichkeitswahrscheinlichkeit bei einer Grippe-Infektion erhöht sein könnte.  He Jiankui wurde in China zu drei Jahren Haft sowie einer Geldstrafe verurteilt.

Unterschieden wird dabei zwischen somatischer Gentherapie, bei der Veränderungen an der eigenen DNA nicht vererbt werden, und Keimbahn-Gentherapie. „Es besteht international breiter Konsens, somatische Gentherapie zu erforschen und weiter zu entwickeln, aber aktuell Keimbahntherapien gesetzlich noch zu verbieten – in Österreich ist das auch gesetzlich so geregelt“, sagt dazu Markus Hengstschläger, Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der Medizinischen Universität Wien.

„Über die genauen Wechselwirkungen all der Gene des Menschen weiß die Wissenschaft noch relativ wenig“

Markus Hengstschläger, Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der Medizinischen Universität Wien

Auch für die Anwendung somatischer Gentherapie brauche es entsprechende ethische Regeln, betont Hensgtschläger: „Ich schließe mich aber dem breiten internationalen Konsens an, die Anwendung von Keimbahn-Gentherapie aktuell noch abzulehnen,“ sagt er. Denn die Technologie ist noch nicht vollständig ausgereift. Genome Editing verursacht noch sogenannten Off-Target-Effekte – unerwünschte genetische Veränderungen im Genom. Zudem gibt es noch andere biologische und ethische Argumente gegen Keimbahntherapie. Zum Beispiel können verschiedene Merkmale von Veränderungen in einem einzelnen Gen beeinflusst werden – viele Gene haben mehr als eine Aufgabe. Andererseits kann ein Merkmal auch von mehreren Genen beeinflusst bzw. mitgesteuert werden. „Über die genauen Wechselwirkungen all der Gene des Menschen weiß die Wissenschaft noch relativ wenig“, sagt Hengstschläger: „Das bedeutet, dass es sein kann, dass man die Konsequenzen von bestimmten genetischen Eingriffen für einen Menschen bzw. die Nachkommen noch sehr schwer abschätzen kann.“

Zugleich sieht auch Hengstschläger Potenzial für Innovation durch Startups, indem verschiedene Ansätze kombiniert werden. Ein Beispiel aus seinem Fach: Künstliche Intelligenz, DANN-Sequenzierung und Medizin. Die Gruppe um Stephen Kingsmore vom Rady Children´s Institute for Genomic Medicine in San Diego filtert etwa über ein Textverarbeitungsprogramm die medizinisch relevanten Befunde aus elektronischen Patientenakten und gleicht die entsprechenden DANN-Sequenzdaten mit einer neu entwickelten Software ab. Mit diesem Ansatz war es ihnen möglich, in wenigen Minuten entsprechende krankheitsverursachende DNA –Varianten aus Millionen von Varianten vorzuschlagen. 

Homo Deus: Der Mensch spielt Gott

„So vielversprechend solche ganz neuen Ansätze sind, so sehr braucht es allerdings auch hier eine entsprechende ethische Auseinandersetzung“, ergänzt Hengstschläger – und verweist hier auf das Buch „Home Deus“ des israelischen Historikers Yuval Noah Harari.

In seinem Buch erläutert Harari, dass die Menschen früher an allmächtige Götter glaubten. Mit dem Siegeszug des Humanismus rückten die fiktiven Götter jedoch in den Hinter- und der Mensch als mächtiges Wesen in den Vordergrund. Mit den neuen Mitteln, so Harari, könnte ein neuer „Homo Deus“ entstehen, welcher gegen Krankheiten immun ist, besonders stark oder besonders intelligent ist und deutlich länger lebt als herkömmliche Menschen. Das wiederum wirft neue Fragen auf: Was bedeutet es für die Gesellschaft, wenn sich reichere Menschen „kaufen“ können, dass sie 150 Jahre alt werden? Oder dass sie ihr Bewusstsein konservieren können und somit den Tod endgültig besiegen? Was heute noch nach einer Dystopie im Stil der Netflix-Serie „Altered Carbon“ klingt, könnte die Gesellschaft in Zukunft weiter auseinanderreißen als je zuvor in der Geschichte der Menschheit.

„Was wäre so schlimm daran, wenn wir uns alle unsere Wunsch-Augenfarbe aussuchen könnten?“

Patrick Kramer, Biohacker

Kramer hat auf diese Bedenken eine sehr pragmatische Antwort: Die Kluft gebe es ohnehin schon heute. „Die einen können sich teure Klamotten leisten, die anderen nicht“, sagt er: „Wenn wir alle die gleichen Zugangsmöglichkeiten zu diesen Technologien hätten, dann wäre das ein wesentlich fairerer Wettbewerb.“ Man solle vielmehr die Erforschung der entsprechenden Möglichkeiten vorantreiben. Denn dadurch könnten günstigere Therapien entwickelt werden – wodurch diese keine Frage des Geldes mehr wären, sondern sich die Zugänglichkeit für alle verbessere. „Auch ich möchte nicht, dass irgendwelche Supermenschen gezüchtet werden“, sagt Kramer: „Aber ich frage mich auch: Was wäre so schlimm daran, wenn wir uns alle unsere Wunsch-Augenfarbe aussuchen könnten?“

die Redaktion

Corona-Förderungen, -Steuerbegünstigungen und mögliche Haftungen

Die Deloitte-Experten Florian Laure, Christian Wilplinger und Maximilian Weiler erklären, was bei Fixkostenzuschuss II, degressiver Abschreibung, Investitionsprämie und Verlustrücktrag zu beachten ist.
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Deloitte-Experten zu Fixkostenzuschuss II, degressiver Abschreibung, Verlustrücktrag und Investitionsprämie
(c) Deloitte / feelimage: Die Deloitte-Experten (vlnr.) Florian Laure (Förderungen), Christian Wilplinger (Steuern) und Maximilian Weiler (Recht)
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Vor allem für kleinere Unternehmen kann es inzwischen unübersichtlich werden, welche Corona-Förderungen und Steuerbegünstigungen für sie verfügbar sind und was dabei zu beachten ist. Wir haben einige für Startups besonders relevante, Fixkostenzuschuss II und Investitionsprämie auf Förderseite sowie degressive Abschreibung und Verlustrücktrag auf Steuerseite, mit den drei Deloitte-Experten Florian Laure (Förderungen), Christian Wilplinger (Steuern) und Maximilian Weiler (Recht) besprochen.

Video-Talk zu Fixkostenzuschuss II, degressiver Abschreibung, Investitionsprämie, Verlustrücktrag und Umsatzersatz:

Fixkostenzuschuss II

An Phase 1 des Fixkostenzuschuss hatte es nicht wenig Kritik gegeben. In der zweiten Phase sollen die Probleme nun ausgeräumt sein. Doch was hat sich geändert und was bedeutet das für potenzielle Antragsteller? „Es gibt einige Verbesserungen im Vergleich zur Phase 1. So ist etwa bei der Höhe des Zuschusses eine Grenze von 36.000 Euro eingezogen worden, bis zu der man im Rahmen der ersten von zwei Tranchen keine Bestätigung durch einen Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer braucht (Anm. dies war bisher nur bis 12.000 möglich). Das ist für kleine Unternehmen wichtig“, erklärt Florian Laure. Letztere könnten den Antrag für den ersten Teil des Zuschusses (bis zu 80 Prozent des Gesamtzuschusses) so einfach selbst über FinanzOnline einbringen. Eine weitere Verbesserung aus Unternehmenssicht sei die Absenkung der Umsatzausfallsgrenze von 40 Prozent auf 30 Prozent. Zudem gebe es nun keine Staffelung mehr. „Ich bekomme den Fixkostenzuschuss also in dem Ausmaß, in dem ich den Umsatzausfall nachweisen kann – sprich bis zu 100 Prozent“, erklärt der Experte. Allerdings sei die Summe aufgrund von EU-Bestimmungen mit 800.000 Euro gedeckelt, worauf auch noch andere Corona-Förderungen (insbesondere der Umsatzersatz) anzurechnen seien. Auch sei der Fixkostenbegriff im Vergleich zur ersten Phase deutlich ausgedehnt worden. Das betreffe insbesondere Abschreibungen, die nun auch darunter fallen, wie auch Finanzierungsleasingverträge.

Neue degressive Abschreibung

Stichwort Abschreibungen. Auch hier gibt es eine Corona-Maßnahme, die seit Mitte des Jahres gilt. „Die degressive Abschreibung ist eine steuerliche Incentivierung. Dabei schreibt man neue Anschaffungen nicht, wie sonst üblich, linear über die Nutzungsdauer ab, sondern man darf sie frei wählbar zu einem fixen Prozentsatz bis zu 30 Prozent abschreiben“, erklärt Christian Wilplinger. Folgerichtig mache das Instrument erst ab einer Nutzungsdauer über drei Jahre Sinn, da der Prozentsatz ja sonst ohnehin 33 Prozent oder mehr betrage. Der Prozentsatz in der degressiven Abschreibung beziehe sich immer auf den Buchwert des letzten Jahres, sodass ein nach unten gehender Abschreibungsverlauf entstehe, so Wilplinger. „Diese Beschleunigung bedeutet, dass Aufwendungen früher steuerlich geltend gemacht werden können. Dadurch sinkt der Gewinn und es fallen weniger Steuern an. Das begünstigt gewiss Investitionen bei profitablen Unternehmen“, meint der Experte. Die besagten 30 Prozent würden aber nur für bewegliche Wirtschaftsgüter gelten. Bei Gebäuden würde – auch im Zuge der Maßnahme geändert – eine Schwelle von maximal 7,5 Prozent gelten.

Investitionsprämie

Doch nicht nur steuerlich werden Investitionen Corona-bedingt incentiviert. Ein neues Förderinstrument in diesem Bereich, das der Konjunktur-Ankurbelung dienen soll, ist die Investitionsprämie. „Es handelt sich dabei um eine sieben bzw. 14 Prozent Cash-Förderung bei Investitionen, wenn zwischen August 2020 und Februar 2021 erste Maßnahmen für die Investition gesetzt werden. Bis Februar 2022 muss sie dann tatsächlich abgeschlossen sein bzw. bei Investitionen über 20 Millionen Euro bis Februar 2024“, erklärt Florian Laure. Unter die allgemeinen sieben Prozent falle „nahezu alles“ mit einigen wenigen Ausnahmen (z.B. umweltschädliche Investitionen, Unternehmens- und Beteiligungserwerbe, Grund und Boden). Um 14 Prozent Investitionsprämie zu erhalten, gibt es drei Themenbereiche: Ökologisierung, Healthcare & Life Science sowie Digitalisierung.

Verlustrücktrag

Tatsächlich denken viele Unternehmen in der Krise allerdings nicht primär an neue Investitionen, sondern überlegen zunächst, wie sie mit roten Zahlen im laufenden Geschäftsjahr umgehen können. Für jene davon, die zuvor in der Gewinnzone waren, wurde mit dem Verlustrücktrag eine Steuerbegünstigung geschaffen. „Üblicherweise kann man Verluste gegen zukünftige Gewinne rechnen und hat dann einen Vorteil (Anm. Verlustvortrag)“, erklärt Christian Wilplinger. „Das ist in der Covid-Krise für viele genau verkehrt. Unternehmen, die häufig ein sehr erfolgreiches Jahr 2019 hatten, haben jetzt Probleme“, so der Experte. Nun im Herbst stünden die Steuererklärungen für 2019 an, die häufig hohe Gewinne ausweisen würden. Hier könnten nun Verluste aus dem Jahr 2020 rückgetragen werden. Allerdings stünden die Ergebnisse aus diesem Jahr natürlich noch nicht fest. „Deswegen gibt es jetzt einen besonderen Kunstriff im Steuerrecht, nämlich, dass man jetzt schon eine Verlustrücklage – genannt ‚Covid19-Rücklage‘ – in der Steuererklärung 2019 geltend machen kann. Dazu gibt man in einem Formular den Verlust an, den man für das Jahr 2020 erwartet. Damit fällt der Gewinn im Vorjahr niedriger aus, wodurch sich die Steuer entsprechend verringert“, erklärt Wilplinger. Voraussetzung sei, dass man für 2020 keine Steuervorauszahlung geleistet habe. Zudem sei der Verlustrücktrag auf einen Betrag von bis zu fünf Millionen Euro beschränkt.

Kombinierbarkeit von Förderungen

Und wie sieht es mit der Kombinierbarkeit der behandelten Förderungen und Steuerbegünstigungen aus? „Fixkostenzuschuss und Investitionsprämie sind getrennt voneinander zu sehen und zur Gänze kombinierbar“, erklärt Florian Laure, „die Investitionsprämie ist sogar mit anderen Förderungen kombinierbar“. So sei etwa die Anschaffung eines Elektroautos zusätzlich zu 14 Prozent Investitionsprämie (unter bestimmten Voraussetzungen) mit der allgemeinen E-Mobilitätsförderung förderbar. Auch mit der degressiven Abschreibung sei die Investitionsprämie kombinierbar, ergänzt Wilplinger – mit einigen Ausnahmen bestimmter Investitionsgüter, die generell bei Abschreibungen gelten.

Haftungsfragen bei Förderungen

Und was, wenn eine der Förderungen unrechtmäßig in Anspruch genommen wird? „Es ist eine Überprüfungsstelle geschaffen worden, die nachträglich den Einsatz der Förderungen überprüfen kann“, erklärt Maximilian Weiler. Im Strafrecht gebe es vor allem zwei Tatbestände, die hier speziell relevant werden könnten. „Das ist erstens der ‚Förderungsmissbrauch‘, wenn eine erlangte Förderung zweckwidrig verwendet wird. Ab einem missbräuchlich verwendeten Betrag von 30.000 Euro ist das mit bis zu fünf Jahren Haft sanktioniert. Zweitens: Der noch schwere Tatbestand ist der Betrug. Das ist dann der Fall, wenn mit Schädigungs- und Bereicherungsvorsatz schon im Zeitpunkt der Antragstellung unter Vorspielung falscher Tatsachen die Förderung erschlichen wird, um sie zweckwidrig zu verwenden. In diesem Fall drohen ab einem Schaden von 30.000 Euro bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe“, so Weiler. Zudem könne es in beiden Fällen noch eine zivilrechtliche Haftung der Geschäftsführer geben. „Das ist also wirklich kein Kavaliersdelikt“. Bei einem Irrtum in der Antragsstellung drohen diese Sanktionen aber nicht, beruhigt Weiler: „Da muss es eine Vorsatz-Komponente geben. Irrtümlich falsche Berechnungen wären klassischerweise fahrlässig und würden diese Straftatbestände nicht erfüllen“.

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