Das österreichische Startup Ecosystem hat in den letzten Jahren einen ungeheuren Sprint hingelegt, aber wo stehen wir im internationalen Vergleich? TechCrunch beschreibt Österreich als „upcoming early-stage-investment capital of Europe“ und zeigt auf, welche Initiativen die internationale Sichtbarkeit des wachsenden Ökosystems begünstigt haben. Hautnah spürt man das, wenn man einen der Stammtische von AustrianStartups besucht. Gründer und alle die es noch werden wollen als auch Vertreter von Corporates kommen vorbei, um sich inspirieren zu lassen bzw. zur Zusammenarbeit einzuladen, wie zuletzt für die Startup-Challenge „Innovation2Company“.

Beim Start des Stammtischs im Jahr 2013 traf sich noch eine kleine eingeschworene Gruppe, heute sind es hunderte Teilnehmer. Der Stammtisch ist zum etablierten Event-Format herangewachsen. Die Räumlichkeiten der gastgebenden Co-Working Spaces reichen bald nicht mehr aus und der Ruf nach einem Campus nach internationalem Vorbild steht schon lange im Raum. Auf meinen Reisen checke ich gerne in solche Arbeitsplätze ein, da ich so schnell mit dem lokalen Ökosystem in Kontakt komme, gut arbeiten kann und die Dynamik einer Szene spüre.

Coworking in Österreich

Wie aber sieht die Situation in Österreich aus? 2010 wurde Sektor5 (Fläche 600 m2), in dem auch der AustrianStartups Stammtisch stattfindet, gegründet. Ebenfalls 2010 startete der Impact Hub (1.200 m2) in Wien und es folgten eine Anzahl kleinerer Spaces, wie Talent Flow oder auch etwas noblere Lösungen wie von REGUS. Flexible Arbeitsplätze gibt es mittlerweile in der ganzen Stadt. In Graz gibt es wiederum unter anderem die Aula x space (1.847 m2), in Linz das Axis Coworking Loft am Areal der Tabakfabrik (500 m2) und im Westen hat sich das Coworking Salzburg mit 360 m2 Fläche etabliert.

“Was im internationalen Vergleich fehlt, ist ein zentraler Campus, ein ‚Hauptbahnhof‘ der Startup-Szene”, meint Berthold Baurek-Karlic, Gründer von Venionaire Capital.


(Unten weiterlesen) Zur Person: Berthold Baurek-Karlic ist Venture Capital Experte, mehrfacher Startup- bzw. Unternehmensgründer und Business Angel. Der 1982 geborene Wiener spezialisierte sich in seiner Karriere früh auf das Risiko- und Wachstumskapitalsegment. 2012 gründete er das Beratungs- und Beteiligungsunternehmen Venionaire Capital. Das Unternehmen begleitet und strukturiert Transaktionen für innovative Technologieunternehmen (Venture Capital) und unterstützt Konzerne in der gezielten Analyse und Übersetzung von Markt- und Technologieentwicklungen sowie in der Umsetzung von Corporate Venture und Innovationsprojekten. Der Unternehmer ist als Lektor am Institut für Innovationsmanagement (IFI) der Johannes Kepler Universität tätig, Generalsekretär des Business Angel Institutes, Blogger und Autor des Buches „Erfolgsgründer – Made in Austria“


 

Was jedoch eindeutig im internationalen Vergleich fehlt, ist ein zentraler Campus, ein „Hauptbahnhof“ der Startup-Szene und eine Anlaufstelle für alle Menschen, die sich mit Innovation auf hohem Niveau beschäftigen wollen. Internationale Beispiele zeigen sehr gut, welche Vorteile derartige Knotenpunkte mit sich bringen. Sie ziehen global tätige Konzerne (IBM, Cisco) ebenso wie führende Technologie-Unternehmen (bei Markteintritt) wie Uber, Tesla oder Deliveroo an und sind auch für wichtige Geldgeber und Acceleratoren interessant.

Internationale Vernetzung fördern

Nun ist eine zentrale Funktion von Co-Working Spaces das Vernetzen seiner Mitglieder. Je breiter und internationaler das Netzwerk, umso besser für die Startups, die per definitionem auf Skalierung ausgerichtet sind. Talent Garden (gegründet in Italien), baut laufend die Zahl seiner Standorte aus und soll Anfang nächsten Jahres bereits an rund 20 Standorten (derzeit sind es 16) in ganz Europa vertreten sein. Bei Talent Garden ist man Teil einer umfassenden Gemeinschaft mit 35.000 Mitgliedern, die offen Erfahrungen teilen und sich gerne gegenseitig unterstützen.

Internationale Player am Co-Working-Markt haben den großen Vorteil, dass sie über ein länderübergreifendes Netzwerk verfügen und somit mehr als nur ein Arbeitsplatz sind – sie bieten Startup-Nomaden vielmehr die Möglichkeit von überall zu arbeiten. „B.Amsterdam“ ist beispielsweise ein Coworking-Space auf einer Fläche von 25.000 m2 in einem ehemaligen IBM-Bürokomplex und versteht sich selbst als Gate in die niederländische und internationale Startup-Community. Der „Tobacco Dock“  in London beherbergt mehr als 100 Startups und das deutsche Betahaus hat große Spaces in Berlin, Hamburg, Barcelona und Sofia aufgebaut.

Mega-Campus

Ein „Mega-Campus“ würde unserem noch kleinteiligen Startup-Ökosystem zu einem erneuten Schub verhelfen. Wir benötigen definitiv noch mehr internationale Sichtbarkeit und müssen den Standort attraktiver machen, nicht zuletzt auch für europäische Corporates, die immer stärker an Programmen zur Zusammenarbeit und Beteiligung an innovativen Startups arbeiten.