Oft entsteht aus einer persönlichen Notwendigkeit ein Business-Modell. So war das auch beim Wiener Startup Sofasession. Helmut Herglotz, der Gründer und CEO, hatte vor ein wenig über zwei Jahren nach einer Möglichkeit gesucht, mit anderen Musikern online zur gleichen Zeit zu proben. Da er ein solches Service nicht gefunden hat, entschloss er sich selbst eine solche Plattform zu gründen. Nachdem man die technischen Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt hat, denkt man nun bereits einige Schritte weiter: Sofasession will 2015 über 30.000 Musiker im “Online-Proberaum” versammeln und plant außerdem an einem eigenen Musikvertrieb.

In der Musik entscheiden Bruchteile einer Sekunde, ob das Zusammenspiel klappt oder eben nicht, das weiß auch Herglotz: “Die Herausforderung war, Daten so schnell zu übertragen, dass es zu keinen wahrnehmbaren Verzögerungen kommt”. Diese Lösung hat das Unternehmen mit einem eigenen Programm gefunden. Nutzer können dabei sowohl live mit anderen musizieren als auch eigene Lieder aufnehmen und zu Stücken spielen. Die Herausforderungen sind damit aber nicht gänzlich verschwunden, sondern haben sich erst einmal verschoben. Nun aber geht es erstmals an den Aufbau der Userbasis. 1500 Musiker tummeln sich bereits auf der Plattform. Aber es sollen noch viel mehr werden.

Je mehr Nutzer, desto mehr Musikinhalte kommen auf die Plattform und desto interessanter wird es wieder für andere Musiker. Und natürlich ist es auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit: Aktuell ist das Unternehmen mit einer Förderung der Austria Wirtschaftsservice (AWS) noch gut finanziert, neben einer für nächstes Jahr geplanten Investmentrunde sollen heuer aber auch bereits Umsätze von den Nutzern kommen. “Wir sind bis Ende des Jahres finanziert, arbeiten aber bereits an einer Investmentrunde”, bestätigt Herglotz. Das Basisservice ist bei Sofasession kostenlos, wollen Musiker ihre Inhalte aber nur mit ausgesuchten Nutzern teilen und nicht mit der gesamten Gemeinschaft, ist das kostenpflichtig.

Nebenher arbeitet das Unternehmen überdies an neuen Geschäftsmodellen. “Von einem Online-Proberaum geht es immer stärker in Richtung Label”, sagt Herglotz. Denn Musiker stehen nicht nur beim Musizieren vor Problemen. Ist die Musik einmal aufgenommen, muss sie vertrieben werden. Musiker sparen sich damit künftig den Umweg über Tonstudios, und andere Labels sollen künftig über Sofasession ihre Songs auf Plattformen wie iTunes oder Spotify hochladen. Die Einnahmen werden zwischen Musikern und Sofasession geteilt. Herglotz spricht von einem “fairen Split”.

Vorrangig ist aber das Nutzerwachstum. Bis zu 30.000 Musiker werden heuer erwartet. Dafür hat Sofasession ein Büro in Berlin eröffnet und spricht gerade mit einem Partner über einen Einstieg in Asien. Noch wird verhandelt. Einzelheiten sind deshalb unter Verschluss.

Bildschirmfoto 2015-07-09 um 15.41.02

Quelle