ETF: Was hinter den berühmten Buchstaben steckt

Wer sich an die Börse wagt, kommt an ETFs kaum vorbei. Aber was ist das überhaupt? Worauf ist zu achten? Und wo lauern Fallen?
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ETF bei Junges Geld
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  • Egal ob Mitte 2019 oder Mitte 2020: Wer sich an das Thema Geldanlage heranwagt, stolpert irgendwann über drei berühmte Buchstaben: Emil, Theodor, Friedrich – ETF.
  • Sie müssen nicht beim Fondsverwalter gezeichnet werden, sondern sind an der Börse handelbar. Jedermann mit einem Depot kann zugreifen.
  • Anders als „normale“ Fonds, werden ETFs nicht aktiv verwaltet.
  • ETFs gibt es in vielen Formen und Farben. Von konservativ solide bis zu spekulativ riskant.
  • Gerade weil ETFs an der Börse handelbar sind wie andere Wertpapiere, kann man sich von Euphorie und Panik leichter anstecken lassen. Wer im falschen Moment verkauft, also etwa am Boden eines Crashs, wie wir ihn gerade gesehen haben, kann seine ganze Strategie in die Tonne treten. Insofern unterscheiden sich ETFs nicht von Einzelaktien.

Die Coronakrise ändert viel, aber nicht alles. Egal ob Mitte 2019 oder Mitte 2020: Wer sich an das Thema Geldanlage heranwagt, stolpert irgendwann über drei berühmte Buchstaben: Emil, Theodor, Friedrich – ETF. Es scheint fast, als würde jeder, der Geld an der Börse hat, irgendwas mit irgendwelchen ETFs machen. Aber was steckt dahinter?

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Die wichtigste Antwort vorweg: Ein ETF ist im Grunde einfach nur ein Fonds. Man kauft also ein Bündel Wertpapiere. In der Regel sind das Aktien, es gibt aber auch ETFs für Anleihen und viele weitere Anlageklassen. Das ist ein Stück weit ein Problem für den ETF: Es gibt ihn in viel zu vielen Formen und Farben. Von konservativ solide bis zu spekulativ riskant.

Bei ETFs muss man keinen Manager bezahlen

ETFs unterscheiden sich von traditionellen Fonds zweifach: Sie müssen nicht beim Fondsverwalter gezeichnet werden, sondern sind an der Börse handelbar. Jedermann mit einem Depot kann zugreifen. Daher auch der Name: Exchange Traded Funds – Börsegehandelte Fonds. Der zweite Unterschied: Anders als „normale“ Fonds, werden ETFs nicht aktiv verwaltet. Ihre Zusammensetzung richtet sich immer nach einem Index. Also etwa nach dem ATX für Österreich, dem DAX für Deutschland oder dem S&P500 für die USA. Diese Indices setzen sich wiederum nach der Größe der Unternehmen an der Börse zusammen. Im S&P500 etwa sind die 500 US-Firmen mit der höchsten Marktkapitalisierung drin.

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Mit diesem Index beginnt auch die Geschichte der ETFs vor 30 Jahren. Wer tief eintauchen will in die Entstehungsgeschichte von ETFs, dem sei der Podcast „The ETF Story“ von Bloomberg empfohlen. Aber die grundlegende Idee hinter dem ETF ist noch viel älter. So genannte Index-Fonds kennen die Amerikaner seit den 1970er-Jahren.

Als Erfinder gilt John Bogle, der auch den Vermögensverwalter Vanguard gegründet hat. Der Anfang 2019 verstorbene Bogle war der erste, der die Allmacht von menschlichen Fondsmanagern anzweifelte. Seine Philosophie: Du gehst keine Wetten ein, um den Markt zu schlagen, sondern wächst mit dem Markt. Bogle und Vanguard haben in den USA eine große und überzeugte Anhängerschaft.

ETF vs. Fonds: Die Gebührenfalle lauert überall

Vanguard gehört zu den wenigen Vermögensverwaltern, die in Zeiten der Krise netto Zuflüsse sehen, weil die „Bogleheads“ billig nachkaufen wollen. Die klassischen Indexfonds muss man ebenfalls beim Verwalter zeichnen – sie sind nicht an der Börse handelbar. Aber weil sie keinen Manager brauchen, der bezahlt werden will, sind sie vor allem eines: sehr, sehr günstig. Das trifft auch auf ETFs zu. Während ein aktiver Fonds gerne mal zwei Prozent pro Jahr kosten kann, liegen die ETF-Kosten bei einem Zehntel davon oder noch tiefer.

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„Zwei Prozent? Das klingt doch günstig. Warum sollte ich die Kosten noch weiter drücken“, werden viele jetzt fragen. Die Wahrheit ist brutal: Wer zwei Prozent pro Jahr abgibt, schießt sich selbst ins Bein. Nehmen wir an, jemand will eine Erbschaft von 10.000 Euro investieren. Gehen wir von einem Wachstum des Marktes von im Schnitt sechs Prozent pro Jahr aus – das klingt aktuell sehr optimistisch, ist aber historisch betrachtet ein guter Durchschnittswert. Nach 20 Jahren steht das Vermögen bei 32072 Euro. Ohne Gebühren. Wer pro Jahr zwei Prozent abgibt, verliert ein Drittel – also rund 10.000 Euro. Nach 30 Jahren geht schon fast die Hälfte des Gesamtvermögens für Gebühren drauf.

Das kann sich nur auszahlen, wenn man einen Fondsmanager findet, der den Markt jahrzehntelang um mindestens zwei Prozentpunkte schlagen kann. Und ob man so einen Manager gefunden hat oder nicht, weiß man erst im Nachhinein. Wer von Anfang an auf niedrige Gebühren setzt, also etwa 0,2 Prozent, hat nach 20 Jahren 30.820 Euro übrig – und 1252 Euro an Gebühren bezahlt. Klingt vernünftig, oder? Wer es nicht glaubt, kann hier nachrechnen.

Bei ETFs ist es leider zu einem Wildwuchs gekommen

ETFs sind also moderne Versionen des klassischen Indexfonds. Aber eierlegende Wollmilchsäue sind sie nicht. Es gibt Fallen. Die größte betrifft die Psychologie der Anleger. Gerade weil ETFs an der Börse handelbar sind wie andere Wertpapiere, kann man sich von Euphorie und Panik leichter anstecken lassen. Wer im falschen Moment verkauft, also etwa am Boden eines Crashs, wie wir ihn gerade gesehen haben, kann seine ganze Strategie in die Tonne treten. Insofern unterscheiden sich ETFs nicht von Einzelaktien. Das war auch etwas, das John Bogle Zeit seines Lebens an ETFs gestört hat.

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Die zweite Falle ist dem durchschlagenden Erfolg des Formats geschuldet: Es gibt inzwischen sehr, sehr viele ETFs. Abertausende. Energie, Technologie, Gesundheit, Künstliche Intelligenz, E-Sports: Zu jedem erdenklichen Thema gibt es inzwischen einen ETF. Vorsicht: Wer solche ETFs kauft, geht eine Wette ein, eine Spekulation. Dasselbe gilt für Länder-ETFs. Noch heikler sind gehebelte ETFs oder solche, mit denen man auf fallende Kurse wetten kann.

Wer möglichst breit aufgestellt sein will, greift deshalb nach einem klassischen Indexfonds in ETF-Form. Ein Fonds, der weltweit investiert – in Industrie und Schwellenländer. So hat der „FTSE All World“ von Vanguard inzwischen Kultstatus auf Reddit erlangt.

Alternativen sind ETFs, die auf den „MSCI All Country World“ aufbauen. Damit sind freilich nur die Aktien abgedeckt. Wer will, findet auch ETFs (oder ähnliche Konstruktionen) für Rohstoffe (Gold, Öl, Kaffee, etc.), Anleihen (Staaten und Unternehmen) und sogar Immobilien. Aber das ist eine andere Geschichte.

Disclaimer: Dieser Text sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Sie dienen lediglich der persönlichen Information und geben ausschließlich die Meinung des Autors wieder. Es wird keine Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie abgegeben. Die Inhalte von derbrutkasten.com richten sich ausschließlich an natürliche Personen.


Über den Autor

Niko Jilch ist Wirtschaftsjournalist, Speaker und Moderator. Nach acht Jahren bei der „Presse“ ging er Ende 2019 zum Thinktank „Agenda Austria“, wo er als wissenschaftlicher Mitarbeiter die Bereiche „Geldanlage und digitale Währungen“ abdeckt, sowie digitale Formate aufbaut, etwa einen neuen Podcast. Twitter: @jilnik

==> Mehr über die Kolumne „Junges Geld“

Redaktionstipps

Martin Puaschitz

2 Minuten 2 Millionen Folge 15: Der Favorit der Woche

Im Gastkommentar erklärt Martin Puaschitz, Obmann der Fachgruppe UBIT der Wirtschaftskammer Wien, warum „Ögreissler“ sein Favorit für die 15. Folge der aktuellen Staffel von „2 Minuten 2 Millionen“ ist.
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Ögreissler bei
Ögreissler bei "2 Minuten 2 Millionen". (c) Puls4 / Gerry Frank
gastkommentar

Wieder stellen sich fünf Startups mit ihren innovativen Ideen und Produkten bei „2 Minuten 2 Millionen“ dem prüfenden Blick und den bohrenden Fragen der Investoren. Den Ausschlag für ein Investment wird diesmal mehr als sonst ein überzeugender Pitch geben, denn an guten Ideen mangelt es den Startups in der kommenden Sendung definitiv nicht. Mein persönlicher Favorit in dieser Woche ist der Lieferdienst Ögreissler – nachhaltig, regional und verpackungsarm. Ein Konzept, das gerade in diesen Zeiten überzeugt und wichtiger ist denn je. Zugleich ein gutes Beispiel dafür, wie man als Startup Krisensituationen erfolgreich meistern und das eigene Geschäftsmodell nachhaltig ausbauen kann.

Ögreissler: Grüner Lieferdienst mit Produkten aus Österreich

Seit 2017 bietet Gründer Peter Comhaire mit seinem Start-up Ögreissler einen regionalen und umweltfreundlichen Direkt-Lieferservice an. Je nach Saison finden sich im Online-Shop Produkte von mehr als 40 heimischen Anbietern. Kunden bestellen über die Plattform, erforderlich ist lediglich ein Internetzugang und die Eingabe der Wohnadresse. Die frischen Produkte regionaler Kleinbetriebe werden dann zumeist noch am selben Tag ausgeliefert.

+++2 Minuten 2 Millionen: Stream, Porträts, Hintergründe+++

Ein Beispiel: Marchfelder Spargel online bestellt, wird um 10:00 Uhr vormittags frisch gestochen, gewaschen, gekühlt und trifft beispielsweise in Wien bis 17:00 Uhr an der Haustür ein. So will Ögreissler die Produzenten der Region wieder stärker mit den Konsumenten verbinden. Die bestellte Ware wird in Wien, in den Bezirken eins bis 22 sowie im Marchfeld und Groß-Enzersdorf zugestellt. Die Lieferung erfolgt nachhaltig, mit dem E-Auto oder dem Fahrrad.

Ögreissler ist „2 Minuten 2 Millionen“-Favorit

Lokale Kleinunternehmer können sich über die Plattform auch als Ögreissler-Abholstation registrieren. So erzielen sie eine größere Bekanntheit, steigende Kundenfrequenz und dadurch höhere Einnahmen. Als positiver Nebeneffekt soll sich dadurch auch die Nahversorgungsmöglichkeit der Ortsbevölkerung verbessern und damit auch die regionale Wertschöpfung. Für dieses Modell erhielt Ögreissler Ende 2019 Fördermittel aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes. Bis Ende 2020 sollen insgesamt 23 Abholstationen im Marchfeld mit klimafreundlicher Logistik entstehen. Ein weiterer wesentlicher Aspekt, den das Startup konsequent verfolgt: Es wird großer Wert daraufgelegt, die Ware verpackungsarm an den Kunden zu übergeben. Auch so wird CO2 eingespart.

+++Alle Favoriten von Martin Puaschitz+++

Zuletzt hat der praktische Lieferservice seine Kapazitäten während der Corona-Pandemie massiv aufgestockt: Bislang ausschließlich freitags tätig, wurde die Zustellung jetzt auf weitere Wochentage ausgeweitet. Mit der breiten Palette an Produkten und Produzenten werden viele Kunden angesprochen. Auch das Bewusstsein in der Gesellschaft, eher kleine regionale Unternehmen zu unterstützen, wächst ständig – und das ist auch gut so! Daher wünsche ich mir persönlich ein Investment für Ögreissler. Den Ausschlag dafür liefern jedoch Präsentationsgeschick, schlagfertige Argumente und die finanziellen Vorstellungen der Gründer in der Sendung. Wie immer drücke ich allen Startups gleichermaßen die Daumen.

==> zur Website des Lieferdienstes


Anmerkung der Redaktion: Die in diesem Gastkommentar dargelegte Meinung spiegelt nicht zwingend die Meinung der brutkasten-Redaktion wider.


Über den Autor

Martin Puaschitz
(c) Fotostudio Weinwurm

Mag. Martin Puaschitz ist Obmann der Fachgruppe Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) der Wirtschaftskammer Wienwww.ubit.at/wien

 

 

 

 

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