Angst vor zweiter Corona-Welle ließ US-Börsen erneut abstürzen

Nach Höhenflügen der Aktienkurse ließ die Sorge um eine zweite Corona-Welle die US-Börsen erneut einbrechen. Ausschlaggebend dafür waren Prognosen der Fed und der OECD.
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  • Am Donnerstag brach der US-Leitindex Dow Jones um 6,9 Prozent auf 25.128 Punkte ein, der S&P 500 fiel um 5,89 Prozent auf 3.002 Punkte und der Tech-Index Nasdaq ließ um 5,3 Prozent auf 3002 Punkte nach.
  • Der Grund für den Einbruch bei den US-Aktien am Donnerstag liegt in der Sorge vor einer zweiten Welle der Corona-Pandemie – und der entsprechenden Auswirkungen auf die Wirtschaft.
  • Befeuert wurden diese Sorgen durch eine schlechte Prognose der US-Notenbank Fed.
  • Für 2020 rechnet die Fed mit einem Schrumpfen des BIP um 6,5 Prozent, gefolgt von einem Wachstum um 5,0 Prozent im kommenden Jahr.
  • Marktbeobachter gehen nun davon aus, dass der US-Leitzins wegen der Corona-Krise auch über die kommenden Jahre hinweg auf diesem niedrigen Niveau verbleiben wird.

Die Börse ist keine Einbahnstraße – das ist eine der Börsen-Binsenweisheiten, die sich an Tagen wie diesen bewahrheitet. Am Donnerstag brach der US-Leitindex Dow Jones um 6,9 Prozent auf 25.128 Punkte ein, der S&P 500 fiel um 5,89 Prozent auf 3.002 Punkte und der Tech-Index Nasdaq ließ um 5,3 Prozent auf 3002 Punkte nach.

+++Leitindizes erklärt: Wozu braucht es den Dow Jones?+++

Dies war der stärkste Einbruch der US-Börsen seit Bekanntwerden des globalen Ausmaßes der Corona-Pandemie Mitte März. Seit dem Crash vor rund drei Monaten hatten die Börsen wieder eifrig zulegt, was unter anderem US-Präsident Donald Trump zu entsprechenden Jubelmeldungen veranlasst hatte.

 

Die Gründe für den Einbruch der US-Börsen

Der Grund für den Einbruch bei den US-Aktien am Donnerstag liegt in der Sorge vor einer zweiten Welle der Corona-Pandemie – und der entsprechenden Auswirkungen auf die Wirtschaft. Befeuert wurden diese Sorgen durch eine schlechte Prognose der US-Notenbank Fed.

„Vor der Wirtschaft liegt ein sehr unsicherer Weg“, sagt Fed-Chef Jerome Powell: Die Corona-Krise werde die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt stark belasten, ein erheblicher Teil der Menschen werde auf lange Zeit arbeitslos bleiben – was sich wiederum auf die Kaufkraft auswirkt. Dennoch verweist er auch darauf, dass Vergleiche mit der Weltwirtschaftskrise Anfang des 20. Jahrhunderts nicht angebracht sind – unter anderem, weil das Finanzsystem nun gänzlich anders aufgestellt sei.

Für 2020 rechnet die Fed mit einem Schrumpfen des BIP um 6,5 Prozent, gefolgt von einem Wachstum um 5,0 Prozent im kommenden Jahr. Die Arbeitslosenquote dürfte laut Notenbank-Prognose in diesem Jahr 9,3 Prozent betragen und 2021 auf 6,5 Prozent sinken.

OECD: BIP schrumpft teils um 20 bis 30 Prozent

Ebenfalls befeuert werden die Sorgen durch eine Prognose der OECD, die sogar noch dramatischer ausfällt: Demnach wird das BIP in machen Staaten in diesem Quartal um 20 bis 30 Prozent schrumpfen. Berechnet auf das Gesamtjahr rechnet die OECD damit, dass die Weltwirtschaft um sechs Prozent schrumpfen wird. Die Weltbank hatte in der Woche zuvor einen weltweiten Einbruch der Wirtschaft um 5,2 Prozent prognostiziert.

Kommt es zu einer zweiten Welle, so wird die Weltwirtschaft laut Prognose der OECD um 7,6 Prozent schrumpfen. Die Tiefe der Rezession ist dabei in den einzelnen Ländern unterschiedlich und hängt vor allem von der Härte der Maßnahmen und den davon betroffenen Branchen ab, sagt OECD-Chefvolkswirtin Laurence Boone. Auch für Österreich wurden entsprechende Zahlen präsentiert: Die Wirtschaftsleistung Österreichs dürfte 2020 laut OECD-Prognose um 6,2 Prozent schrumpfen. Kommt es im Herbst zu einer zweiten Corona-Welle, dann könnte das Minus 7,5 Prozent betragen.

US-Notenbank Fed lässt Leitzinsen niedrig

Die Fed gab nun auch bekannt, den Leitzins vorerst nicht anzutasten: Dieser verharrt weiterhin in einer Spanne zwischen null und 0,25 Prozent. Marktbeobachter gehen nun davon aus, dass der Leitzins wegen der Corona-Krise auch über die kommenden Jahre hinweg auf diesem niedrigen Niveau verbleiben wird.

Die USA sind weltweit das Land mit den meisten bestätigten Corona-Fällen. Laut Daten der Johns Hopkins University gibt es dort mehr als zwei Millionen bestätigte Fälle.

Redaktionstipps

Sabine Jungwirth

Steuern und Versicherung: Ein Plädoyer für die „Universalabgabe“

Österreichs Steuern- und Abgaben-System stellt viele Unternehmerinnen und Unternehmer vor Herausforderungen. Sabine Jungwirth, Bundessprecherin der Grünen Wirtschaft, plädiert daher in ihrem Gastbeitrag für eine Universalabgabe.
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Sabine Jungwirth Grüne Wirtschaft
Sabine Jungwirth, Bundessprecherin der Grünen Wirtschaft. (c) Foto Furgler
gastkommentar

Die Coronamonate haben deutlich gemacht, was vielen schon länger klar war: Das Klischee der „reichen“ Unternehmer*innen gehört längst zur Vergangenheit. Gerade unter den Gründer*innen und den Kleinselbständigen kämpfen viele auch in Zeiten guter Konjunktur ums Überleben. Sichtbar wird dieser Umstand im alle zwei Jahre erscheinenden Einkommensbericht des Rechnungshofs: Zuletzt (2018) wurde dort festgehalten, dass das Medianeinkommen (50% liegen darunter, 50% darüber) der 346.970 ausschließlich selbständig Erwerbstätigen nur bei jährlich 11.637,00 € (Frauen 7.893 €, Männer 15.637 €) liegt. Angesichts solcher Zahlen ist es nicht weiter verwunderlich, dass viele Unternehmer*innen in Österreich keine Reserven für den Notfall haben und nun um ihr finanzielles und unternehmerisches Überleben kämpfen.

Die eben in Kraft getretene Senkung des Einkommensteuertarifs in der niedrigsten Stufe hat für das Segment der gering verdienenden Unternehmer*innen keine Auswirkungen, da sie unterhalb der Steuerpflicht liegen. Relevant sind jedoch viel mehr die Sozialversicherungsbeiträge.

Ich plädiere daher für eine nachhaltige und weitreichende Reform des österreichischen Abgabensystems und damit für eine Verschiebung der Steuerlasttragung. Unser erklärtes Ziel ist die Etablierung eines gerechten und zukunftsfähigen Steuersystems bei sofortiger Entlastung von EPU und KMU. Die Einführung einer „Universalabgabe“ kann das leisten.

Eine für alles – das ist die „Universalabgabe“

Die „Universalabgabe“ – in Expertenkreisen auch unter dem Begriff des „integrierten Tarifs“ bekannt – ist ein ganzheitlicher Lösungsansatz zur Erneuerung des österreichischen Steuersystems, der Einfachheit mit Transparenz und sozialer Gerechtigkeit vereint. Sie fasst Lohn- bzw. Einkommenssteuern sowie Sozialversicherungsbeiträge zu einer gemeinsamen Abgabe zusammen.

Die ersten 12.000 € des Einkommens bleiben bei voller Sozialversicherung gänzlich abgabenfrei. Für die Einkommensteile darüber würde ein stark vereinfachtes Steuertarifmodell mit deutlich einfacheren Steuersätzen gelten: Das restliche Einkommen bis zu einer Million Euro wird mit 50% besteuert. Danach kommt es zu einer progressiven Steigerung auf 60% bzw. 70%. Die Sozialversicherung wird für den Einkommensteil bis 12.000 € aus dem allgemeinen Steueraufkommen finanziert.

Wie sich die Universalabgabe auf verschiedene Einkommen auswirkt, und wie viel mehr unterm Strich übrig bleiben würde, zeigen diese drei Beispiele:

Beispiel A)    Bruttoeinkommen: 10.000 €

Beispiel B)    Bruttoeinkommen: 20.000 €

Beispiel C)    Bruttoeinkommen: 60.000 €

Die Universalabgabe brächte eine sofortige Senkung der Steuerlast der gering- bis mittelverdienenden Selbstständigen, wie die untenstehende Grafik zeigt:

Vereinfacht ausgedrückt: Je niedriger das Einkommen, desto stärker die Entlastung durch das neue System.

Die seit Jahren diskutierte Entlastung des Faktors Arbeit würde mit unserem Modell endlich umgesetzt werden. Gleichzeitig erreichen wir auch eine deutliche Vereinfachung des Abgabensystems. Wir müssen den Unternehmer*innen mehr finanzielle Spielräume verschaffen. Wenn unterm Strich mehr überbleibt, ist es auch einfacher (in Zukunft) für schlechte Zeiten vorzubauen.

Die Grüne Wirtschaft setzt mit diesem Vorschlag einen Impuls zur radikalen Vereinfachung des Abgabensystems auf Erwerbsarbeit und leistet damit gleichzeitig einen Beitrag zur Debatte über eine Steuerstrukturreform. Denn zur Gegenfinanzierung sollen Steuern auf Umweltschäden, Ressourcenverbrauch und Vermögenszuwächse herangezogen werden.

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