Einen Gesamtumsatz von über 550 Millionen Euro hat die Berndorf Metallwaren AG im letzten Jahr erwirtschaftet. Der Geschäftsführer und dank eines Management-Buy-out im Jahr 1988, Miteigentümer sowie Vorstand Norbert Zimmermann wechselte im Jahr 2008 in den Aufsichtsrat der Industriegruppe, die 2700 Mitarbeiter beschäftigt. Man kann sich also vorstellen, dass der 68-Jährige bereits auf ein bewegtes Leben zurückblicken kann. Seine zwei Enkelkinder dürfen ihn vielleicht ab und zu ablenken, ansonsten denkt Zimmermann lange nicht daran, das Arbeiten sein zu lassen. Viel zu viele Ideen schwirren ihm im Kopf herum. An vier Startups hält der Unternehmer privat, aber auch über die Firma, Anteile. Dass er mit dem Titel Business Angel of the Year 2013 ausgezeichnet wurde, sei nur nebenbei bemerkt. Der Preis wurde ihm für seine Investition in das Wiener Startup Kompany verliehen. Dabei könnte er genau so gut unter Palmen liegen, oder das Nichtstun genießen. Wieso er das letztendlich nicht tut? Hier kommen wahrscheinlich mehrere Faktoren ins Spiel: Einerseits der finanzielle Aspekt, immerhin hält er an dem Startup, das er mit privaten Geld unterstützt hat, etwas mehr als 10 Prozent. Kompany ist übrigens ein Online-Portal für Firmenprofile und Bonitätsauskünfte. Zimmermann: „Es ist ein Innovationsthema, von dem ich mir viel Feedback für unser Kerngeschäft erwarte. Auch kann man von der modernen Arbeitswelt der vernetzten Zuarbeit viel lernen.“

Wie er denn zum erfahrenen Business Angel wurde? 1997 tätigte Zimmermann das erste Investment, und zwar an der Softwarefirma Imagination. An ihr ist die Berndorf AG nach wie vor beteiligt. Einige Engagements scheiterten. „In der Pubertät der Investments haben wir uns 100 Business-Cases angeschaut, neun gemacht und fünf davon sind gestorben“, erzählt er. Seither werde noch genauer geprüft. Worauf es ankommt? „Auf die Menschen.“ Es bedürfe eines kreativen Kopfes, eines guten Charakters sowie großen Fleißes. Fehle ein Asset, scheitere ein Projekt.

Mehr Interesse, innovative junge Unternehmen zu fördern, sollte laut Zimmermann auch der Staat haben. „Die Zeit nach den Seeds, also wenn AWS-Förderungen auslaufen, ist nach wie vor ­ungelöst“, sagt er. Es gehe ums Durchhalten, wenn eine Entwicklung länger dauere als gedacht oder eine Expansion anstehe. Findet sich in dieser Phase kein privater Investor, werde das Unternehmen meist wieder zurückgefahren, jeglicher Beschäftigungseffekt gehe verloren.

Zimmermann berät Gründer, „wenn ein Sparringpartner gebraucht wird“. Ähnlich hält er es bei der Berndorf AG. Er lasse den Vorstand in Ruhe arbeiten, doch mancher Kunde verlange „nach dem alten Indianer“. Heißt in der Praxis: Er habe zwar mehr Freiräume als noch in seiner Vorstandszeit, doch im April war Zimmermann immerhin auf einer Geschäftsreise in Deutschland und einer in Fernost.

Quelle: Wirtschaftsblatt