Die Digitalisierung hat der Musikindustrie zugesetzt: Downloads und Piraterie haben die Einnahmen schrumpfen lassen. Langsam beginnen aber neue Konzepte zu greifen. Neben Musikstreaming zeigt die österreichische Plattform Hello Stage, wie Musiker von digitalen Plattformen profitieren. Die Geschäftsmodelle der klassischen Musik sind über 200 Jahre alt“, sagt Bernhard Kerres, Gründer des Wiener Start-ups Hello Stage. Kerres weiß, wovon er spricht. Als früherer Opernsänger, Manager in Hightech-Unternehmen und zuletzt Chef des Wiener Konzerthauses, kennt er die Musik- und die Geschäftswelt. Sein Schluss: Der Musikmarkt ist im Umbruch und muss sich auch ändern. Popmusiker sind zum Beispiel bei der Nutzung von sozialen Medien bereits vorgeprescht.Diese Veränderungen sieht Kerres nun auch in der Klassik: „Hier schreiten die Veränderungen etwas langsamer voran.“

Der Musikmarkt ist im Umbruch und muss sich anpassen. Auch in der klassischen Musik nutzen Küstler immer mehr die Möglichkeiten des Social Webs.

Nun sei es aber an der Zeit, dass auch die Industrie reagiert, denn Karrieren laufen längst anders als noch vor wenigen Jahren, sagt Kerres und erzählt davon, dass Musiker ohne Auftritt in sozialen Medien kaum noch an Aufträge kommen.

Hier setzt Kerres Start-up an: „Es kann doch nicht sein, dass ein Dirigent nächtelang auf YouTube nach neuen Künstlern suchen muss.“ Aus dieser Idee ist innerhalb eines Jahres die Plattform Hello Stage mit 6000 Mitgliedern entstanden. Musiker bekommen dabei eine Präsenz bei einer relevanten Zielgruppe, bestehend aus Agenten, Veranstaltern und Kollegen.
Noch wichtiger ist allerdings die dahinterliegende Datenbank, sagt Kerres: „Als Veranstalter will ich wissen, wer mit wem welche Stücke gespielt hat.“ Das lässt sich bei Hello Stage leicht herausfinden.

Für die Vermittlung von Aufträgen ist das ein guter Start. Dass die Entwicklung und die internationale Ausbreitung der Plattform so schnell geklappt hat, hat Kerres überrascht. Rund 30 Prozent der Nutzer kommen aktuell beispielsweise aus den USA. Er erklärt es mit den Netzwerken der berühmten Gründungsmitglieder rund um den Violinisten Julian Rachlin oder dem Percussionisten Martin Grubinger.

Das sieht auch Sabine Hoffmann so, Geschäftsführerin des Marketingunternehmens Ambuzzador. Früher haben sich Unternehmen für viel Geld Online-Communities aufgebaut. „Das geht heute nicht mehr“, sagt Hoffmann. Es funktioniert nur dann, wenn es diese Gemeinschaften auch im realen Leben gibt. Dabei sei es aber wichtig, dass sich jeder, ob Künstler oder Manager, auch aktiv in den Austausch einbringt, sagt Hoffmann.

Für Hello Stage geht es nun um Wachstum. Nur so sei der Break-even in den nächsten zwei Jahren möglich. Daneben feilt das Unternehmen aber längst an neuen Einnahmequellen. Kerres: „Wir arbeiten mit einem Label zusammen und an einer Videoplattform mit Bezahlmodellen.“

Der Start einer Community-App zur Vernetzung von Künstlern steht kurz bevor. Und so bald wie möglich soll die Plattform auch Konsumenten erreichen. Sie könnten gezielt Infos über ihre Lieblingsmusiker abrufen. Es gebe also noch genügend Ausbaumöglichkeiten, sagt Kerres. Vorausgesetzt, man hört auf die Anliegen der Community.