Die aktuellen Handelsbeschränkungen zwischen Europa und Ländern, die nicht zur EU gehören, bereiten einigen Unternehmern Kopfzerbrechen. Einer von ihnen heißt Nima Arvand. Der gebürtige Iraner lebt seit seinem vierten Lebensjahr in Österreich.

200 Tonnen Granatapfelsaft liefert der Jungunternehmer über Obst-und-Gemüse-Zwischenhändler wie die internationale Univeg-Gruppe an Merkur, Billa und Spar pro Jahr nach Österreich. Knapp sieben Euro kosten die 750-ml-Flaschen. Gegenüber der türkischen Konkurrenz wirbt Arvand mit der Qualität.

Mit den Früchten ist der gebürtige Iraner, der mit vier Jahren nach Österreich kam, seit 2013 in den Supermärkten. Seit einigen Monaten verkauft er auch den Saft als eigene Marke statt als Zulieferer für andere. „Wir erwarten heuer etwa 900.000?€ Umsatz.“ Wie viel er und Partner Rexhe Qufaj in ihre ASQ GmbH investiert haben und wann sie das Geld wieder zurückverdient haben werden, „das trauen wir uns gar nicht nachrechnen“. Gemeinsam mit ihrem iranischen Partner vor Ort, einem biozertifizierten Obsthändler, wollen Qufaj und Arvand das Geschäft ausbauen.

Auf Saft folgt Frizzante

Neben dem Saft arbeiten sie an einem Granatapfelschaumwein, der noch im Frühsommer erhältlich sein soll, sowie Essig- und Ölprodukten. Abgefüllt werden Saft und Schaumwein vom Familienbetrieb Litzellachner in Kematen, auch bekannt als Ferdl Most und als Hersteller von „Ja! Natürlich“-Produkten.

Ursprünglich exportierte der heute 39-jährige Arvand Komponenten für die Automobilindustrie von Österreich in den Iran. „Die Automobilindustrie ist dort vor einigen Jahren zusammengebrochen, und die Handelseinschränkungen waren gleichzeitig sehr belastend“, sagt Arvand. „Wer technische Komponenten liefert, muss ständig beweisen, dass sie für ein Auto und nicht etwa für eine Rakete gedacht sind.“ Arvand stieg auf den Import von Obst um.

Schwierig seien dabei vor allem zwei Dinge – einerseits die Zollbelastung von 18 Prozent, die Granatapfellieferungen aus dem Iran betrifft, nicht aber die aus der Türkei und Israel, und andererseits die Behinderungen im Zahlungsverkehr aufgrund der Sanktionen.

Tauschgemeinschaften

Im Iran hätten sich in Reaktion darauf Tauschgemeinschaften herausgebildet. Wer etwa von einem Händler im Iran eine Obstlieferung bekommt, könnte dafür einem anderen Laptops schicken. Den Zahlungsausgleich würden dann die zwei iranischen Unternehmen untereinander regeln. Andere iranische Betriebe behelfen sich mit Auslandsniederlassungen. „Es ist für alle ein heikles Thema. Aber die Einschränkungen lockern sich hoffentlich zusehends.“

arvand_Foltin0001_1429806295469119

Quelle: Wirtschaftsblatt

Foto-Credit: WB/Foltin