Anmerkung des Herausgebers:

Vergangenen Oktober schrieben wir erstmals über den ICO des Krypto-Startups Cointed. Es war einer von mehreren Artikeln zu Initial Coin Offerings zu der Zeit. Kurz: Wir gingen unserem ganz normalen Tagesgeschäft nach – dachten wir. Zwei Tage nach dem ersten Artikel startete der ICO und prompt tauchten schwere Vorwürfe des Krypto-ATM-Herstellers General Bytes gegenüber Cointed auf. Wir berichteten darüber. Und natürlich ließen wir auch die Geschäftsführung von Cointed mit ihrer Reaktion auf die Vorwürfe zu Wort kommen. So funktioniert Journalismus.

Wir versprachen damals die Prüfung und Aufarbeitung dieser Vorwürfe. Und die liefern wir nun. Redakteurin Barbara Duras war im Zuge ihrer mehr als zwei Monate langen Recherche in Schweden und an mehreren Orten in Österreich. Sie bekam Einblick in Verträge, Geschäftskonten und mehrere vertrauliche Dokumente. Ihr Fazit hat sie im vorliegenden Beitrag (und Video-Beitrag) sehr deutlich gemacht.

Von Seiten des Herausgebers bleibt dennoch festzuhalten: Was Barbara Duras geprüft hat, sind die Anschuldigungen gegenüber und die Behauptungen von Cointed. Bedenken gegenüber den Geschäftsfeldern des Startups, allen voran Mining, sind nicht Gegenstand dieses Beitrags. Auch die Bewertung im Rahmen des ICOs kann sicher diskutiert werden. Es sei daher an dieser Stelle angemerkt: Es gibt gerade in Zeiten von Casper Protocoll und Lightning Network relevante Kritik, was die Zukunft von Mining angeht. Die Lage für Krypto-ATMs könnte angesichts potenzieller verschärfter Regulierungen auch ungewiss sein. In den Bereichen Exchanges und Zahlungsschnittstelle gibt es für Cointed große nationale und internationale Konkurrenz. Ob ein Investment in den (ERC20)-Token sich auszahlt, muss letztendlich jeder für sich selbst entscheiden.

Der Nachfolgende Beitrag ist keine Investitionsempfehlung, sondern ein journalistischer Fakten-Check. Der Erwerb von Krypto-Coins oder Tokens ist hoch spekulativ und birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Bitte erkundigen und informieren Sie sich vor jedem Investment ausgiebig über die Projekte. Sie müssen sich selber vergewissern, dass Sie den Teams zutrauen, die versprochenen Unternehmensentwicklung und Erfolge auch tatsächlich zu realisieren.

+++ Archiv: Cointed ICO: Schwere Vorwürfe von ehemaligem Geschäftspartner +++


Anmerkung der Autorin

In diesem Artikel werden unseren Lesern Fakten präsentiert, die in mühevoller und akribischer Detailarbeit erhoben wurden und auch in einem von uns geprüften Transparenzbericht zum Unternehmen Cointed, einsehbar sind. Alle hier als vertraulich beschriebenen Informationen und Anhänge (Rechnungen, Kontoauszüge, Lieferscheine, Verträge etc.) wurden von der Autorin Barbara Duras mit eigenen Augen, ungeschwärzt und eingehend geprüft. Sie sind zum Teil jedoch nicht für die Öffentlichkeit vorgesehen. Im Namen der Medienethik wird in diesem Text sowie dem als Videobeweis erstellten Bewegtbild-Beitrag die persönliche Meinung der Autorin deutlich erkenn- und unterscheidbar formuliert.

Ansonsten versteht sich die objektive Wiedergabe von Fakten und Tatsachen von selbst. Darüber hinaus versteht es die Autorin als ihr gutes Recht, nach rund zweimonatiger Recherche zu diesem Thema, einen persönlichen Eindruck ebenso in den Text einfließen zu lassen, wie eine Bewertung der Akteure. Da in zahlreichen Gesprächen von Seiten anderer Player der Krypto-Szene nachweisliche Drohungen und Unwahrheiten ausgesprochen wurden, sieht es die Autorin ebenso als Pflicht, eine persönliche Meinung kundzutun. Mehr dazu in diesem Beitrag.


Betrug und Lüge?

Ein altes Sprichwort besagt, dass wer den Schaden hat, für den Spott nicht zu sorgen braucht. Davon kann das österreichische Krypto-Startup Cointed ein Liedchen singen. Denn ein ehemaliger Lieferant, das tschechische Hard- und Software-Unternehmen General Bytes, hat zum Rundumschlag ausgeholt und auf seiner Homepage einen offenen Brief veröffentlicht, der es auf den ersten Blick in sich hat. Karel Kyovsky, der Eigentümer des ehemaligen Krypto-ATM-Lieferanten von Cointed, wirft eben diesem jungen Unternehmen darin unter anderem vor, dass ihre Produkte unerlaubter Weise als ihre eigenen ausgegeben werden. Zudem wird das im vierten Quartal 2017 gestartete Cointed Initial Coin Offering öffentlich als Betrug bezeichnet und der gegen Ethereum angebotene Token soll für die Käufer wertlos sein.

Es handelt sich hierbei um harte Vorwürfe, die weder von Beweisen untermauert, noch eigenen Verfehlungen gegenübergestellt werden. An diesem Punkt einer Auseinandersetzung ist es normalerweise an der Zeit tief durchzuatmen, einen Schritt zurück zu gehen und sich über die Motivationen des Angreifers und des Angegriffenen Gedanken zu machen. Das erlaubt zudem, nicht nur zwischen den Zeilen zu lesen, sondern auch konkret und objektiv auf die einzelnen Kritikpunkte einzugehen. Doch beschäftigen wir uns zuerst damit, wen General Bytes hier öffentlich an den Pranger stellen wollte.

Vier Geschäftsfelder

Die Cointed GmbH wurde 2016 von Wolfgang Thaler und Christopher Rieder gegründet. Die beiden Tiroler sind Early Adopter von Bitcoin und anderen Digitalwährungen und setzten sich gemeinsam das Ziel, den Zugang zu Kryptowährungen für jedermann so einfach wie möglich zu gestalten. Zu diesem Zweck wurde schon 2014 als Vorläufer des heutigen Unternehmens die Cointed OG gegründet, mit der alles begann. Diese nahm Anfang 2014 die unternehmenseigene Online-Exchange in Betrieb und stellte im ersten Quartal 2014 den ersten Bitcoin-ATM in Österreich auf. Bereits 2015 zählte das Unternehmen in seinem Segment zu den führenden Anbietern in Österreich.

Heute stützt der rasant wachsende Multiservice-Provider seine Aktivitäten im Bereich der Blockchain-Technologie auf vier Geschäftszweige. “Das sind zum einen unsere ATMs, die gibt es in one-way und two-way Ausführung. Der nächste wichtige Bereich ist unsere weltweit verfügbare Exchange-Plattform. Das ist eine vollwertige Kryptowährungs-Börse, auf der man Kryptowährungen kaufen und verkaufen kann. Dann haben wir noch eine eigene Bezahlschnittstelle namens PayCo, die in bereits bestehende Kassensysteme integriert werden kann. Wir haben ein System entwickelt, mit welchem stationäre Geschäfte ihre Waren und Dienstleistungen gegen Kryptowährungen tauschen können. Somit können sich Händler von ihren Kunden in digitalen Währungen ‘bezahlen’ lassen und dennoch buchhalterische Probleme vermeiden. Unser vierter großer Geschäftszweig betrifft das Mining. Wir entwickeln unsere Mining Rigs sowie die Software selbst und betreiben die Farmen weitestgehend mit erneuerbarer Energie”, beschreibt Daniil Orlov, der COO von Cointed.

Haltlose Vorwürfe von General Bytes

“Wir pflegten in den vergangenen anderthalb Jahren und bis zum Start unseres ICO mit General Bytes eine sehr gute Partnerschaft. Dann haben wir versucht stärker und größer zu expandieren, was leider stets ausgebremst wurde, da die Kooperation seitens unseres ehemaligen Partners nicht gerade förderlich war, sodass wir nun mit einer neuen Firma in Österreich zusammenarbeiten. Wir sind den Weg der Eigenproduktion gegangen. Aus dem einfachen Grund, weil uns leider eine geplant rasche Expansion mit unserem alten Partner nicht möglich war”, erklärt der Cointed-Schatzmeister, CFO Christopher Rieder

Von Seiten General Bytes und Geschäftsführer Karel Kyovsky konnte auch nach mehrmaligen Anfragen per Telefon und E-Mail, keine Stellungnahme eingeholt werden.

Zukünftig wird Cointed im Bereich der ATMs verstärkt auf Eigenentwicklungen setzen. Dieser Umstand sei auch auf die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen, Lieferschwierigkeiten sowie die Bug-anfällige Software von General Bytes zurückzuführen. Trotz mehrmaliger Mahnungen konnte von General Bytes keine akzeptable Lösung beigestellt werden. So wurde Cointed beispielsweise Opfer mehrerer Einbrüchen, bei denen die General Bytes-Automaten aufgebrochen wurden. Der entsprechende Mailverkehr, die zahlreichen Reklamationen, sowie auch das Service Level Agreement, in dem sich General Bytes theoretisch zum regelmäßigen Update, der Weiterentwicklung der Software und der Bereitstellung einer voll funktionsfähigen Software verpflichtet hat, wurde im Zuge der Recherche für diesen Beitrag, von Cointed lückenlos offengelegt. Von Seiten General Bytes und Geschäftsführer Karel Kyovsky konnte auch nach mehrmaligen Anfragen per Telefon und E-Mail, keine Stellungnahme eingeholt werden.

Der Vertrag lügt nicht

Hat Cointed nun unerlaubter Weise Geräte von General Bytes als ihre eigenen ausgegeben, wie behauptet? “Wir haben seit zwei Jahren einen Service License Agreement-Vertrag mit General Bytes in dessen Rahmen wir von Anfang an besprochen haben auch die Logos verwenden zu dürfen, die wir wollen. Schließlich sind es ja unsere Automaten, die wir gekauft und bezahlt haben. Wir haben nie verschwiegen mit General Bytes zusammenzuarbeiten, doch aktiv als Werbemaßnahme und in den Unterlagen zu unserem ICO, unsere Logos angebracht”, sagt Rieder. Zudem ist weder in dem Service License Agreement, noch in sonstigen Vereinbarungen mit General Bytes davon die Rede, dass Cointed die von General Bytes gelieferte Software mit den Automaten verwenden muss, Automaten ausschließlich bei General Bytes gekauft werden dürfen, Cointed keine eigenen Automaten entwickeln darf, oder Cointed die Automaten mit einem General Bytes Branding betreiben muss. All das kann die Autorin nach eigener Durchsicht des Vertrages bestätigen.

Das egozentrische Weltbild von dem der General Bytes-Gründer in seinem Schreiben ausgeht, wird auch durch folgenden Vorwurf deutlich: “Whitepaper document is claiming that you have 100+ ATM machines which is not true. Our records show 73 sold and delivered machines.” Zu Deutsch: Das ICO Whitepaper Dokument gibt vor, dass Cointed mehr als 100 ATMs besitzt, was nicht wahr sein könne. Denn man habe bisher nur 73 Automaten geliefert. In Wahrheit besitzt die Cointed GmbH aktuell 116 ATMs wovon mittlerweile 83 Stück vom Hersteller General Bytes geliefert wurden und insgesamt vier Stück von vertraulich behandelten Herstellern, mit denen die Zusammenarbeit aus Sicherheitsgründen geheim gehalten wird. 18 Geräte des selbst entwickelten Cointed ATM Modell X befinden sich im Lager Wien im Beta-Testing und weitere 16 Stück in der Türkei, welche im Besitz der Cointed Türkei stehen. Neun weitere Prototypen befinden sich noch in Entwicklung. Alle entsprechenden Lieferscheine und Kontobewegungen sowie eine Liste mit allen bereits in Betrieb befindlichen ATMs wurden durch Cointed offengelegt und im Rahmen dieses Berichts von der Redaktion eingehend geprüft. Rechnungen, Lieferscheine und Kontobewegungen passen zweifelsfrei zusammen.

Die ganze Wahrheit zum Cointed ICO

Je nach Etherium-Kurs kann der im vierten Quartal 2017 gestartete Cointed ICO (https://cointedtoken.com) und Token-Sale, wenn alle Coins verkauft werden, zwischen 80 und 120 Millionen Dollar einbringen. Im Whitepaper zu diesem ICO sind vergangene Errungenschaften der österreichischen Cointed OG und der Cointed GmbH angegeben. Das kritisiert General Bytes, denn im Zuge des internationalen ICOs ist eine Cointed Ltd. als Herausgeberin des Cointed Token (CTD) angeführt.

Daran ist nach eingehender Recherche ebenfalls nichts betrügerisches zu finden, denn die selbe Cointed Ltd. agiert als Holdinggesellschaft für die Cointed-Gesellschaften in den jeweiligen Ländern “Wir betreiben in mehreren europäischen Ländern Automaten und haben daher auch mehrere Firmen gegründet. In jedem Land wo wir Automaten operieren ist es buchhalterisch notwendig, um die Steuern richtig abzuführen, auch eine Betriebsstätte zu haben. Dementsprechend bauen wir zuvor immer die Infrastruktur mit einer Firma, unter steuerlicher und rechtlicher Beratung auf, und im Nachhinein platzieren wir Automaten. Wir haben in Österreich begonnen und dadurch, dass unsere Unternehmensgruppe international so groß gewachsen ist, sind wir vor der Herausforderung gestanden unter welches Dach wir die Firmen am Ende des Tages stülpen. Aufgrund unserer raschen Expansion haben wir vor kurzem unsere gesamte Firmenstruktur umgestellt und in Zusammenarbeit mit unserer Steuerberatung Deloitte eine Firmenstruktur erarbeitet, die einer Konzernstruktur entspricht. Aufgrund unserer Automaten- und Mining Standorte und verschiedener Lizenzen haben wir jetzt einen Konzern geschaffen, der mit der Cointed Ltd. als Holdinggesellschaft aus Hong Kong agiert und von dort aus zukünftig seine Beteiligungen unter sich vereint. Diese Holding wird natürlich von den vier Gesellschaftern Charly Aho als CTO mit 25 Prozent, Daniil Orlov als COO mit 25 Prozent, Wolfgang Thaler als CEO mit 25 Prozent und mir selbst als CFO mit ebenfalls 25 Prozent gehalten. Da die Gesellschaftsanteile der Cointed GmbH an die ausländische Holding übertragen werden sollen, haben unsere Steuerberater zur Erstellung einer Firmenbewertung inklusive Jahresabschluss geraten. Diese werden gerade erstellt und dienen als Voraussetzung zur rechtlich und steuerlich korrekten Übertragung. Unsere komplette Konzernstruktur wird zusätzlich weltweit steuerberaten von Deloitte und wirtschaftsgeprüft von KPMG”, erklärt CFO Christopher Rieder. Der Vorwurf von General Bytes, dass der ICO nur eine leere Hülle ist, kann also ebenfalls völlig transparent widerlegt werden. Alle diesbezüglichen Unterlage (Übertragungsvereinbarungen, Beauftragung Firmenbewertung, etc.) wurden offengelegt und im Zuge der Recherche vollinhaltlich einsehbar gemacht.

Cointed Firmenstruktur

(c) Cointed: Die Firmenstruktur

Nun sollen durch das ICO alle Cointed Assets und die internationale Infrastruktur weiter ausgebaut werden. Obwohl das Cointed-Team bereits einige attraktive Angebote interessierter Investoren erhalten hat, wurden diese ausnahmslos abgelehnt. “Wir haben uns gegen ein klassisches Investorenmodell entschieden, um unsere Community und Kunden aktiv am Unternehmenserfolg teilhaben zu lassen. Auch haben wir uns wirklich Gedanken darüber gemacht, wie wir für unsere Kunden mit dem Token einen echten Mehrwert generieren können”, erzählt Rieder. Der Token wird also einerseits auf diversen Exchange-Börsen gelistet. Andererseits kann der Token-Halter den Cointed-Token als Benefit für sämtliche Dienstleistungen einsetzen. Beispielsweise erhält man verringerte Gebühren beim Exchange auf der Website oder an den Automaten. Zukünftig ist geplant, ein spezielles Mining Rig aufzubauen, das exklusiv nur von Token-Haltern zu erwerben sein wird. So hat der Kunde immer die Möglichkeit einerseits zu minen, oder andere Benefits in Anspruch zu nehmen. “Zusammengefasst wollen wir mit dem ICO Working-Kapital einsammeln, um international zu expandieren und für alle Menschen ein weltweites Blockchain-Ökosystem zu schaffen”, ergänzt COO Orlov.

+++ ICOs: Die Rechtslage von Initial Coin Offerings in Österreich +++

Schlangengrube Krypto-Szene

Als letzten Vorwurf führt General Bytes an, dass Cointed das Produkt PayCo unmöglich in der kurzen Zeit entwickelt haben kann und das eigene Produkt CortexPay nicht die versprochenen Features aufweist. An dieser Stelle ist wieder auf ein sehr egozentrisches Weltbild hinzuweisen, dass der Verfasser des haltlosen, offenen Briefes meiner Meinung nach durchscheinen lässt, denn die Entwicklung eines neuen Produkts und dessen Einsatz sei noch immer dem jeweiligen Unternehmen vorbehalten. “Es ist unsere Aufgabe zu denken und innovative Lösungen zu kreieren”, gibt Cointed darauf als Antwort. Es sei nach Meinung von Cointed des hier (https://cointedtoken.com/transparency_DE.pdf) einsehbaren Transparenzberichtes schlichtweg so, dass die von GB erfundenen Vorwürfe eine bloße Schutzbehauptung zur Wahrung ihrer Marktposition waren und jeglicher Grundlage entbehren. Nicht jeder kann mit Konkurrenz umgehen. Angenommen mein Kunde hätte tatsächlich all diese Verstöße begangen, so würde von meiner Seite mit Sicherheit eine saftige Klage folgen. Dies ist jedoch nie passiert.

Generell scheint es in der Krypto-Szene gängig zu sein, dass man sich den Erfolg gegenseitig nicht gönnt und mit allen Mitteln versucht potenziellen Konkurrenten bzw. Mitbewerbern zu schaden. Im Rahmen der Recherche rund um diese Reportage ist es mir (der Autorin dieses Textes) mehrmals passiert, dass mich angebliche Geschäftspartner von Cointed, die schlechte Erfahrungen gemacht haben sollen, belogen haben und nachweislich täuschen wollten. Aus medienethischen Gründen werde ich hier keine Namen nennen, jedoch sehr wohl erläutern wie sich das zugetragen hat. Ein Herr, der selbst aktuell in einem der Geschäftsfelder von Cointed Fuß fassen will, wie ich später durch Zufall herausfinden konnte, jedoch selbst noch nicht mit dem Unternehmen zu tun hatte, vermittelte zwei angebliche Opfer unzureichender Geschäftsbeziehungen mit Cointed an mich weiter.

Der erste Kontakt erzählte mir nachweisliche Unwahrheiten und zog unqualifiziert über Cointed her. Angeblich sollte keine Geschäftsbeziehung mit dem vielseitigen Krypto-Unternehmen bestehen, doch auf Nachfrage bei Cointed bezog die betreffende Person als Zwischenhändler munter ATMs und gab diese bei den Kunden und auf Social Media als seine eigenen aus. Ein zweiter angeblich Geschädigter erzählte vom bisher hier noch nicht eingehender thematisierten Mining-Bereich. Zwei Monate soll er darauf gewartet haben, dass die von ihm gekaufte Mining-Hardware bei der Farm im schwedischen Malmö angeschlossen wurde. Als ich diesen Herren beim telefonischen Gespräch darauf hinwies, dass ich dieses aufzeichne, war dann doch alles nicht so schlimm. Herr XY hätte ihn darum gebeten mir diese Geschichte zu erzählen, aber eigentlich will er ja doch noch mit Cointed zusammenarbeiten.

Als ich den ersten Kontakt schließlich auf die Lügen und Rückzieher seiner angeblichen Zeugen hingewiesen habe, drohte er mir nachweislich und unterstellte dem hier publizierenden Medium “DerBrutkasten” ein Naheverhältnis zu Cointed, das ich hier entschieden negieren kann. Es versteht sich zudem von selbst, dass hier weder Geld geflossen ist, noch ein anderes wirtschaftliches Interesse besteht, sei aber in Sinne der Medienethik an dieser Stelle trotzdem erwähnt. Zum Thema Mining sowie ein paar Vorwürfen und Kritikpunkten aus einem einschlägigen Krypto-Forum, habe ich mich mit Charly Aho, dem CTO und Technik-Großmeister bei Cointed, eingehend unterhalten.

Die Mining-Einrichtungen, ATMs und das Cointed-Team im Video

Das steckt hinter den Vorwürfen gegenüber Cointed

Könnt ihr euch an die Vorwürfe beim Start des Cointed ICO erinnern? Wir haben damals Aufklärung versprochen. Babs Duras hat das für uns erledigt – und ist zu einem klaren Ergebnis gekommen. Hier der Artikel dazu: goo.gl/P9LYc6Anm.: Der Beitrag ist keine Investitionsempfehlung, sondern ein journalistischer Fakten-Check. Der Erwerb von Krypto-Coins oder Tokens ist hoch spekulativ und birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Bitte erkundigen und informieren Sie sich vor jedem Investment ausgiebig über die Projekte. Sie müssen sich selber vergewissern, dass Sie den Teams zutrauen, die versprochenen Unternehmensentwicklung und Erfolge auch tatsächlich zu realisieren.

Publié par DerBrutkasten sur vendredi 9 février 2018

Mining deluxe

“Ich habe eigentlich parallel mit Christopher Rieder mit dem Mining begonnen, weil mich die Technik und alles rundherum sehr interessiert hat”, erklärt Aho seinen Einstieg in das Business. “Als Christopher einen der ersten in Automaten in Wien aufgebaut hat, war ich zufällig am selben Ort und so haben wir uns kennengelernt”, sagt er. Damals gab es in Österreich in diesem Bereich noch so gut wie gar nichts. Jedenfalls haben sich die beiden Kryptowährungs-Unternehmer gleich sehr gut verstanden und in kürzester Zeit beschlossen gemeinsame Sache zu machen. “Eigentlich war meine Anfangsidee, eine gewisse Zahl an Minern aufzustellen, um das Grundkapital zu haben und verschiedenen Projekte zu machen. Dabei verfolgen wir ein ziemlich einzigartiges Geschäftsmodell, das bisher nur von einem Unternehmen kopiert wurde. Bei uns gehören alle Geräte physikalisch dem Kunden und somit gehört auch die Leistung dem Kunden. Wenn es ein Voting gibt erlauben wir dem Kunden selbst mit seiner Hashleistung zu voten. Die meisten anderen Firmen bieten Cloudmining an, wodurch die gesamte Leistung innerhalb des Unternehmens bleibt. Für mich ist das falsch, denn ich denke, dass auch beim Mining wichtig ist, den Geist der Dezentralisierung beizubehalten”, erklärt der Cointed CTO.

Für das Mining-Geschäftsmodell ist das eigens gegründete und ebenfalls in die Cointed Ltd. Holding eingegliederte Unternehmen Swiss Crypto Group AG mit Sitz in Zug verantwortlich, wie auch dem Transparenzbericht zu entnehmen ist. Aktuell werden rund 5.000 Quadratmeter der rund 30.000 Quadratmeter großen Mining-Farm in Malmö genutzt, die zu rund 70 Prozent mit Strom aus erneuerbarer Energie gespeist wird. Alleine an dem Standort in Malmö sind aktuell selbst zusammengebaute Mining Rigs mit einem Wert (Einkaufspreis) von 11 Millionen Euro in Betrieb.

Dem Kunden, der Horrorgeschichten erzählen wollte, aber dann schnell zurückgerudert ist, möchte Charly Aho folgendes sagen: “Es ist in der Mining-Welt nun einmal so, dass es zu Verzögerungen kommt. Das ist auch bei den größeren Firmen so. Wir sind im Rahmen der Fertigstellung der Hardware nicht von einem Lieferanten, sondern von X Lieferanten abhängig. Dies liegt daran, dass wir keine fertig zusammengebauten Miner kaufen, sondern jeder Miner von unseren Mitarbeitern händisch aus zahlreichen Komponenten assembled und optimiert wird. Wenn nun eines der Teile nicht rechtzeitig ankommt, dann können wir das ganze System nicht aufbauen. Und dass es dabei auch zu einer Verzögerung von ein bis zwei Monaten kommen kann, so darf ich behaupten, ist für Mining-Unternehmen mittlerweile fast normal. Wir haben zum Beispiel schon im April bei einem Lieferanten eine gewisse Menge an Hardware bestellt. Anstatt zu liefern haben sie uns zum Lieferdatum das Geld zurückgeschickt und die Ware ist ausgeblieben. Selbst wenn man das entsprechende Kapital hat, heißt das noch lange nicht, dass man auf dem internationalen Markt einen Zugang zu entsprechender Hardware hat. Auch hat es Anfang letzten Jahres in Hong Kong einen massiven Tsunami gegeben, wodurch Frachtschiffe nicht planmäßig auslaufen konnten. Wir haben dies dem betreffenden Kunden erklärt und ihm angeboten, dass er auf Wunsch sein Geld zurück erhalten kann. Er wollte jedoch zuerst lieber warten und hat sich dann im Nachhinein beschwert”, erklärt Aho ruhig. Als langjährige Wirtschaftsjournalistin kann ich mit Sicherheit sagen, dass kein Unternehmer der Welt jeden seiner Kunden gänzlich zufriedenstellen kann. Dass Cointed sehr viele Kunden hat, muss an dieser Stelle wohl nicht extra erwähnt werden.

+++ Hat Krypto-Mining eine Zukunft? +++

Online-Kritik im Detail widerlegt

In einschlägigen Foren wurden von Usern Bedenken geäußert, dass die ICO-Summe zu hoch sei. Doch tatsächlich hat Cointed an den Mining Standorten noch Kapazitäten für weitere Mining Rigs im Wert von rund 27 Millionen Euro. Zudem sollen weitere eigens kreierte ATMs produziert werden. “Hier liegen wir alleine für die Entwicklung eines Prototypen im sechsstelligen Euro-Bereich”, gibt Christopher Rieder zu bedenken. Zudem soll der Exchange ausgebaut und um weitere Funktionen erweitert werden. “Das ist alles sehr kostspielig und zudem wollen wir für unsere Kunden ein großes, internationales Ökosystem schaffen”, erklärt Charly Aho.

Außerdem musste sich Cointed für den angegebenen Transaktionsumsatz in Höhe von rund 100 Millionen Euro, für das Geschäftsjahr 2017, rechtfertigen. Nach ermöglichter Einsicht in die Cointed-Konten und der Buchhaltung kann mit Sicherheit bestätigt werden, dass der Exchange-Transaktionsumsatz der ATMs und Website mit Mitte Dezember bei 88,5 Millionen Euro lag. Rund 12 Millionen Umsatz konnte durch den Verkauf der Mining-Hardware erzielt werden. Weiters wurden über das Geschäftsmodell “PayCo” bereits rund 10 Millionen Euro umgesetzt.

Ein User hat zudem angezweifelt, dass es zu der im ICO angegebenen Kooperation mit dem Grafikkarten-Produzenten NVIDIA gekommen sein kann. “NVIDIA hat unser Geschäftsmodell geprüft, da sie mit keinem einzigen Cloudminer der Welt zusammenarbeiten wollen. Für uns gab es dann das Feedback, dass wir die ersten Krypto-Miner seien, die die Geräte direkt an ihre Kunden verkaufen und das hat Nvidia gerne unterstützt. Ansonsten gibt es da draußen einen Einheitsbrei an Cloudminern, dem wir aus bereits angesprochenen Gründen entgegenwirken wollen”, so Aho bestimmt.

Aus den mit mir geteilten Unterlagen geht eindeutig hervor, dass Cointed die Verhandlungen mit NVIDIA im Juni 2017 begonnen hat. Aufgrund der Größe der Bestellung und der Anpassung der Grafikkarten wurde das Projekt von NVIDIA gemeinsam mit deren Produzenten abgewickelt. Nach erfolgter Bestellung von Charly Aho als Vetreter der Swiss Crypto Group AG mit Juli ist zum Stichtag 30.11.2017 die Lieferung an die Mining Farm in Schweden erfolgt. Entsprechende Bestellungen, Lieferscheine und Kontenbewegungen, die sich exakt decken, wurden von Cointed offengelegt. Eine weitere Kooperation besteht mit dem Grafikkarten-Produzenten SAPPHIRE TECHNOLOGY LTD.

Das letzte Wort hat Cointed

Anstatt sich gegenseitig das Leben schwer zu machen sollten die Player im Bereich der Kryptowährungen und Blockchain-Technologie lieber am Ausbau der Infrastruktur und der Usability für ihre Kunden arbeiten. Und tatsächlich könnte es auch echte Probleme geben, wie Charli Aho beschreibt: “Aus meiner Sicht ist der Bitcoin-Kurs im Moment bei den großen Mining-Firmen, vor allem in China, zentralisiert. Offiziell hat der größte Miner rund 33 Prozent der Leistung. Mit anderen chinesischen Mitbewerbern liegen wir in China schon bei rund 51 Prozent. Das bedeutet eine Vormachtstellung innerhalb der Krypto-Währung und wenn diese Unternehmen abschalten, dann ist alles aus. Denn wenn diese Miner offline sind, würden die Blockchain-Transaktionen nicht mehr bestätigt werden wodurch viel mehr Angebot und Nachfrage bestehen würde, als das System noch bedienen könnte und der Kurs stürzt zusammen”, erklärt Charly Aho. Die gute Nachricht sei, dass das Bitcoin-System mittlerweile so viel Rechenleistung aufweist, dass auch ein Zusammenschluss aller Regierungen und Computer dieser Welt nicht ausreichen würde, um das Bitcoin-Netzwerk lahmzulegen. Denn um etwas zu fälschen oder zu hacken, müsse immer mehr Leistung in ein System hineinfließen, als das System selbst aufbringen könne.

“Wir haben dadurch die Chance bekommen, außerhalb des Bankensystems ein neues Bezahl-Ökosystem auf dieser Welt zu verwirklichen. Da liegt es letztendlich an den Firmen, die sich damit beschäftigen, diese Möglichkeit auch bis zum Endkunden weiter zu bringen. Doch leider steht auch hier wie so oft, bei vielen der Kapitalismus an erster Stelle. Wir wollen aber ein faires Produkt für die Gesellschaft gestalten”, betont CTO Charly Aho. Und COO Daniil Orlov ergänzt: “Unser Ziel ist es, ein Bewusstsein für das Thema Kryptowährung zu schaffen. Die Menschen müssen erst verstehen wie das Bankensystem funktioniert, oder besser gesagt nicht funktioniert, um die Blockchain zu verstehen und was daran die Vorteile sind. Durch unsere Produkte wollen wir unseren Kunden eben die Funktionalität und Bequemlichkeit der verschiedenen Kryptowährungen nahe bringen und ihnen die Möglichkeit geben, sie kennenzulernen. So wollen wir global eine führende Position im Kryptowährungs-Segment übernehmen”, sagt Orlov abschließend.

Persönliches Fazit

Mag sein, dass bei so rasantem Wachstum, einem jungen Unternehmen auch Fehler passieren, oder Entscheidungen vorschnell getroffen werden. Das ist das Wesen eines Startups, doch die Jungs sind mehr als gut unterwegs und nutzten unter anderem von 23. – 24. 01. die Chance, vor Investoren in Zürich zu pitchen, um interessante Kontakte zu knüpfen. Diese Möglichkeit wurde ausgewählten Vertretern der österreichischen Startup-Szene, von der jungen Wirtschaft und i2 Business Angels gemeinsam mit Advantage Austria und der Aussenwirtschaft, organisiert. Auch von der einschlägigen österreichischen Interessenvertretung Bitcoin Austria bekommt Cointed Rückenwind. Ein Betrug wird aus deren Sicht hier keinesfalls vermutet. Es ist wohl typisch, dass gerade im deutschsprachigen Raum neue Projekte und ehrliche Absichten erst einmal schlecht gemacht und kritisiert bzw. die Ellenbogen ausgefahren werden. Und Hand aufs Herz: Hätten Sie diesen Text bis zum Ende gelesen, wenn die Headline wahrheitsgemäß “Bei Cointed geht alles ehrlich und mit rechten Dingen zu”, gelautet hätte. Wohl eher nicht ;)

+++ Krypto-Trading und Steuern: Wer nicht HODLt, muss zahlen +++


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