Dieser Beitrag wurde von unserem Gastautor Bernhard Hauser verfasst. 
Ich liebe Sommer in Wien! Als Einheimischer oder Tourist kann man eine Vielzahl einzigartiger Veranstaltungen erleben, wie etwa das vielfältige Kulturangebot, Musik, Konzerte, Public Viewing (Songcontest, Life Ball etc.), ausgelassene Partys und noch vieles mehr – vieles davon kostenlos.
Eine dieser kostenlosen Veranstaltungen, die ich zufällig vor kurzer Zeit besucht habe, war Puccinis Oper „Madama Butterfly“ neben der Wiener Staatsoper – als Live-Übertragung und völlig umsonst. Die Vorführung wurde direkt aus dem Inneren der Staatsoper nach draußen übertragen, inklusive Full-HD Bild, Ton, Untertiteln und etwa 200 Sesseln für Besucher, die fast bis zur Gänze besetzt waren.
Man stelle sich einen Moment lang vor, was die Wiener Staatsoper hier eigentlich macht: Wenige Meter weiter, im Inneren des Gebäudes, werden Einzelsitzplätze um bis zu 200 EUR verkauft, während draußen neben der Oper die exakt gleiche Vorführung live übertragen wird – völlig kostenlos. Und darüber hinaus muss ich mich nicht Wochen vorher um gute Karten oder etwa einen Smoking kümmern.
Aus der Perspektive der Wiener Staatsoper ist das eigentlich ein finanzielles Desaster, doch die Oper selbst ist bestens besucht. Was passiert hier eigentlich?
Finde heraus, was wirklich dein Produkt ist
Wenn man noch einmal genauer darüber nachdenkt, ist das eigentlich eine geniale Idee: Die Wiener Staatsoper hat begriffen, dass nicht die Oper selbst ihr Produkt ist, sondern viel mehr die Erfahrung beim Besuch der Oper. Es ist das Ambiente, der Geruch des roten Teppichbodens, die Ruhe während den Vorführungen, die anderen Besucher, die unverwechselbare Akustik des Hauses und mehr.
Vor allem für Startups ist wichtig zu wissen, dass eine frühe Version des Produkts (MVP, Minimum Viable Product) nicht nur ein bestimmtes Set an Merkmalen braucht, sondern viel mehr muss es echte Emotionen erzeugen! Es muss viel mehr ein MLP (Minimum Loveable Product) sein.
Eine frühe Version eines Produktes muss ein MLP sein – ein Minimum Loveable Product.
Deine Benutzer erinnern sich an Erlebnisse, nicht an Fakten
Deine Aufgabe besteht viel mehr darin, etwas zu bauen, das eine unverwechselbare Erfahrung bietet und damit in Erinnerung bleibt. Das ist für jede Zielgruppe unterschiedlich und nicht immer leicht zu finden, aber es zahlt sich aus, ein paar Stunden mehr in ein MLP zu investieren.
Zu wissen, wie deine zukünftige Zielgruppe aussieht, ist dabei wichtig: Wenn sie beispielsweise eher unerfahren mit Apps und Web-Anwendungen ist, dann verwende etwa einfache Farben, Formen, Strukturen und verzichte auf komplizierte Navigation aufwendige Grafiken. In diesem Fall ist Einfachheit des Produkts entscheidend.
Wenn du allerdings eine sehr design-affine Zielgruppe ansprechen möchtest, dann investiere diese Extra-Stunden lieber darin, deinem frühen Produkt den letzten optischen Feinschliff zu geben. Deine frühen Benutzer werden es dir danken – und du wirst in Erinnerung bleiben. Spiele mit der „Unerwartetheit“!
Das Credo deines frühen Produkts sollte viel mehr lauten: Surprise and delight. Konzentriere dich darauf, was du wirklich verkaufst. Denn alles andere ist nebensächlich und solltest du überhaupt kostenlos verteilen, denn es lenkt dich nur davon ab ein Produkt zu bauen, das in Erinnerung bleiben soll.
Bernhard Hauser
Dieser Beitrag ist zuerst auf Hauser.io erschienen.
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Bernhard Hauser (@_Bernhard) interessiert sich für Digitale Medien und Online Marketing. Er ist Mit-Gründer von sharedspaces.at und organisiert Events wie das Startup Kitchen. In seiner Freizeit bloggt er gerne über Startup-Themen auf Hauser.io.