“Hast du schon einmal eine Social-Media-App genutzt, während du am Klo gesessen bist?”, fragt Felix Krause in seinem Blog. Der österreichische Developer war bekannt geworden, als er 2015 mit nur 21 Jahren sein Startup Fastlane an Twitter verkaufte. Nun warnt er öffentlich vor Social-Media-Apps für Apples iOS. Provokant stellt er da etwa fest: “Es ist interessant, dass Leute wie Mark Zuckerberg ihre Laptop-Kamera abkleben.” Der Facebook-Founder weiß wohl was er tut.

+++ Archiv: 21-Jähriger Gründer aus Österreich verkauft Startup an Twitter +++

Was Apps alles dürfen…

(c) krausfx.com

Denn hat man einer iOS-App einmal den Zugriff auf die Kamera von iPhone oder iPad gestattet, bedeutet das laut Krause, dass die Apps folgendes, völlig legal, machen können:

  • Sie bekommen vollen Zugang zu Back- und Frontkamera immer dann, wenn die entsprechende App gerade im Vordergrund läuft.
  • Sie können beide Kameras nutzen, um zu sehen, was die User gerade tun und wo sie sich befinden.
  • Sie können diese Aufnahmen dann auch bei sich hochladen und ein Gesichtserkennungsprogramm darauf anwenden, mit dem sie weitere Fotos des Users im Internet finden können und sogar ein 3D-Modell seines Gesichts erstellen können.
  • Sie können die Aufnahmen prinzipiell livestreamen – etwa auch, wenn man gerade auf der Toilette sitzt. Durch die steigende Geschwindigkeit der Internetverbindungen sei das für User kaum merkbar, schreibt Krause.
  • Sie können damit die aktuelle Stimmung der User einschätzen.
  • Sie sehen, ob der User gerade alleine oder mit jemandem gemeinsam auf das Handy schaut.
  • Sie können mithilfe des iOS 11 Vision Framework Gesichtsausdrücke analysieren.

Den App-Betreibern werde es damit ermöglicht “eine beachtliche Sammlung an Videomaterial aus den Toiletten der Welt zu erstellen”, schreibt Krause.

Und was können User tun?

Tatsächlich sei es der einzig wirklich sichere Weg, die Kameras abzudecken, schreibt Krause. Das funktioniere mit eigens dafür produzierten Kamera-Covers oder durch Abkleben – Zuckerberg macht’s vor. Natürlich könne man aber auch allen Apps den Kamera-Zugriff entziehen. Man kann dann keine Fotos mehr direkt in den Apps machen. Jene, die man mit der Kamera-Anwendung gemacht hat, kann man aber hochladen. Auch damit gebe man der App aber noch viele Metadaten zu den Fotos preis. Daher bleibe die dritte Möglichkeit, in seiner Fotogalerie Screenshots zu machen und die mit Copy-Paste in die Apps einzufügen. Voraussetzung sei hier, dass die Apps diese Funktion unterstützen.

Vorschläge an Apple

Krause belässt es im Blog nicht bei der Warnung und fragt Apple: “Wie könnte man die Wurzel des Problems in Ordnung bringen, sodass wir keine Kamera-Covers nutzen müssen?” Natürlich hat der Developer ein paar Vorschläge parat. Erstens solle es eine Möglichkeit geben, den Kamera-Zugriff der App nur temporär zu erlauben, also etwa nur dann, wenn man sie aktiv einsetzt. Zweitens könne Apple über ein Icon in der Status-Leiste von iPhone und iPad darauf hinweisen, wenn die Kamera gerade aktiv ist – die Statusleiste müsse dann natürlich automatisch in den Vordergrund kommen. Drittens könne man ein LED neben der Kamera einbauen, das leuchtet, wenn die Kamera aktiv ist (dieses dürfe natürlich nicht umgehbar sein). Das sei die elegante Version, die es beim MacBook bereits gebe, schreibt Krause.

Veranschaulichung mit Fake-App

um seiner Warnung Nachdruck zu verleihen hat Krause übrigens eigens eine Fake App gecodet. Es gibt sie zwar nicht im App-Store, aber User können auf den Code zugreifen.

+++ Warum das Apple Car vorerst ein Mythos bleibt +++