„Die Innovation Factory ist der Ort, an dem aus Ideen Realitäten werden“: Mit dieser Ansage präsentierte Markus Kaiser, Geschäftsführer der Bundesrechenzentrum GmbH (BRZ) die neue „BRZ Innovation Factory“. Ihm zur Seite standen, die Bedeutung des in Wien-Landstraße angesiedelten „Raums, um Verwaltung neu zu denken“ unterstreichend, neben Co-Geschäftsführerin Christine Sumper-Billinger auch zwei Regierungsmitglieder. Finanzminister Herwig Löger und Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck waren sich mit der BRZ-Leitung einig: Österreich werde in den nächsten drei Jahren zur Nummer eins in Europa werden, wenn es um digitale BürgerInnen-Services gehe – und dazu werde die Innovation Factory maßgeblich beitragen.

+++ Schramböck: Geburt wird erster komplett digitaler Behördenweg +++

Auf den Spuren von Google und Amazon

Neben der Möglichkeit, in einer attraktiven Arbeitsumgebung Workshops zu veranstalten und gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft Verwaltungsprozesse völlig neu zu denken, solle die Innovation Factory vor allem das „Rapid Prototyping“ vorantreiben: Startups wie auch traditionelle Unternehmen mit innovativen Projekten sind eingeladen, die Kooperation mit dem BRZ zu suchen. Sie erhalten Zutritt zu einer „Sandbox-Umgebung“, also einem abgesicherten, virtuellen Spielfeld, in dem Verwaltungsprojekte unter Echt-Bedingungen getestet werden können. Dabei bekommen die Projekt-Partner selbstverständlich keinen Zugriff auf Daten der BürgerInnen, sondern arbeiten mit beispielhaften Daten und Verfahren der öffentlichen Verwaltung.

Beim zugrunde liegenden Ansatz des Prototypings – bauen, ausprobieren, überarbeiten, weiterentwickeln – streicht BRZ-Geschäftsführer Kaiser vor allem die steigende Entwicklungsgeschwindigkeit hervor, die Konzerne wie Amazon und Google zum Erfolg geführt habe. Auch Blockchain-Anwendungen würden künftig in der Verwaltung wohl eine wichtige Rolle spielen.

So erfolgreich wie “Finanz Online” werden

Dass Österreich in Sachen Digitalisierung tatsächlich das Zeug zur „Nummer eins“ habe, sei etwa anhand des seit 2003 bestehenden „Finanz Online“-Systems ersichtlich. Dieses sei schon damals „beispielhaft für Europa“ gewesen, so Finanzminister Löger. Entwicklungen wie die automatisierte ArbeitnehmerInnen-Veranlagung und die Erhebung von steuerlich absetzbaren Spenden wären ohne diese bewährte Technologie (noch) nicht möglich. Aber genau diese Art von Services wolle die Regierung mit Hilfe des BRZ und dessen Innovation Factory nun vorantreiben. Künftig würden auf der Website österreich.gv.at digitalisierte BürgerInnen- und UnternehmerInnen-Services, aber auch z.B. das Rechtsinformations-System (RIS) des Bundes zusammengeführt. Den Start mache der „digitale Baby-Point“, wie Regierungskollegin Schramböck erklärte: Geburtsurkunde, Staatsbürgerschaftsnachweis und Meldezettel für Neugeborene sollen schon bald rein digital angefordert werden können.

“Gemeinde Kettenbruck” als Vermittlungs-Tool

Die Frage nach weiteren konkreten Anwendungen bzw. Projektergebnissen aus der Innovation Factory beantworteten die BRZ-LeiterInnen Sumper-Billinger und Kaiser mit Verweis auf die ebenfalls ganz neue Plattform kettenbruck.at. Dabei handelt es sich um eine virtuelle Gemeinde, die künftige Projekte sichtbar und erfahrbar machen soll. Aktuell wird etwa die Kooperation mit einem Startup beschrieben, das steuerliche Abgabepflichten aufgrund von Krypto-Währungen bzw. aus dem Handel mit ebendiesen verständlich machen will. Aber auch die Optimierung von Fahrtwegen für die Landwirtschaft oder die Mitsprache von BürgerInnen und TouristInnen bei Bauprojekten werde in der „Gemeinde Kettenbruck“ erprobt.

Idealer Weise, so Matthias Lichtenthaler, Projektleiter von kettenbruck.at, werden „reale Gemeinden“ eine Partnerschaft mit dem virtuellen Ort eingehen. Dadurch könnten sie Zugang zu innovativen Technologien im Prototypen-Status bekommen, um die digitale Verwaltung der Zukunft hautnah zu erleben. Die nach Kettenbruck zurück gespielten Anwenderdaten wiederum helfen den jeweiligen Initiatoren aus der Wirtschaft und dem BRZ dabei, ihr Projekt weiter zu entwickeln.

Live von der Eröffnung Bundesrechenzentrum Innovation Factory und der virtuellen Gemeinde Kettenbruck, mit Markus Kaiser und Christine Sumper-Billinger, den Geschäftsführern vom BRZ, sowie Matthias Lichtenthaler, dem Head of Digital Transformation!

Publiée par DerBrutkasten sur mercredi 20 juin 2018

Mit der Innovation Factory gegen die analoge “Scheinsicherheit”

Für die Wirtschaftsministerin bedeutet die Digitalisierung von Wirtschaft und Verwaltung nicht zuletzt Transparenz und Sicherheit. Wenn irgendwann jede Bürgerin und jeder Bürger – „auf freiwilliger Basis!“ – nachvollziehen könne, ob jemand – und vor allem: wer – in ihre bzw. seine Gesundheitsdaten Einsicht genommen hat, sei das ein Zugewinn an persönlicher Kontrolle. Die analoge Welt der Verwaltung, die von manchen noch als die bessere oder einfachere betrachtet werde, biete Schramböcks Meinung nach hingegen nur eine „Scheinsicherheit“.

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