Bei einer heute vorgestellten FinTech-Studie von PwC wurde sichtbar, was viele bereits erwartet haben: Die Finanzwelt wird von den  jungen FinTechs ordentlich durchgeschüttelt. Insgesamt 544 CEOs, Innovationschefs, CIOs und führende Manager wurden im Bereich digitale und technische Transformation in der Finanzbranche in insgesamt 46 Ländern interviewt.

Die Studie kommt zum Ergebnis, dass 83 Prozent der traditionellen Marktteilnehmer Geschäftseinbußen durch FinTechs erwarten. Unter genauerer Betrachtung geht hervor, dass Finanzinstitutionen rund 23% ihres Kerngeschäfts gefährdet sehen – FinTechs sind da noch einmal optimistischer: Sie gehen davon aus, 33 Prozent des klassischen Geschäfts zu ihrem eigenen zu machen.

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Zahlungsverkehr

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(c) PwC: Dieter Harreither

FinTechs stellen Banken und den Zahlungsverkehrssektor vor großen Herausforderungen. So rechnen Studienteilnehmer damit, in den kommenden Jahren bis zu 28% ihres Marktanteils im Zahlungsverkehrssektor an FinTechs zu verlieren, während Banken Einbußen von 24 % erwarten.

„Wenn man bedenkt, wie schnell sich die neuen Technologien entwickeln, können es sich traditionelle Financial Services-Unternehmen nicht leisten, FinTech zu ignorieren”, meint Dieter Harreither, Partner und Leiter Technology Consulting bei PwC Österreich. “Dennoch hat unsere Studie ergeben, dass immerhin 25 % der Unternehmen sich in keiner Weise mit FinTech auseinandersetzen. Angesichts des immer schneller voranschreitenden technologischen Wandels kann sich aber kein FS-Unternehmen auf seinen Lorbeeren ausruhen.”

Player in der Finanzbranche sehen übrigens die größten Bedrohungen im

  • Druck auf ihre Gewinnmargen (67 %)
  • Verlust von Marktanteilen (59 %), sowie
  • im Innovationsdruck

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Kooperationen gesucht

Die Zusammenarbeit zwischen herkömmlichen Unternehmen in der Finanzwelt und FinTech-Unternehmen erfolgt am häufigsten in Form von Kooperationen (32 %). Laut PwC deute dies darauf hin, dass “Finanzunternehmen noch nicht bereit sind, selbst voll in den FinTech-Bereich zu investieren”.

Bei der Zusammenarbeit gilt es auch einige Hürden und Herausforderungen zu meistern, wie bei folgenden Themen:

  • IT-Sicherheit (53 %)
  • regulatorischen Unsicherheiten (49 %)
  • Unterschieden im Geschäftsmodell (40 %).

Aber auch auf FinTech Seite ist die Zusammenarbeit mit Banken schwierig, aufgrund von

  • Unterschieden im Management, und
  • in der Kultur (54 %),
  • betrieblichen Prozessen (47 %)
  • regulatorischer Unsicherheit (43 %).

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(c) PwC

Veränderung

“Es gibt derzeit keine klar erkennbare Linie, wie man am Besten durch diese neue FinTech-Welt navigiert”, Dieter Harreither, PwC Österreich.

„FinTech-Unternehmen verändern die Financial Services-Branche von außen. Unsere Schätzungen für globale Investitionen im Bereich FinTech in den nächsten 3 bis 5 Jahren liegen weit über 135 Mrd. Euro”, erklärt Harreither. “Finanzinstitute und Technologieunternehmen setzen alles daran, hier mitzumischen. Die Grenzen zwischen klassischen Finanzunternehmen, Technologie- und Telekommunikationsfirmen verschwimmen zusehends, wodurch auch viele innovative Lösungen entstehen.“

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