Ein Blick soll künftig genügen: Bergretter sollen jederzeit exakt wissen, wo man sich gerade befindet. Heutzutage verwenden die Retter dafür moderne GPS-Geräte – mit einem großen Nachteil: Man muss zumindest eine Hand frei haben, um die wichtigen Infos lesen zu können. An dieser Stelle könnten Datenbrillen ihre Stärke gut ausspielen. Das hat Andreas Wiltschnigg, Einsatzleiter bei Mürzzuschlag, vor etwa einem halben Jahr erkannt. Die Grazer Softwareschmiede Evolaris lieferte die entsprechende Anwendung und kommende Saison wird ein erster Testlauf durchgeführt. Insgesamt fünf Hightech-Skibrillen werden von steirischen Bergrettern getestet. „Gerade in Extremsituationen, in denen die Hände frei bleiben und trotzdem die wichtigsten Daten über die Gesamtsituation im Blickfeld bleiben sollen, könnten Datenbrillen helfen“, meint Gerald Binder von evolaris.

Aufmerksam wurde Wiltschnigg im Frühjahr, als Evolaris Datenbrillen mit Freizeitsportlern in den Skigebieten des Österreichischen Verband ski amadé getestet hat. Der damalige Feldversuch war Ergebnis eines EU-Forschungsprojekts, erklärt Evolaris-Projektleiter Gerald Binder im Gespräch mit DiePresse.com. Zum Einsatz kamen Skibrillen mit einem winzigen Display und einem Mini-Computer im rechten unteren Eck der Brille. Die Hardware stammt von Recon und wird in manchen Skibrillen angeboten oder kann bei einigen Modellen nachgerüstet werden. Evolaris liefert eine App, die über einen PC installiert wird und die Brille mit dem Smartphone verbindet. Direkt im Blickfeld angezeigt werden Infos wie die Wartezeit am nächsten Lift, der schnellste Weg zur nächsten Hütte mit Pfeilnavigation, das aktuelle Wetter und gelegentlich auch Neuigkeiten des Betreibers wie etwa Veranstaltungen. Gesteuert wird die Software über ein Armband mit Steuerkreuz, das sich auch mit Handschuhen gut bedienen lässt.

Etwa 70 Skifahrer haben die Brille ausprobiert und die Reaktionen waren durchwegs positiv, so Binder. Anfängliche Sicherheitsbedenken hätten sich zerstreut. “Man schaut nur sehr kurz auf das Display und während der Fahrt werden lediglich Basisinformationen wie Geschwindigkeit und Uhrzeit eingeblendet”, sagt der Experte. Im Dezember wird die App mit einigen der getesteten Funktionen bereits verfügbar sein. Die Software ist kostenlos – eine entsprechende Brille schlägt allerdings mit rund 650 Euro zu Buche.

Sicherheitsbedenken bei der Nutzung der Datenbrille braucht man keine haben: Der Nutzer schaut nur kurz auf das Display und bekommt während der Fahrt nur Basisinformationen angezeigt.

Für die Bergretter ist zunächst nur eine Funktion interessant und zwar die Angabe der Position. Die aktuellen Positionsdaten werden in verschiedenen Formaten angezeigt, können allerdings (noch) nicht direkt gesendet werden, da keine Verbindung zum Smartphone besteht. Während des Tests werden die Bergretter sicherheitshalber immer ein zusätzliches GPS-Gerät verwenden. Diese Spezialgeräte garantieren exakte GPS-Daten – wie groß der Unterschied zu dem GPS-Modul der Brille sei, müsse eben erst herausgefunden werden, erklärt Binder.

In Zukunft könne er sich vorstellen, dass auch die Anzeige von Luftbildern für die Bergrettung interessant sein könnte. Auch über eine Verbindung mit dem Smartphone für eine schnellere Kommunikation werde nachgedacht. “Die 3G-Verbindung in den Bergen ist sehr unterschiedlich”, sagt Binder. Dessen sind sich auch die Skigebiete bewusst und gerade im Freizeitbereich ist die Nutzung in den vergangenen Saisonen sehr stark angestiegen. Ein starker Treiber sind Kurzvideos, die über das Internet mit Freunden geteilt werden. Einige Skigebiete bieten daher bereits WLAN an. Datenbrillen werden die Netze in naher Zukunft kaum überlasten – laut Recon sind derzeit nach wie vor unter 100.000 Brillen weltweit im Einsatz. Gerald Binder glaubt fest daran, dass sich das in den kommenden Jahren ändern wird.