Bitcoin verbieten? Das wird schwer. Teil 2: Bitcoin ist (vielleicht) freie Meinungsäußerung

Wenn Bitcoin aus Text besteht, ist es dann durch die US-Verfassung geschützt? Teil 2 unserer Mini-Serie zur Debatte um ein Bitcoin-Verbot, wie es Hedgefonds-Manager Ray Dalio erwartet.
/bitcoin-verbieten-das-wird-schwer-teil-2-bitcoin-ist-vielleicht-freie-meinungsauserung/

Zusammenfassung aus

Zusammenfassung ein

Niko Jilch: Replik auf Ray Dalios Aussagen zu einem Bitcoin-Verbot
brutkasten-Kolumnist Niko Jilch | Hintergrund (c) Adobe Stock - Alexey Novikov
jungesgeld
Der Summary Modus bietet einen raschen
Überblick und regt zum Lesen mehrerer
Artikel an. Der Artikeltext wird AI-basiert
zusammengefasst mit der Unterstützung
des Linzer-Startups Apollo AI.

Bitcoin ist eine Reise. 95 Prozent der Menschen haben sie noch nicht angetreten. Sollte es so weitergehen wie bisher, werden sie das aber noch tun. 100 Prozent der Menschen haben diese Reise noch nicht abgeschlossen. Es ist schlicht und einfach unklar, wohin sie führt. Es gibt Vorstellungen, Ideen, Utopien und Dystopien. Es gibt ökonomische Theorien, manche passend, manche nicht, aber keine kann sagen, was niemand wissen kann: Wohin Bitcoin uns wirklich führt.

Viele verweigern sich auch, diese Frage zu stellen. Sie ziehen sich in Bastionen zurück und reden über den Energieverbrauch oder die Tatsache, dass Staaten und Regierungen Bitcoin niemals „erlauben“ werden. Dass ein Verbot kommt und das wars dann. Das ist auch die Theorie von Hedgefonds-Legende Ray Dalio, der auch unter Bitcoinern sehr beliebt ist.

Wie alle anderen bin auch ich nicht in der Lage, zu sagen, wo Bitcoin uns hinbringt. Auch ich bin ein Reisender. Aber ich sehe aus dem Zugfenster viele Gründe, die gegen ein Verbot sprechen. Einige wurden in Teil eins dieser kleinen Serie genannt.

Heute will ich ein besonders faszinierendes Argument gegen ein Bitcoin-Verbot beleuchten. Einer der ersten, der es formuliert hat, war der Blogger Beautyon – und zwar in seinem Artikel „Why America Can’t Regulate Bitcoin“ aus dem März 2018.

„Es ist alles Text, zu jeder Zeit.“

Sein Argument ist simpel, elegant und durchschlagend: Bitcoin ist Text. Alle Abläufe innerhalb des Bitcoin-Systems geschehen auf der Basis von textbasierten Nachrichten. „Die Nachrichten, die zwischen den Knoten des Bitcoin-Netzwerks verschickt werden, sind für den Menschen lesbar, man kann sie ausdrucken“, schreibt Beautyon. „Zu keinem Zeitpunkt ist eine Bitcoin-Transaktion nicht Text. Es ist alles Text, zu jeder Zeit.“

Die Implikationen dieser Feststellung sind weitreichend. Denn Text ist in den Vereinigten Staaten von Amerika geschützt – durch den ersten Zusatzartikel der Verfassung. Dieser wurde geschaffen, um Redefreiheit, Religionsfreiheit und Pressefreiheit zu schützen. Wörtlich heißt es: „Der Kongress soll kein Gesetz erlassen, das eine Einrichtung einer Religion zum Gegenstand hat oder deren freie Ausübung beschränkt, oder eines, das Rede- und Pressefreiheit oder das Recht des Volkes, sich friedlich zu versammeln und an die Regierung eine Petition zur Abstellung von Missständen zu richten, einschränkt.“

Experten und Juristen widersprechen der Verfassungs-These

Nun muss man sagen, dass diese Interpretation umstritten ist. Es ist ein Gedanke, ein Ansatz. Blogger Beautyon argumentiert, dass jede Regulierung von Bitcoin vor Gericht nicht standhalten würden, weil die Richter an die Verfassung gebunden sind. Er nennt in seinem Artikel verschiedene Beispiele aus der Vergangenheit, die seine Sicht unterstützen. Aber andere Juristen und Experten widersprechen ihm und sehen in der Tatsache, das Bitcoin in Essenz aus Text besteht, keine Hürde.

Sollte es je zu einem derartigen Showdown zwischen Bitcoins-Fans und seinen Gegnern kommen, müsste ultimativ der Supreme Court entscheiden. Für sich genommen ist all das vielleicht noch kein starkes Argument gegen ein Verbot von Bitcoin. Aber es ist eben nur ein Argument. Die Spieltheorie von Bitcoin, die Früheinsteiger belohnt, ist vielleicht das stärkste. Beautyon argumentiert auch, dass die USA einen enormen Vorteil hätten, Bitcoin durch die Verfassung zu schützen – weil sie sich ins Zentrum der globalen Bitcoin-Wirtschaft stellen würden. Ein Weg, den sie ohnehin schon eingeschlagen haben dürften. Denn Amerika ist schon heute die Heimat von Technologie, Kapitalmarkt und Geld – da wäre das nur ein logischer Schritt.

Mehr dazu in Teil drei unserer Mini-Serie zur Möglichkeit eines Bitcoin-Verbots.


Niko Jilch ist Wirtschaftsjournalist, Speaker und Moderator. Nach acht Jahren bei der „Presse“ ging er Ende 2019 zum Thinktank „Agenda Austria“, wo er als wissenschaftlicher Mitarbeiter die Bereiche „Geldanlage und digitale Währungen“ abdeckt, sowie digitale Formate aufbaut, etwa einen neuen Podcast. Twitter: @jilnik

Disclaimer: Dieser Text sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Steuerberatung, Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Sie dienen lediglich der persönlichen Information und geben ausschließlich die Meinung des Autors wieder. Es wird keine Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie abgegeben. Die Inhalte von derbrutkasten.com richten sich ausschließlich an natürliche Personen.

die Redaktion

TU-Forscher: So groß wird die Corona-Pleitewelle

TU Forscher haben berechnet, welcher Anteil der heimischen Betriebe derzeit durch Hilfsmaßnahmen "künstlich am Leben" gehalten wird.
/ausfallrate-corona-insolvenzen-blase-2021/
Insolvenz, Insolvenz Entgelt Fonds, Zahlungsunfähigkeit, Krida, Schulden, Gläubiger,, Startup
© fotolia.com/Gajus -

Die Unterstützungsmaßnahmen für heimische Betriebe halten auch zahlreiche Unternehmen „am Leben“, die ohne diese Hilfen in die Insolvenz rutschen würden. Das sorgt für die niedrigsten Insolvenz-Raten seit Jahren und Experten und Expertinnen warnen bereits länger vor einer Blase. Rund 1,11 Prozent der Unternehmen befinden sich derzeit in dieser Blase und könnten nach Ende der Maßnahmen ausfallen. Das haben Forscher der TU Wien rund um Walter S. A. Schwaiger, Bereichsleiter am Institut für Managementwissenschaften, mit Daten der Creditreform Wirtschaftsdatenbank in einer „vorausschauenden Ausfallsstudie“ berechnet.

Deutlich weniger Unternehmen zahlungsunfähig

Die Firmenpleiten sind in Österreich 2020 laut Creditreform auf das niedrigste Niveau seit 30 Jahren gesunken. 2020 lag die Ausfallrate lediglich bei 0,76 Prozent der Unternehmen, also deutlich unter dem Wert von 2019 (1,15 Prozent). Zum Vergleich: Am Höhepunkt der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 waren nach dieser Definition 1,7 Prozent der Unternehmen zahlungsunfähig. Dieser Wert betrifft nicht nur Insolvenzen, sondern alle Unternehmen, die nach „Basel III“ mindestens 90 Tage im Zahlungsverzug sind und die mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zahlungsunfähig sind.

Gäbe es keine Corona-Hilfsmaßnahmen wäre laut den TU-Forschern eine Ausfallrate von 1,87 Prozent zu erwarten. Die Differenz zur tatsächlichen Rate und damit die die „Corona-Blase“ beträgt also 1,11 Prozent. „Folglich sind die durch die Stützungsmaßnahmen verhinderten Ausfälle fast so viele wie die letztjährigen Ausfälle. Wie schnell und in welchem Umfang sich dieses Potential entlädt, ist noch unklar und hängt von der Konjunkturentwicklung sowie vom Zeitpunkt der Beendigung der staatlichen Hilfsmaßnahmen ab“, fasst Creditreform Österreich zusammen.

Insolvenzen, Corona-Pleite
© Creditreform Österreich

Pandemie nur bei wenigen Insolvenzen Ursache

Interessant sind übrigens auch die Ursachen der bisherigen Insolvenzen in der Coronakrise. Die lassen jedenfalls vermuten, dass die Corona-Hilfsmaßnahmen vor allem Pleiten verhindern, die auf Einschränkungen durch die Pandemie zurückzuführen sind. Denn die Zahl jener Unternehmen, die tatsächlich aufgrund der Pandemie-bedingen Einschränkungen in die Pleite rutschen liegt nur bei 14 Prozent der Insolvenzen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Kreditschutzverbands KSV1870. Die meisten Unternehmen rutschten 2020 wie auch sonst aufgrund operativer Ursachen in die Insolvenz. Die Pandemie trete zum Teil aber auch als Beschleuniger von Insolvenzen in Erscheinung, deren ursächliche Gründe eigentlich andere sind, heißt es vom Verband.

Der KSV1870 übte anlässlich der Präsentation der aktuellen Insolvenz-Statistik des ersten Quartals 2021 ebenfalls scharfe Kritik an den Hilfsmaßnahmen, die auch ohne Pandemie schlecht aufgestellte Unternehmen stützen: „Diese undifferenzierte Großzügigkeit gehört gestoppt, bevor auch gesunde Unternehmen von finanzschwachen Firmen in den Abwärtsstrudel getrieben werden“, Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz. Er rechnet nicht mit einem schnellen Platzen der Blase, sondern mit höheren Insolvenzraten über zumindest die nächsten zwei Jahre hinweg.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.
Möchtest du in Zukunft mehr von diesen Artikeln lesen?

Dann melde dich für unseren Newsletter an!

Navigation

News

Video

Events

Jobsuche

Leselisten zum Schmökern

Neueste Nachrichten

Bitcoin verbieten? Das wird schwer. Teil 2: Bitcoin ist (vielleicht) freie Meinungsäußerung

02.04.2021

Niko Jilch: Replik auf Ray Dalios Aussagen zu einem Bitcoin-Verbot
brutkasten-Kolumnist Niko Jilch | Hintergrund (c) Adobe Stock - Alexey Novikov

Wenn Bitcoin aus Text besteht, ist es dann durch die US-Verfassung geschützt? Teil 2 unserer Mini-Serie zur Debatte um ein Bitcoin-Verbot, wie es Hedgefonds-Manager Ray Dalio erwartet.

Summary Modus

Bitcoin verbieten? Das wird schwer. Teil 2: Bitcoin ist (vielleicht) freie Meinungsäußerung

Es gibt neue Nachrichten

Auch interessant