Eine Studie über Startups sieht die Zukunft der digitalen Branche in Europa vor allem im Bereich Daten. Der Unternehmenswert aller europäischen Startups liege bei rund 110 Milliarden US-Dollar – die Studie zeigt ein Reiferwerden der Gründerlandschaft Europas.

Die Studie von Roland Berger kommt zum Schluss, dass sich europäische Startups von den amerikanischen Vorbildern lösen sollten und vor allem eine eigene Identität entwickeln müssten. Profitieren tun die jungen Unternehmen von der Digitalisierung, die die europäische Gründerszene stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Grund ist auch die bessere finanzielle Ausstattung der Startups, die im ersten Halbjahr 2015 um 86 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen ist.

Überdies stehen Startups auf festerem Fundament als zu Beginn des Jahrhunderts, sind doch digitale Technologien inzwischen allgegenwärtig. “Die Software hat ihren Einfluss als Innovationsmotor verloren”, meint Roland Falb, Managing Director Roland Berger Österreich. Viel wichtiger sei es, Business Intelligence und Daten miteinander zu verbinden, um dadurch Geschäftsvolumen und Effizienz im Unternehmen zu steigern.

Die Studie will zudem mit altgewordenen Klischees über die europäische Startup-Szene aufräumen. Zum Beispiel sei Europa längst nicht mehr unattraktiv für Unternehmensgründungen. Besonders London, Paris und Berlin bieten demnach günstige Bedingungen. Es gebe vor allem im digitalen Bereich Kreativität, Fachkräfte und leistbare Immobilienmieten vor Ort. Fachkräfte und Mietkosten sind vor allem im Vergleich zu den amerikanischen Technologiezentren billig.

“Viel wichtiger ist es, Business Intelligence und Daten miteinander zu verbinden. Denn nur so lassen sich Geschäftsvolumen und Effizienz im Unternehmen steigern”, Roland Falb von Roland Berger Österreich.

Sprachbarrieren

Ein gravierendes Problem in Europa stellen aber noch immer Sprachbarrieren da. Diese machen es Unternehmen schwerer, europaweit Hochqualifikationskräfte zu finden. Auch die Vorschriften bezüglich der Arbeitserlaubnis seien streng. Dem entgegen stehe eine sehr gute Akademisierung.

Die Studie sieht den Unternehmenswert aller europäischen Startups bei rund 110 Milliarden US-Dollar, die finanzielle Ausstattung sei im ersten Halbjahr 2015 gleich um 86 Prozent gestiegen. Zudem investierten Private Equity-Gesellschaften zwischen 2010 und 2014 rund sechs Milliarden Euro in europäische Firmen. Dennoch gebe es Verbesserungsbedarf. So müsste sich die Digitalindustrie in Europa mehr vom amerikanischen Vorbild lösen und auf Industriekompetenz, Vielfalt und Internationalisierung setzen.

Digitale Zukunft

Die digitale Revolution erreiche eine neue Phase. Daten seien das neue Zentrum der Startup-Industrie. Europa könne durch Big Data, Cloud Computing und Robotisierung profitieren: „Europa sollte auf seine eigenen Fähigkeiten setzen, die richtigen Nischen finden und neues, unerforschtes Terrain betreten. Am Ende winkt eine neue, digitale Zukunft für unseren Kontinent“, prognostiziert Roland Falb.

„Europa sollte auf seine eigenen Fähigkeiten setzen, die richtigen Nischen finden und neues, unerforschtes Terrain betreten”, meint Roland Falb.

Europa sollte in diesem Prozess vor allem auf drei Punkte setzen. Man brauche Unternehmen und Personen, die neue Spielregeln festlegen und Marktlücken füllen. Dafür sollten Startups mit traditionsreichen Unternehmen zusammenarbeiten, um die digitale Infrastruktur aufzubauen.

Vor allem die Bereiche Datensicherheit, Data Governance, Zahlungsmodelle und Verbrauchermodelle seien die Zukunft. Hier müssten Normen definiert und die Vernetzung der Wirtschaftszentren vorangetrieben werden. Zudem müsste eine Art digitales Ökosystem entstehen, alle Beteiligten sollen sich in der digitalen Welt sicher fühlen. Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit müssten auch in der Arbeit mit Daten miteinbezogen werden.

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