Wozu braucht es eigentlich den Dow Jones?

DOW, DAX und Nasdaq: Aktienindizes sind in den Nachrichten allgegenwärtig. Aber was steckt dahinter? Wozu braucht es sie? Und was ist ihre Geschichte?
/dow-jones-atx-dax-nasdaq-funktion-geschichte/

Zusammenfassung aus

Zusammenfassung ein

Welche Funktion haben Dow Jones, DAX, und ATX?
Welche Funktion haben Dow Jones, DAX, und ATX? (c) Adobe Stock / Studio_East / Georg Schober
jungesgeld
Der Summary Modus bietet einen raschen
Überblick und regt zum Lesen mehrerer
Artikel an. Der Artikeltext wird AI-basiert
zusammengefasst mit der Unterstützung
des Linzer-Startups Apollo AI.

  • Der liebevoll einfach Dow genannte Aktienindex ist das Synonym für Aktienmärkte schlechthin.
  • Als er am 26. Mai 1896 erstmals in den Seiten des „Wall Street Journal“ erwähnt wurde, bestand er aus 12 Firmen.
  • Im März 1957 wurde dann der S&P500 aus der Taufe gehoben.
  • Wer einen ETF auf den S&P500 kauft, bekommt 500 Aktien in einem Paket.
  • In Deutschland ist der DAX König, der „Deutsche Aktienindex“. Der beinhaltet wie der Dow nur 30 Unternehmen, damit sind aber immerhin 80 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung abgedeckt.
  • Im Austrian Traded Index, dem ATX, sind nur 20 Unternehmen enthalten. Er wird seit Anfang 1991 berechnet. Die größten enthaltenen Firmen sind OMV, Erste und Verbund.

Der Dow Jones ist prominent. Selbst in den oberflächlichsten Radionachrichten kann man immer wieder von ihm hören. Ob es ihm gut geht oder schlecht. Ob er rauf geht oder runter. Der liebevoll einfach Dow genannte Aktienindex ist das Synonym für Aktienmärkte schlechthin. So allgegenwärtig, dass man sich fast nicht fragen traut: Was, bitte, ist der Dow Jones? Und was ist ein Aktienindex?

+++Mehr zur Reihe „Junges Geld“+++

Am 26. Mai feierte der Dow seinen 124. Geburtstag. In diesen Jahren ist er gewachsen – aber nicht übermäßig. Als er am 26. Mai 1896 erstmals in den Seiten des „Wall Street Journal“ erwähnt wurde, bestand er aus 12 Firmen. Heute sind es 30. Wie er berechnet wurde? Seine Namensgeber Charles Dow und Edward Jones nahm die Schlusskurse der 12 größten Firmen an der Börse in New York, zählte sie zusammen und dividierte sie durch 12. Der erste und älteste Aktienindex war geboren.

Der Dow Jones wurde nach seinen Erfindern benannt

Dass er im „Wall Street Journal“ auftauchte, war freilich kein Zufall. Charles Dow hatte auch die Zeitung erfunden. Bis heute wird sie von Dow Jones & Company herausgegeben. Diese Mutterfirma gehört inzwischen aber zu Rupert Murdochs internationalem Medienimperium. Bis heute entscheiden die Herausgeber des „Wall Street Journal“, welche Firmen im Dow landen. Dafür gibt es keinen fixierten Prozess. Sehr wohl aber für die Berechnung des Index. Denn der Dow ist ein preisgewichteter Aktienindex. Die Marktkapitalisierung, also wie viel Geld insgesamt in den Aktien eines Unternehmens steckt, hat keine Bedeutung.

Das führt zu einem eigenwilligen Ergebnis. Firmen mit einem hohen Preis pro Aktie haben einen größeren Einfluss auf den Dow als solche mit einem kleinen Preis. Das Ergebnis: Der älteste und bekannteste Aktienindex der USA hat bei den Profis einen schweren Stand. Er dient eher als grober Maßstab für die Entwicklung der Märkte denn als Repräsentant für den gesamten Markt. Der Dow ist eher symbolisch. Auch weil er nur 30 Aktien umfaßt. Das ist schlicht und einfach nicht breit genug. Indexfonds oder ETFs, die den Dow Jones als Grundlage nehmen, sucht man deshalb vergebens.

Der eigentliche König ist aber der S&P500

Die Rolle des eigentlichen Stars der Weltmärkte ist dem S&P500 vorbehalten. Er beinhaltet die 500 größten US-Unternehmen an der New York Stock Exchange – nach Marktkapitalisierung. Wer in den Index kommt und wer rausfliegt entscheiden ultimativ also die Anleger.

Der Index wurde 1923 von Standard Statistics erstmals berechnet, damals bestand er aus 233 Aktienwerten. Als Standard Statistics 1941 mit Poor‘s Publishing fusionierte, waren es schon 416 Firmen. Im März 1957 wurde dann der S&P500 aus der Taufe gehoben.

DAX und ATX:  Indikatoren für Aktien in Deutschland und Österreich

In Deutschland ist der DAX König, der „Deutsche Aktienindex“. Der beinhaltet wie der Dow nur 30 Unternehmen, damit sind aber immerhin 80 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung abgedeckt. Man sieht: Deutschland und Europa haben viel aufzuholen, wenn es um den Kapitalmarkt geht. Aktuell ist der DAX wieder Thema, weil ausgerechnet die vom Staat gerettete Lufthansa in der Corona-Krise so stark schrumpft, dass sie aus dem Index fliegen könnte – nach 32 Jahren. Im Austrian Traded Index, dem ATX, sind nur 20 Unternehmen enthalten. Er wird seit Anfang 1991 berechnet. Die größten enthaltenen Firmen sind OMV, Erste und Verbund.

Der deutsche DAX und der heimische ATX sind übrigens schlecht direkt vergleichbar. Denn bei der Berechnung des DAX fließen die Dividenden mit ein. Die Gewinne werden reinvestiert. Das ist ein so genannter Performanceindex. Der ATX und viele andere sind aber Kursindizes – die wegen der fehlenden Dividenden zwangsläufig hinter einem Performanceindex zurückfallen. Aber das ist nur ein Rechentrick.

Der Nasdaq gilt als „Tech-Index“ – dominiert von Apple & Co.

Der kleine Bruder des S&P500 heißt Nasdaq, ist bekannt für seine jugendliche Forschheit und beinhaltet vor allem Technologiewerte. Den Nasdaq gibt es erst seit den 1970er-Jahren. Er ist nach der ersten rein elektronischen Börse benannt. Ausschließlich Aktien, die an der Nasdaq gehandelt werden, kommen auch in den Index. Aktuell sind es rund 100. Allen voran die Techgiganten Apple, Microsoft, Google, Amazon und Facebook.

Weitere wichtige Aktienindizes sind der FTSE100 (London), der Euro Stoxx 600 (das Europa-Gegenstück zum S&P500) und der MSCI World, der die Aktienmärkte von 23 Industrieländern umfasst. Chinas Antwort auf den S&P500 ist der CSI300 (China Securities Index), der erst seit 2008 berechnet wird. Dieser beinhaltet aber nicht die Börse in Hong Kong, die mit dem Hang Seng ihren eigenen Index hat.

In einem Satz gesagt: Die Indizes bieten einen raschen Überblick zur Entwicklung einzelner Märkte.

Dank der ETFs gibt es einen Index-Wildwuchs

Aber jetzt wird es kompliziert. Mit dem Aufstieg der ETFs hat sich die Indexlandschaft gewaltig vervielfacht. Wie hier beschrieben investieren ETFs in die Aktien bestimmter Indices. Wer also einen ETF auf den S&P500 kauft, bekommt 500 Aktien in einem Paket. Eine praktische Sache. So einen ETF kann man jahrzehntelang halten und wird immer an den 500 größten US-Unternehmen beteiligt sein.

Aber es gibt inzwischen tausende ETFs. Und tausende Indizes, die diesen ETFs als Basis dienen. Von bestimmten Regionen über Sektoren bis zu Themen wie E-Sports oder Cyber Security reichen die Ideen. Das hat weder mit der ursprünglichen Idee eines Aktienindex viel zu tun – noch mit dem Konzept des Index-Investings, bei dem es um langfristiges, möglichst breit diversifiziertes Anlegen geht. Aber der Markt fragt diesen Index-Wildwuchs nach. Und was der Markt will, das bekommt er auch.


Disclaimer: Dieser Text sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Sie dienen lediglich der persönlichen Information und geben ausschließlich die Meinung des Autors wieder. Es wird keine Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie abgegeben. Die Inhalte von derbrutkasten.com richten sich ausschließlich an natürliche Personen.


Über den Autor

Niko Jilch ist Wirtschaftsjournalist, Speaker und Moderator. Nach acht Jahren bei der „Presse“ ging er Ende 2019 zum Thinktank „Agenda Austria“, wo er als wissenschaftlicher Mitarbeiter die Bereiche „Geldanlage und digitale Währungen“ abdeckt, sowie digitale Formate aufbaut, etwa einen neuen Podcast. Twitter: @jilnik

==> Mehr über die Kolumne „Junges Geld“

Redaktionstipps

die Redaktion

Österreichs Führungskräfte wünschen sich Erleichterung bei Steuern – haben aber wenig Hoffnung

Laut einer Befragung von Deloitte nehmen 77 Prozent der Führungskräfte die hiesigen Steuern als "herausfordernd" wahr. Mehr als die Hälfte erwartet sich wenig Verbesserung.
/osterreichs-fuhrungskrafte-erleichterung-steuern/
Die Führungskräfte wünschen sich unter anderem eine Ökologisierung der Steuern. (c) Adobe Stock / prachid

Die Mehrheit der Führungskräfte sieht in Österreich nach wie vor zahlreiche Hürden durch das steuerliche Umfeld. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte (n=232). Laut dem „Deloitte Austrian Tax Survey“ erhoffen sich die Führungskräfte jetzt konkrete Maßnahmen im Steuerbereich, allerdings hält sich der Optimismus hinsichtlich künftiger Maßnahmen in Grenzen.

„77 Prozent nehmen das steuerliche Umfeld im Vergleich zu 2019 als unverändert herausfordernd wahr. Dieses Ergebnis unterstreicht, dass es weitere Reformen und strukturelle Maßnahmen zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes braucht. Nur so kann Österreich wirtschaftlich gut durch die Krise kommen“, sagt dazu Herbert Kovar, Partner bei Deloitte Österreich.

Geforderte Maßnahmen für Steuern in Österreich

Drei Viertel der Führungskräfte wünschen sich eine Reduktion der Lohnnebenkosten. Das zeigt auch diese Studie: Demnach wurde von den Unternehmen die Senkung der Lohnnebenkosten als dringendste Forderung zur Entlastung in der aktuellen Krisensituation identifiziert.

Zudem sehen 43 Prozent der Befragten die Vereinfachung des Einkommensteuergesetzes als dringliche Maßnahme für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes. Im Jahresvergleich ist auch die Ökologisierung des Steuersystems auf der Wunschliste nach oben gewandert.

„Laut Umfrage stimmen 55 Prozent der Unternehmensvertreter für eine umfassende Ökologisierung des Steuersystems. Eine Ökosteuerreform sehen die Unternehmen nicht mehr ausschließlich als Bedrohung, sondern als Chance, durch Lenkungsmaßnahmen gegen den Klimawandel zu steuern. Gleichwohl bedarf es hier eines Moderationsprozesses, um nachteilige wirtschaftliche und soziale Folgen zu vermeiden“, ergänzt Kovar.

Die größten Hürden in punkto Steuern

Laut 74 Prozent der Befragten liegen die größten Unsicherheitsfaktoren vor allem in unklaren oder widersprüchlichen Interpretationen der Regelungen durch die Finanzverwaltung. Häufige Gesetzesänderungen stellen für 61 Prozent eine Schwierigkeit dar. Diese Änderungen erhöhen den organisatorischen Aufwand und mindern gleichzeitig die Planungssicherheit, heißt es. „Die Befragten wünschen sich im Steuerbereich Klarheit und Einfachheit, damit sie sich in diesen herausfordernden Monaten auf die Führung ihres Unternehmens fokussieren können“, sagt Kovar.

Auch die Abwicklung von COVID-19-Hilfspaketen wie Förderungen und Stundungen hat rund 53 Prozent der Befragten auf Trab gehalten. Des Weiteren spielen Compliance-Themen in der derzeitigen Ausnahmesituation nach wie vor eine große Rolle.

Wenig Optimismus in Österreich

Vor dem Hintergrund der Corona-Krise ist mehr als die Hälfte der Unternehmen eher zurückhaltend, was die Erwartungen an die Entwicklung des Standortes betrifft. Die Auswirkungen der Pandemie selbst, aber auch die oftmals noch unzureichende Digitalisierung sowie der Klimawandel bereiten den heimischen Führungskräften neben den klassischen Steuerthemen Kopfzerbrechen.

„Sicherheit und Stabilität sind jetzt das A und O für die Wirtschaftstreibenden. Umso mehr braucht es nun entsprechende klare Maßnahmen, damit der Steuerstandort Österreich in der Krise an Attraktivität gewinnt“, so Kovar abschließend.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.
Möchtest du in Zukunft mehr von diesen Artikeln lesen?

Dann melde dich für unseren Newsletter an!

Leselisten zum Schmökern

Neueste Nachrichten

Summary Modus

Wozu braucht es eigentlich den Dow Jones?

Welche Funktion haben Dow Jones, DAX, und ATX?

Wozu braucht es eigentlich den Dow Jones?

  • Der liebevoll einfach Dow genannte Aktienindex ist das Synonym für Aktienmärkte schlechthin.
  • Als er am 26. Mai 1896 erstmals in den Seiten des „Wall Street Journal“ erwähnt wurde, bestand er aus 12 Firmen.
  • Im März 1957 wurde dann der S&P500 aus der Taufe gehoben.
  • Wer einen ETF auf den S&P500 kauft, bekommt 500 Aktien in einem Paket.
  • In Deutschland ist der DAX König, der „Deutsche Aktienindex“. Der beinhaltet wie der Dow nur 30 Unternehmen, damit sind aber immerhin 80 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung abgedeckt.
  • Im Austrian Traded Index, dem ATX, sind nur 20 Unternehmen enthalten. Er wird seit Anfang 1991 berechnet. Die größten enthaltenen Firmen sind OMV, Erste und Verbund.

Es gibt neue Nachrichten

Auch interessant